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AfD und Pegida : Raus aus der Bunkermentalität

Pegida-Kundgebung in Dresden Bild: dpa

Streit ist der bessere Weg: Thomas Wagner plädiert für einen unverkrampften Umgang mit den „Neuen Rechten“.

          Schon wieder ein Buch über die sogenannten Neuen Rechten. Kaum ein Thema wird derzeit auf dem Buchmarkt so häufig beackert, eher selten erfährt man dabei Neues. Thomas Wagner legt dagegen ein Werk vor, das sich in einem Punkt wohltuend unterscheidet und so zum Erkenntnisgewinn beiträgt: Er redet mit den Protagonisten der Szene, und er liest ihre Schriften, bevor er über sie schreibt. Das klingt banaler, als es ist, denn noch immer gilt in der Bundesrepublik der Bannfluch: Mit „Rechten“ spricht man nicht. Den jüngsten Eiertanz dazu führte ausgerechnet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ auf, das seine Bestsellerliste manipulierte, um seine Leser vor dem Buch „Finis Germania“ zu bewahren, geradezu so, als seien diese nicht zu einem selbständigen Urteil in der Lage.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Wagner, der als Autor unter anderem für „Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Freitag“ und „Junge Welt“ arbeitet, nähert sich der Materie weitgehend unbefangen und geht noch einen Schritt weiter: 1968, so seine These, war nicht nur der Ursprung eines linksliberalen Gesellschaftsmodells, sondern auch der Neubeginn der politischen Rechten. Die pflegte fortan nicht nur das Feindbild der Achtundsechziger, sondern lernte zunehmend auch von deren Aktionsformen. So verabreden sich ihre Vertreter heute zu Sitzblockaden vor dem Eingang der CDU-Bundeszentrale, sie lassen Losungen („Sichere Grenzen – sichere Zukunft“) vom Brandenburger Tor herunter oder platzen spontan in Lesungen und Theateraufführungen. „Es ist wie ein Déjà-vu. Nur mit umgekehrten Vorzeichen“, schreibt Wagner. „Heute sind es nicht mehr elitäre Kulturkonservative, sondern egalitär gesinnte Linksliberale, die auf den alten Sponti-Trick hereinfallen.“

          Und statt linker Studenten rennen heute gestandene rechtskonservative Politiker und Professoren gegen das Establishment an, sie rufen nach mehr direkter Demokratie, beschweren sich über die Meinungsmacht der Medien, verurteilen Waffenlieferungen und Kriege, kritisieren die Religion, vor allem den Islam, und sie verteufeln den Kapitalismus sowie die politische Korrektheit. Da staunt der einstige Sponti, und der Altachtundsechziger wundert sich.

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          Ihre oft jahrzehntelang geübten Abwehrreflexe, die „berühmten Kampfmittel gegen rechts“, die sie heute oft als Verantwortliche in den Institutionen proben, liefen zunehmend ins Leere, schreibt Wagner. Denn „Leute, die sich als Nazi-Gegner darzustellen wissen und nach mehr Bürgerbeteiligung rufen, lassen sich schwerlich als Anhänger einer faschistischen Diktatur stigmatisieren.“

          Die pauschale Einordnung als „rechts“ aber scheint bis heute für nicht wenige in Politik und Medien alles zu erklären, nur selten wird überhaupt zwischen konservativ, rechtspopulistisch, rechtsradikal und rechtsextrem getrennt. Vielmehr ist „rechts“ meist irgendwie „Nazi“, womit sich in einer Mischung aus Feigheit und Faulheit jede weitere Auseinandersetzung erübrigen soll, Ende der Diskussion. Auf diese Weise wurden lange etwa Pegida und die AfD pauschal abmoderiert, was jedoch diesen Gruppierungen erst recht Zulauf bescherte.

          Und so kommt Wagner, von Haus aus ein linker Soziologe, zu der naheliegenden Frage, ob nicht der offen geführte Streit der viel besserer Weg sei, sich mit rechten Intellektuellen auseinanderzusetzen, als sie vom Diskurs auszuschließen. Er selbst sprach mit dem Verleger Götz Kubitschek und dessen Frau, der Publizistin Ellen Kositza, mit dem Sprecher der Wiener „Identitären Bewegung“, Martin Sellner, dem französischen Vordenker der „Nouvelle droite“, Alain de Benoist, sowie dem inzwischen verstorbenen Kultursoziologen Henning Eichberg und dem früheren APO-Aktivisten Frank Böckelmann, der zu Pegida geht. Reflektiert werden ihre Äußerungen durch weitere Gesprächspartner aus Wissenschaft und Kunst.

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