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Veröffentlicht: 11.03.2017, 10:40 Uhr

Arnold Eschs Geschichte Roms Nepotismus hat auch seine guten Seiten

Ein Führer durch die Ewige Stadt, wie man sich ihn kaum besser wünschen kann: Arnold Esch erzählt die Geschichte Roms und der Päpste im Übergang vom Spätmittelalter zur Renaissance.

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© Picture-Alliance Als die Renaissance vor der Tür stand: Um 1536 zeichnete Marten van Heemskerck den Vatikan mit der Loggia von Alt St. Peter und dem Apostolischen Palast.

Zu Weihnachten des Jahres 1468 reiste der deutsche Kaiser Friedrich III. als Gast von Papst Paul II. nach Rom. Sein Gefolge bestand aus 320 Personen mit 396 Pferden, die auf 27 Hotels aller Kategorien verteilt wurden. Im „Galea“ an der Engelsbrücke waren 29 Mann mit 26 Pferden untergebracht. Als sie in der zweiten Januarwoche wieder aufbrachen, hatten sie den Weinkeller des „Galea“ leer getrunken. Zur Auffüllung kaufte der Hotelwirt achteinhalb botte oder 4460 Liter Importwein. Viertausendvierhundertsechzig!

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Die Frage, wie viertausend Liter Wein in drei Wochen durch die Mägen von dreißig deutschen Rittern laufen konnten, ist nur eins von vielen Schmankerln, die Arnold Eschs Buch über die Stadt der Päpste im fünfzehnten Jahrhundert bereithält. Der Autor, langjähriger Leiter des Deutschen Historischen Instituts in Rom und eminenter Kenner der Geschichte, Kultur und Landschaft Mittelitaliens, hat seine Leser schon auf viele Reisen in die Welt des Mittelalters und der frühen Neuzeit mitgenommen, und auch in seinem neuen Rom-Panorama erweist er sich als ebenso sprachgewandter wie allwissender Cicerone.

Wiedergeburt Roms im Zeichen der Renaissance

Wenn sich in die Freude über dieses Buch dennoch ein leises Bedauern mischt, liegt das weniger an einem Fehler des Autors als an einem Versäumnis des Verlags. Eschs „Rom“ ist ersichtlich aus Einzelstudien zusammengefügt, von denen jede zum Grundstock eines eigenen Buchs hätte werden können - über die Kunst und Architektur, den Humanismus, den Papsthof oder den Lebensalltag im Rom der Frührenaissance. Die Klammer aber, die alle diese Aspekte zusammenhält, die Geschichte der Päpste von Urban VI. bis zu Sixtus IV., ist weniger stark geschmiedet, als es dem Stoff guttut. Fast scheint es, als hätte Esch den Vergleich mit seinem Vorbild Ferdinand Gregorovius vermeiden wollen, dessen zu Unrecht vergessene „Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter“ immer wieder wie durch ein Palimpsest durch die Seiten dieses Buchs hindurchschimmert.

Bei Gregorovius beginnt die Renaissance in Rom mit der Ankunft Martins V. im Jahr 1420 nach seiner Wahl zum Papst auf dem Konzil in Konstanz, und im Grunde setzt auch Eschs historische Erzählung mit diesem Datum ein - auch wenn er in zwei langen Eingangskapiteln auf die Vorgeschichte zurückblickt, den Aufstand Cola di Rienzos, das Schisma, den Kampf der Stadtrömer um ihre Freiheit. Martin V., ein Spross des Hauses Colonna, macht mit der aufmüpfigen Kommune kurzen Prozess, er zementiert die Papstherrschaft im Kirchenstaat und setzt den Nepotismus seiner Vorgänger ungehemmt fort. Ebendamit, so Esch, schafft er die Voraussetzungen für die Wiedergeburt Roms im Zeichen der Renaissance.

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