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„Das Eva-Prinzip“ : Lebenslüge Selbstverwirklichung

  • Aktualisiert am

Gegenwind für das „Eva-Prinzip” Bild: ddp

„Zwischen Steinzeitkeule und Mutterkreuz“ siedelt Alice Schwarzer die emanzipationskritischen Thesen Eva Hermans an. Die „Tagesschau“-Sprecherin hat ihr Buch „Das Eva-Prinzip“ vorgestellt und wehrt sich gegen Vorwürfe.

          Eva Herman gibt sich kämpferisch: „Die Sache ist zu wichtig, um mich einschüchtern zu lassen“, schreibt die langjährige „Tagesschau“-Sprecherin in ihrem am Donnerstag vorgestellten und schon heftig debattierten Buch. Seit Wochen sorgen die provokanten Thesen der 47 Jahre alten Moderatorin für Schlagzeilen und Kritik. Mit ihrem Plädoyer für eine Rückkehr zur traditionellen Wahrnehmung der Geschlechter brachte die Autorin nicht nur Feministinnen gegen sich auf, sondern erntete im ganzen Land scharfen Widerspruch. So viel PR-Rummel dürfte sich jeder Autor wünschen, auch wenn sich Herman am Donnerstag bei der Vorstellung ihres Buches in Berlin gegen eine „Vorverurteilung“ gewehrt hatte. Dabei legte der Medienprofi immer wieder mit streitbaren Behauptungen nach.

          Wofür die erfolgreiche Fernsehfrau „kämpfen“ will, das beschreibt sie auf rund 260 Seiten unter dem Titel „Das Eva-Prinzip - Für eine neue Weiblichkeit“ (Pendo Verlag). In acht Kapiteln spannt sie gemeinsam mit Co-Autorin Christine Eichel den Bogen von der „Lebenslüge Selbstverwirklichung“ und dem „geleugneten Unterschied“ zwischen Adam und Eva über das „Drama der Kinder“ bis hin zu den „Machtansprüchen des Feminismus“ und dem „Weg zur Versöhnung“. „Sind wir überhaupt noch Frauen?“, fragt das einstige „Superweib“ Herman, seit Jahren erfolgreich in der Fernsehbranche und Mutter eines Sohnes, und meint: „Wer solche Fragen laut stellt, bricht ein Tabu. Der gilt als Verräter an der Sache der Frau und muß mit Gegenwind rechnen...“

          Berufstätigkeit aus „purer Überlebensnot“

          Daß der blonden Moderatorin der Kritiker-Sturm auch nach der Veröffentlichung ihres Werkes um die Nase wehen wird, ist zu erwarten. Neben ihren schon medienwirksam publizierten Provokationen schildert die gebürtige Ostfriesin zwar Beobachtungen aus ihrem Alltag, führt Theorien von Karl Marx bis hin zu Verhaltensforscher Konrad Lorenz und dessen „Mutterersatz“ für Graugansküken auf, geht auf bekannte Studien ein - manchmal ausführlicher, meistens aber nur angerissen. Vor allem aber attackiert die einstige „Vorzeigefrau“ das „Kampfgetöse“ der Feministinnen. Deren Ziel, „die Freiheit der Frau, ihr Anspruch auf ein erfülltes Leben, ist nicht eingelöst worden“.

          „Die Reduzierung meiner Thesen auf den Slogan 'zurück zum Herd' ist falsch”

          „Doch Vorsicht: Wer dies ausspricht ist ein Spielverderber“, kritisiert die in Hamburg lebende Autorin. Selbstverwirklichung sei vielfach reine Selbsttäuschung - „ein Deckmantel für egoistische Alleingänge oder wirtschaftliche Zwänge, bei denen erst die Familie auf der Strecke bleibt und dann die Frauen selber“. Da es aber doch jene Frauen gebe, die aus „purer Überlebensnot“ berufstätig sein müßten, empfiehlt die in vierter Ehe Verheiratete knapp: „Hier muß die Politik sich Gedanken machen, muß diesen Frauen grundsätzlich entgegenkommen und Mutterschaft auch unter extremen Bedingungen bezahlbar machen...“

          Psychische Probleme durch Hausarbeit?

