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: Der Beste, was sonst!

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Dem Zeitgeschehen des Barock kam keiner näher als Grimmelshausen. Doch sein Realismus zielt vor allem auf die Beispielhaftigkeit des Wirklichen. Der Roman "Simplicissimus" nebst seinen Sprossgeschichten ist dafür bis heute berühmt und beliebt. Heinz Ludwig Arnold würdigt Grimmelshausen, über dessen ...

          Dem Zeitgeschehen des Barock kam keiner näher als Grimmelshausen. Doch sein Realismus zielt vor allem auf die Beispielhaftigkeit des Wirklichen. Der Roman "Simplicissimus" nebst seinen Sprossgeschichten ist dafür bis heute berühmt und beliebt. Heinz Ludwig Arnold würdigt Grimmelshausen, über dessen Leben man nur wenig weiß, in "Text + Kritik" jetzt als den "bedeutendsten deutschen Dichter des 17. Jahrhunderts". Dabei wird besonders das Raffinement der unter allen möglichen anagrammatischen Namen operierenden Autor- und Erzählerfiguren deutlich. Ihre Vexierspiele, Täuschungen und Wahrnehmungsexperimente verdanken sich nicht zuletzt neuen optischen Instrumenten wie Teleskop und Camera obscura. Sie spiegeln sich aber auch in der Bildlogik der Titelkupfer. Wenn das Buch, das der Satyr auf dem Deckblatt zum "Simplicissimus" hochhält, eine "Gauckel-Tasche" ist, dann kann jeder Betrachter darin etwas anderes erblicken, je nach eigenem Standpunkt. Das mag als Fingerzeig für das ganze Werk gelten: Denn aus unterschiedlichen Perspektiven sieht man darin ein verblüffend vielfältiges Wissen verarbeitet. Dem betont unakademischen Grimmelshausen traute man das lange Zeit kaum zu, da ihm der hohe Ton eines "poeta doctus" völlig fremd ist. (Heinz Ludwig Arnold [Hrsg.]: "Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen". Edition text + kritik, München 2008. 285 S., br., 28,- [Euro].) kos

          Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.07.2008, Nr. 171 / Seite 32

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