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Andrew James Johnston: Robin Hood : Otto Normalräuber wie er uns gefiel

Bild: C.H. Beck Verlag

Andrew James Johnston spürt der Herkunft des großen Umverteilers Robin Hood nach. Der Blick auf die literarischen und filmischen Anverwandlungen der Figur kommt dabei nicht zu kurz.

          Die Reihe „Wissen“ des Verlags C.H. Beck ist zu Recht vielgerühmt. Man zahlt neun Euro und hat nach vier Stunden Lektüre eine Vorstellung von der Seidenstraße, weiß, wofür Voodoo als nützlich gilt und wie es sich mit der Migräne oder mit der Antimaterie verhält. Die entsprechenden Wikipedia-Einträge werden dabei locker überboten. Nun also Robin Hood, der Rächer der Drangsalierten.

          Der Autor, Anglist aus Berlin, macht uns die schmerzhafteste Mitteilung gleich zu Beginn: Es hat so jemanden nicht gegeben. Alle vermuteten Identitäten Robin Hoods verflüchtigen sich bei näherer Quellenbetrachtung. Vielleicht war der Name sogar eine Sammelbezeichnung für Banditen, was die Suche nach einer historischen Person so sinnvoll macht, als versuchten die Leute in siebenhundert Jahren herauszufinden, ob Otto Normalverbraucher wirklich mit Lieschen Müller verheiratet war. Die Legende jedenfalls stammt aus dem vierzehnten Jahrhundert und stützt zunächst Feste, bei denen zu Pfingsten Theater gespielt und mit dem Bogen geschossen wurde. Robin Hood ist hier eine Art Jagdpatron und Sommerkönig.

          Flucht auf die Theaterbühne

          Johnston führt uns von dieser Volkstradition über die Balladen, die von Hood sangen, bis zu den ersten Erzählungen. Dabei lernen wir, wie wenig man den alten Schlagern trauen kann und dass zwar nicht der Sheriff von Nottingham, aber Maid Marian und überhaupt Frauen in ihnen fehlen. Na typisch. Kleine Ausflüge in die Geschichte populärer Aufräumaktionen (High Noon) und zum Motiv der Bogenschützen in der englischen Geschichte sind ebenso erfreulich wie die Klärung der Frage, ob Robin Hood links oder wertkonservativ, homosexuell oder ein Modernisierungsverlierer war, der sich auf das Ausrauben derjenigen verlegte, die an seinesgleichen sozial vorbeigezogen waren. Ganz nebenbei werden wir so in der Sozialgeschichte Englands unterrichtet.

          In der Frühen Neuzeit bedienen sich dann unterschiedliche Interessen des Mythos. Die Bettelorden werden ihm in Gestalt von „Bruder Tuck“ inkorporiert, Marian sorgt für Monogamie, aber das Pfingstfest mit den Hood-Spielen wird in den Wirren der politisch-theologischen Konflikte zwischen Reformation, Heinrich VIII. und Elisabeth I. unerwünscht. Robin Hood flüchtet auf die Theaterbühne, die ersten Stücke über ihn kommen heraus. Johnston deutet Shakespeares herrliche Waldanarchie in „Wie es Euch gefällt“, wo Robin Hood erwähnt wird, als Antwort auf die konkurrierenden Dramen. Wenn er die damalige Praxis der Gesetzlosigkeit, der Selbstjustiz und des adligen Verbrechertums erklärt, ist das eine der hinreißendsten Passagen des Büchleins.

          Der große Umverteiler im Film

          Spät wird die Figur des Robin Hood mit König Richard Löwenherz - Regierungszeit 1189 bis 1199 - verbunden, wir sind da schon bei Walter Scotts „Ivanhoe“ von 1819 und seinem schottischen Gesichtspunkt, dass germanische Angelsachsen (gut) und französische Normannen (ungut) nicht dasselbe sind. So dürften die meisten hierzulande Robin Hood kennengelernt haben, als den Wahrer älterer Rechte gegenüber Okkupatoren. Die älteren Rechte jedoch sind neuere Erfindungen; unterhaltsam, weil erfunden.

          Bleibt das Kino. Im Schlusskapitel des Buches wird die unglaubliche Anzahl von Verfilmungen bedacht, die der Stoff gefunden hat. Johnston gerät schier außer sich ob der Fassung mit Douglas Fairbanks als Hood, 1922. Wir ziehen demgegenüber den erotisch aufgeladenen Streifen vor, den Michael Curtiz 1938 gedreht hat, mit Claude Rains als Prinz Johann Ohneland und dem großartigen Basil Rathbone als Guy von Guisborne. Hier ist Robin Hood der große Umverteiler, der sich gegen adlig-britisch anmutende Kolonisatoren wehrt. Johnston deutet vielleicht ein bisschen viel in diesen wie auch eine Handvoll weiterer Verfilmungen hinein, und lässt merkwürdigerweise die Disney-Fassung aus. Aber das kann das Vergnügen an dieser kleinen Heldengeschichte nicht mindern.

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