Home
http://www.faz.net/-gr6-s0uc
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Der Mann aus der Obstplantage

12.03.2006 ·  Steve Jobs ist eine Mischung aus Genie und Diktator. Eine Biographie schildert den Weg des Apple-Gründers zum PC-Guru

Artikel Lesermeinungen (0)

Im offiziellen Firmen-Lebenslauf begnügt sich Apple-Chef Steve Jobs mit mageren elf Zeilen. Schon in diesem kurzen Text ist aber auffällig viel von Revolutionen die Rede.

So habe die von Jobs 1976 mitgegründete Computerfirma in den 70er Jahren die PC-Revolution "entflammt". In den 80er Jahren habe Apple mit dem Macintosh den Personalcomputer wiedererfunden. Heute sei das Unternehmen Innovationsführer der Branche. Außerdem führe es die digitale Musikrevolution an mit dem Abspielgerät iPod und dem Online-Musikladen iTunes.

Was nicht im Lebenslauf steht, aber unterschwellig stets mitschwingt: All diese Revolutionen hat die Welt Steve Jobs zu verdanken. Einem Mann, "aufgewachsen in den Aprikosenplantagen, die später als Silicon Valley bekannt wurden". Und der dort noch immer lebe, mit seiner Frau und seinen drei Kindern.

Das alles ist nicht falsch, jedenfalls nicht ganz. Wer es genauer wissen will, sollte zu einer neuen Jobs-Biographie greifen. Autor Jeffrey Young begleitete Jobs und die Firma Apple seit 1983 als Mitbegründer des Magazins "Mac World". Die 450 Seiten basieren auf zahlreichen Interviews mit Jobs-Vertrauten, -Freunden und -Feinden. Nur einer wollte nicht mitmachen: Steve Jobs.

Im Gegenteil ging er vor Erscheinen der amerikanischen Erstausgabe vehement gegen das Buch vor - ohne Erfolg. Erfolgreich war er vielmehr damit, alle Vorurteile gegen ihn zu bestätigen: daß es sich bei Jobs um einen aufbrausenden, arroganten und über Leichen gehenden Schnösel handelt.

In Wirklichkeit zeichnen die Autoren keineswegs ein vernichtendes Bild des PC-Gurus, den seine Fan-Gemeinde abgöttisch liebt. Vielmehr schildern sie ihn, durchaus einfühlsam, als Mischung aus Genie, Diktator und Getriebenem. Dessen harte Charakterzüge haben ein bißchen was mit dem persönlichen Verlorensein zu tun, glauben engste Freunde. Als Baby wurde Jobs von seinen Eltern zur Adoption freigegeben und wuchs in einer fremden Familie im Arbeitermilieu in der Nähe von San Francisco auf; später machte er sich mit kaum zu bändigendem Eifer auf die Suche nach seinen leiblichen Eltern.

Es stimmt: Tatsächlich muß Jobs schon in jungen Jahren gelegentlich ungenießbar gewesen sein. Bereits mit drei "erwies sich Steve als ziemlich anstrengendes Kind", das schon mal Ameisengift zu sich nahm und mit Haarnadeln in Steckdosen herumfingerte (Folge: eine häßliche Brandwunde). Als Schüler machte er den Lehrern das Leben schwer und auch die (Adoptiv-)Eltern hatten wenig zu lachen. Der junge Außenseiter ließ alle eines spüren: Die Regeln in meinem Leben bestimme ich. Von dieser Regel hat er bis heute nicht abgelassen.

Das Buch ist voll von Geschichten und Anekdoten und räumt auch mit einigen gesicherten Weisheiten auf. So war es nicht Jobs, der den legendären Macintosh-Computer erfand, sondern ein Apple-Mitarbeiter namens Jef Raskin, ein früherer Uni-Professor und Computerexperte. Jobs jedoch nahm Raskin im Mac-Projekt das Heft aus der Hand. "Steve Jobs, der als der wahre Vater des Mac zu Weltruhm gelangte, war im Grund nur der Adoptivvater", resümieren die Autoren, ohne jedoch eine einfache Wahrheit abzustreiten: Ohne Jobs wäre die Firma Apple nicht dorthin gekommen, wo sie heute steht.

Jeffrey Young/William Simon: Steve Jobs. Scherz, 19,90 Euro

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.03.2006, Nr. 10 / Seite 46
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen