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Über Arthur Conan Doyle : Geisterstunde mit Sherlock Holmes

Porträt ohne Elfen: Arthur Conan Doyle Bild: picture alliance / Heritage Imag

Arthur Conan Doyle ist der Schöpfer von Sherlock Holmes. Aber wirklich stolz war er auf seine Geisterfotografie. Der Literaturhistoriker Bernd Stiegler löst diesen merkwürdigen Fall mit zwei neuen Büchern.

          Für Geister haben wir keine Verwendung. Das sagt Sherlock Holmes in einem Fall von 1924, bei dem eine Frau in Verdacht gerät, Vampir am eigenen Kind zu sein. Arthur Conan Doyle, der Autor dieser Geschichte, hatte seinerseits aber durchaus Verwendung für übersinnliche Erscheinungen. Seine große Passion war der Spiritismus. Anfangs ablehnend, war er von 1886 an immer mehr in die Welt der Séancen und der Geisterfotografie eingetaucht. Von dem Einfall, Sherlock Holmes zum Geisterglauben konvertieren zu lassen, den Doyle nach seinem öffentlichen Bekenntnis zu dieser Überweltanschauung 1916 zunächst hatte, rückte er zwar wieder ab. Lieber die Einnahmen aus der rationalen Weltsicht nicht gefährden! Zuletzt aber erschien es ihm immer seltsamer, dass seine Fiktion, Sherlock Holmes, für wirklich gehalten wurde, während die Wirklichkeit der Klopfzeichen angezweifelt wurde. Seinen Anhängern gegenüber soll er sich nach 1960 sogar aus dem Jenseits über seinen Nachruhm für das Unwesentliche beschwert haben.

          Der Konstanzer Literaturhistoriker Bernd Stiegler wendet sich jetzt diesen beiden Welten bei Doyle in zwei Büchern zu: in einer kulturhistorischen Abhandlung und in einer Edition der Aufsätze Doyles über Fotografie. Acht Jahre lang praktizierte Doyle als Augenarzt und schrieb schon währenddessen kleine Anleitungen für Amateurfotografen („Drei Tage auf der Suche nach Effekten“). Später kamen solche darüber hinzu, wie man Geister ablichtet, und schließlich ein ganzes Buch über das Fotografieren von Elfen.

          Fotografien als Beleg

          Stieglers Buch ist eine Fundgrube an Belegen dafür, wie die Fotografie Ende des neunzehnten Jahrhunderts in immer neue Bereiche ausstrahlte. Wir lernen, dass Bilder damals tatsächlich „geschossen“ werden konnten, mittels der fotografischen Flinte, die ein französischer Arzt erfunden hatte. Sherlock Holmes setzt sich mit der Theorie Bertillons auseinander, man könne Verbrechern an ihren Gesichtern ansehen, dass sie welche sind. Holmes selbst löst den berühmten Fall des Hundes von Baskerville, indem sich in seinem Kopf ein „Kompositbild“ herstellt, wie es von Francis Galton zur Identifikation von Verbrechertypen durch Überblenden ihrer wichtigsten Züge vorgeschlagen worden war: Die physiognomische Familienähnlichkeit zwischen dem Mörder und seinen Opfern führt zum Motiv. Ein ganzes Kapitel widmet Stiegler einer mittels Fotografien geführten Kampagne Doyles gegen die belgischen Greueltaten in Kongo, die durch Abbildungen der grausam zugerichteten Opfer das Leugnen schwierig machte. „Die Kodak“, sinniert Belgiens König Leopold in einem fiktiven „Selbstgespräch“, das Doyles Mitstreiter Mark Twain verfasst hatte, „ist in der Tat der mächtigste Feind, der uns entgegengetreten ist.“

          Im Anschluss an diesen humanitären Feldzug probierte Doyle die Gattung des Fotoromans aus. In „Die vergessene Welt“ wurden 1912 der Geschichte über eine Expedition zu lebenden Dinosauriern gestellte Bilder von Urlandschaften, den Forschern und dem archaischen Getier beigegeben. 1922 verblüffte Doyle sogar durch bewegte Bilder von Dinosauriern in der Verfilmung seines Romans. Erstmals führte er sie auf einem Kongress von Zauberern vor, weil er schon lange in eine Konkurrenz mit dem Magier Houdini eingetreten war, bei der jeder dem anderen nachzuweisen versuchte, dass er in Bezug auf das Übersinnliche irre. „Spiritist verzaubert Magier“ titelte die „New York Times“ über diesen Coup. In der nächsten Runde war es dann wieder an Houdini, die spiritistischen Belege als Tricks zu entlarven.

          Die Wasser des Reichenbach

          Apropos Tricks: Mit manchen Passagen seines Buches hat Stiegler sich das Ehrenabzeichen der Gesellschaft zur Erweiterung philologischer Spielräume verdient. So lässt er Conan Doyle seinen Helden 1891 in die Reichenbachfälle stürzen, weil sie denselben Namen tragen wie der Verfasser der odisch-magnetischen Briefe, Karl von Reichenbach. Der hatte, Chemiker wie Holmes, einst das Paraffin entdeckt, bevor er sich in seinem Spätwerk zu der These verstieg, Magneten strahlten Licht aus, das von besonders sensiblen Menschen wahrgenommen werden könne. Allerdings hatte Conan Doyle die These, von allem Lebendigen gehe eine Kraft namens „Od“ aus, schon 1883 kritisiert. Und die Reichenbachfälle heißen so, weil ihr Wasser aus dem Reichenbach kommt. Doch dass der Name den Spiritisten Doyle magnetisiert haben mag, kann nicht ausgeschlossen werden.

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