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C. Menke und J. Rebentisch (Hrsg.): Kreation und Depression : Schöne neue Arbeitswelt

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Bild: Verlag

Würde es Ihnen etwas ausmachen, etwas weniger kreativ auf die Tube zu drücken? Ein von Christoph Menke und Juliane Rebentisch herausgegebener Band spürt dem delikaten Verhältnis von Erfolgsdruck und Depression nach.

          Der Wandel in der Arbeitswelt hin zum „flexiblen Menschen“ (Richard Sennett) hat zu unerwarteten Zwangsneurosen geführt, die lähmende Stimmungen entfalten. An die Stelle der sozialversicherungspflichtigen Monotonie ist die prekäre Kreativität des Freiberuflers getreten. Dass der Entzug von verlässlichen finanziellen Grundlagen auf Dauer bedrohlicher wirkt als die Einschränkung der Beweglichkeit, gehört zu den ironischen Erkenntnissen einer spätkapitalistischen Gesellschaft. Der flexible Mensch ist vor lauter Chancen, die er zum Überleben im Blick behalten und zur rechten Zeit ergreifen muss, müde geworden. Erschöpfungserscheinungen wie innere Leere, gefühlte Minderwertigkeit, Antriebsschwäche und nicht zuletzt das Überhandnehmen von psychischen Krankheiten wie Depressionen sind die Folge.

          Das was man als Volkskrankheit bezeichnet, beschäftigt mittlerweile nicht nur die Psychologie, sondern auch die Sozialwissenschaften. Christoph Menke und Juliane Rebentisch haben einen kenntnisreichen Band zusammengestellt, der sich dem Thema aus verschiedenen sozialwissenschaftlichen Perspektiven nähert. Dabei ist die Doppelsyntax aus „Kreation und Depression“ - so der Titel des Bandes - nicht nur Teil der Arbeitswelt, sondern prägt auch das Privatleben, wo Kommunikation im Echtzeitmodus ständige Erreichbarkeit voraussetzt (Facebook und Smartphones), wo der Einstieg ins Berufsleben über unentgeltliche Leistungen hart erkämpft werden muss (Generation Praktikum) und der Aufbau von zwischenmenschlichen Beziehungen nur auf Zeit, also im Konjunktiv, geschieht (Bindungsangst).

          Ein paradoxer Zustand der Einsamkeit und Depression

          In diesem Sinne machen die Soziologen Luc Boltanski und Éve Chiapello auf die Gefahren von Zeitarbeitsverträgen und unsicheren Arbeitsverhältnissen aufmerksam, die vom idealtypischen Mitarbeiter völlige Einsetzbarkeit und Kompromissbereitschaft erfordern: „Er (der freie Mitarbeiter) kann sich je nach Umständen sehr unterschiedlichen Situationen angleichen. Er ist polyvalent, fähig, Vorgehensweise und Werkzeug zu wechseln. Er ist einsetzbar.“ Daher nehmen auch die Virulenz und Abhängigkeit von Netzwerken zu, die ein ständiges Abgleichen von Informationen über die rasant sich verändernde Marktlage notwendig machen.

          Schließlich ist es der Grad der Vernetzung, der über Aufstieg und Fall der eigenen materiellen Existenz entscheidet. Hier lässt sich auch eine Parallele zwischen der Funktionslogik der Finanzökonomie und den Mechanismen der neuen sozialen Medien erkennen: Die Börse informiert über den Wert von Aktien in einer ähnlichen Transparenz, wie es soziale Netzwerke tun, die den Wert ihrer Mitglieder über die Anzahl der Freundschaften kategorisieren. Eine gepflegte Facebook-Seite ist daher zu einem wesentlichen Einstellungskriterium für moderne Arbeitgeber geworden. Die resultierende Unruhe, das selbstverschuldete Verlangen, sich jeden Tag neu zu erfinden, Netzwerke zu bilden, um den Anschluss nicht zu verlieren, verkehrt sich im Wortschwall der virtuellen Kommunikation in einen paradoxen Zustand der Einsamkeit und Depression.

          Nicht jeder kann außergewöhnlich reich, klug und erfolgreich sein

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