          Ihr Buch prangert die Nachteile der Fremdbetreuung von kleinen Kindern an, kritisiert den „Drill der DDR-Krippen“ und gelangt zu der wenig überraschenden Feststellung: „Das Problem in Deutschland ist und bleibt: „Sehr gute Krippen gibt es zu wenige, und hierfür müßten der Staat und die Gesellschaft zahlen, um ihrer Verantwortung gegenüber der nächsten Generation gerecht zu werden.“ Aber wohl nur für „Notfälle“, denn eigentlich lautet ihre Botschaft: „Wer immer noch glaubt, der Mensch könnte sich durch Zivilisation und kulturelle Selbsterschaffung von seiner ursprünglichen Natur befreien, sitzt einem gewaltigen Irrtum auf.“

          Für Männer bedeute das, keine Hausarbeiten und Kindererziehung - „nie in der Menschheitsgeschichte“ hätten sie dies freiwillig getan und seien aufgrund ihrer Veranlagungen auch nicht dafür vorgesehen. Würde das starke Geschlecht trotzdem in die Pflicht genommen, könne dies bei ihm zu Verunsicherungen und psychischen Probleme führen. Überhaupt verwundere es nicht, daß Jungen durch die Gleichbehandlung in der Schule mit zunehmendem Alter verhaltensauffälliger und gewaltbereiter würden als Mädchen.

          Feministinnen „verstehen unsere Sprache nicht“

          Die Fernsehfrau, die sich zwar bei der „Tagesschau“ eine Auszeit genommen hat, aber dafür bei der Promotion für ihr Buch wohl auch kaum noch Zeit gehabt hätte, sieht die Umkehr zum jahrtausendealten „Erfolgsmodell der Aufgabenteilung“ als Lösung. Frauen sollten nicht mit Männern konkurrieren, sich auf ihre natürlichen Fähigkeiten besinnen und das tun, was sie am besten könnten - „ein warmes Nest bauen“. Herman: „Männer scheinen für viele Frauen längst nicht mehr zu einem erfüllten Leben dazuzugehören.“

          Dagegen, daß berufstätige Frauen sich oft zwischen Job und Familie aufrieben oder erst gar nicht für ein Kind entschieden, habe auch der Feminismus kein überzeugendes Konzept gefunden. Frauen dürften das Feld nicht „Einpeitscherinnen, die uns ein männliches Rollenbild aufzwingen wollen“ überlassen, kritisiert sie Frauenrechtlerin Alice Schwarzer, die Hermans Thesen „zwischen Steinzeitkeule und Mutterkreuz“ angesiedelt hatte. Dennoch sieht das „Eva“-Prinzip eine „Versöhnung“ vor, denn es lohne nicht, den Feminismus zu bekämpfen - „sie verstehen unsere Sprache ohnehin nicht“.

          Thesen und Reaktionen

          „Nie in der Menschheitsgeschichte haben Männer die Hausarbeiten freiwillig verrichtet oder Kinder aufgezogen, aufgrund ihrer Veranlagungen sind sie auch nicht dafür vorgesehen.“
          (Eva Herman in „Das Eva-Prinzip“)

          „Wir haben die am besten ausgebildete Frauengeneration aller Zeiten. Diese will mehr als Hausfrau und Mutter sein - und das ist gut so!“
          (Regina Seidel, Präsidentin des Verbands deutscher Unternehmerinnen, am Donnerstag über Eva Hermans Buch.)

          „Wir Frauen sollten nicht mehr konkurrieren, wir sollten uns auf unsere natürlichen Fähigkeiten besinnen.“
          (Eva Herman in „Das Eva-Prinzip“.)

          „Vom güldenen Thrönchen aus spielt sich's leicht Hausfrau.“
          (Regina Seidel, Präsidentin des Verbands deutscher Unternehmerinnen, zu Eva Hermans Thesen)

          „Solche 'Zurück-ins-Haus'-Parolen - übrigens vorwiegend ausgegeben von Karrierefrauen - sind pure Provokation und Geschäftemacherei. Wir Frauen haben besseres zu tun, als uns durch solche Spielchen aufhalten zu lassen.“
          (Frauenrechtlerin Alice Schwarzer über „Das Eva-Prinzip“)

          „Es lohnt sich nicht, den Feminismus zu bekämpfen - sie verstehen unsere Sprache ohnehin nicht“.
          (Eva Herman in „Das Eva-Prinzip“)

          „Feminismus, das bedeutet uneingeschränkt gleiche Chancen und Rechte - inklusive Pflichten! - für Frauen wie Männer.“
          (Alice Schwarzer zu Eva Hermans Thesen)

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