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Daniel Cordier und André Malraux : Vergegenwärtigungen der Résistance

Bild: Éd. Gallimard

Daniel Cordier erzählt, wie er vom Akteur zum Historiker der Résistance wurde. Und von André Malraux erscheinen Fragmente eines nie geschriebenen Romans über den französischen Widerstand.

          Im Dezember 1964 wird die Asche Jean Moulins - oder was für sie gilt - ins Panthéon überführt. André Malraux hält als Kulturminister de Gaulles seine berühmt gewordene Gedenkrede auf den Mann, der 1943 die großen Résistance-Bewegungen unter die Führung de Gaulles gebracht und die Nachkriegsordnung vorbereitet hatte, bevor er von den deutschen Besatzern verhaftet und zu Tode gefoltert wurde. In der Ehrenwache hinter ihm steht ein Résistant, der in letzter Minute zur Zeremonie gebeten worden ist.

          Helmut Mayer

          Redakteur im Feuilleton.

          Er war vergessen worden, so wenig hatte Daniel Cordier aus seiner Zeit als Sekretär und Funker Jean Moulins gemacht. Es ist Cordiers erste offizielle Gedenkfeier, Malraux’ Stimme dringt aus Lautsprechern, die der Wind unter einem tiefem Pariser Winterhimmel bewegt. „Der Effekt war wunderbar: Die Stimme verlor sich und kehrte dann auf einen Schlag wieder, maßlos, gleich der eines Gottes. Malraux blieb Malraux; er hatte kaum teilgenommen an der Résistance, aber das war ein Künstler. An diesem Tag träumte er seine Vergangenheit, und der Himmel war mit ihm.

          Roman gegen Archivarbeit

          “Man findet diese Erinnerung in einem schmalen Band des bald dreiundneunzigjährigen Daniel Cordier (“De l’histoire à l’histoire“. Éd. Gallimard, Paris 2013. 152 S., br., 15,- €). Was er wohl noch nicht wusste, als er auf die Fragen der Historikerin Paulin Ismard antwortete, aus denen das Buch hervorgegangen ist: Malraux hatte in den sechziger Jahren wieder sein altes Projekt eines Romans über die Résistance aufgenommen, sich Ideen und Stichworte notiert und auch zur Probe einige Szenen geschrieben. Diese Texte, samt den offiziellen Würdigungen der Résistance - der letzte datiert von 1975, ein Jahr vor Malraux’ Tod -, kann man nun nachlesen (“Non“. Fragments d’un roman sur la Résistance. Èdité par Henri Godard et Jean-Louis Jeannelle. Èd. Gallimard, Paris 2013. 134 S., br., 15,90 €).

          Die von Malraux erwogene romanhafte Behandlung steht in Kontrast zur penibel recherchierten Biographie Jean Moulins, die Daniel Cordier dann Ende der achtziger Jahre veröffentlichte - um den Vorwurf zu widerlegen, der inzwischen öffentlich gemacht worden war, dass nämlich Moulin insgeheim eine kommunistische Agenda verfolgt habe. Ein Vorwurf, in dem noch einmal die Konflikte zwischen Moulin und den Chefs der Résistance-Gruppen zum Ausdruck kamen.

          Cordier erzählt, wie er wegen dieses Anwurfs mit über fünfzig Jahren zum Historiker der Résistance wurde und an welche Auseinandersetzungen über ihr Bild er mit seinen Nachforschungen rührte. Pierre Nora, der Cordier auch seine vor wenigen Jahren erschienene Biographie der Jahre 1940 bis 1944 abforderte, schreibt im Vorspann vom großen Zeugen und Akteur Cordier, der aus Leidenschaft Kunsthändler war und durch Zufall zum Historiker wurde. Vom profilierten Händler und Sammler zeitgenössischer Kunst, der Ende der fünfziger Jahre auch in Frankfurt eine Galerie führte, würden wir gern noch einmal lesen.

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