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Alfred Schlicht: Geschichte der arabischen Welt : Was vor und nach dem Zeitalter der Kreuzzüge geschah

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Bild: Reclam

Vom Nomadentum zum Islamismus: Die dreitausendjährige Geschichte der Araber kann auch weltlich geschrieben werden, wie Alfred Schlicht beweist.

          Seit zweieinhalb Jahren befindet sich ein Teil der arabischen Welt in einem Aufbruch, dessen Ziel und Ende niemand vorhersagen kann. Manche sprechen von einer neuen Epoche der arabischen Geschichte, obwohl die blutigen Ereignisse in Syrien, aber auch der in den Augen westlicher Beobachter schleppende Fortgang des „Arabischen Frühlings“ in Tunesien, Libyen, Ägypten und anderswo längst auch viele Skeptiker auf den Plan gerufen haben. Sie befürchten, am Ende werde sich wieder ein - kosmetisch leicht verändertes - Autokratentum etablieren, das zur Genüge bekannt ist.

          Auch der Ausblick, den Alfred Schlicht im letzten Kapitel seiner jüngst erschienenen „Geschichte der arabischen Welt“ gibt, ist von großer Nüchternheit getragen: Der Autor, ein orientalistisch ausgebildeter Diplomat, lehnte von Beginn der tunesischen Revolution im Dezember 2010 an die hochgespannten Erwartungen ab, die damals viele hegten. Sie waren unrealistisch und entsprachen westlichem Wunschdenken. Mit der Demokratie haben die Araber keine, mit dem modernen Pluralismus nur geringe Erfahrung.

          Fast vergessene Reiche

          Man muss bewundern, wie Schlicht die dreitausend Jahre währende Geschichte der Araber auf 363 Seiten Text kompakt zusammenfasst. In neuerer Zeit gibt es nicht wenige Gesamtdarstellungen des Themas - von Francesco Gabrieli und Franz Taeschner angefangen bis zu den umfassenderen Arbeiten Ulrich Haarmanns, Albert Houranis und, zuletzt, Eugene Rogans. Schlicht möchte sich von diesen Darstellungen dadurch abheben, dass er - trotz der enormen Bedeutung, die der Islam ohne jeden Zweifel für die Araber hatte und hat - eine auch weltlich orientierte Geschichte der Araber bietet.

          Zwar treten die Araber mit dem Wirken des Propheten Mohammed, der Religionsstifter, Feldherr und Politiker in einem war, in die Weltgeschichte ein. Doch ist ihre historische Rolle damit keineswegs erschöpft. In mesopotamischen Keilschriften werden die Araber als Wüstennomaden erstmals 853 vor Christus erwähnt, die Antike kennt altarabische und altsüdarabische Reiche, die bei uns fast unbekannt sind - obwohl darüber nicht unerheblich geforscht wird. Minäer und Sabäer, Nabatäer, Lakhmiden, Ghassaniden und viele andere haben ihre Spuren in der vorderasiatischen Geschichte hinterlassen.

          Vieles zu beachten

          Der Islam ist eine genuin arabische Erscheinung und hat als solche auch alle jene Völker und Kulturen geprägt, die ihn annahmen, vornehmlich Perser und Türken, aber auch Inder und Malaien. Heute lebt die Mehrzahl der Muslime längst außerhalb der arabischen Welt, deren Siedlungsraum immerhin von Marokko im Westen bis zum Irak und den Ufern des persisch-arabischen Golfs reicht. Die meisten Anhänger des Propheten gibt es in den südlichen und südöstlichen Regionen Asiens, nicht mehr im klassischen Kernraum seiner Entstehung und ursprünglichen Ausbreitung in den Jahrzehnten nach dem Tode Mohammeds.

          Solche Fakten bewirken, dass man eine arabische Geschichte gar nicht schreiben kann, ohne zumindest die Rolle hervorzuheben, die etwa auch die vierhundertjährige Herrschaft der Osmanen - nach solch glanzvollen Höhepunkten wie der Omajjaden- und Abbasiden-Herrschaft, der Fatimiden- und Mamluken-Dynastien - für die arabische Geschichte bedeutete; oder auch die Interaktion zwischen Arabern und Iranern, die nicht immer reibungslos verlief und es auch heute noch nicht ist. Dies ist nicht allein eine Geschichte von Sunniten und Schiiten, sondern auch - in einem stärker weltlichen Kontext - ein Miteinander und Gegeneinander von iranischer (indoeuropäischer) und arabischer (semitischer) Kultur und Sprache. Ähnliches gilt für die Türken.

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