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Torben Kuhlmanns „Armstrong“ : Die Erde ist zu klein für freie Tierchen

Torben Kuhlmann: „Armstrong“. Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond. NordSüd Verlag, Zürich 2016. 128 S., geb., 19,99 €. Ab 5 J. Bild: NordSüd Verlag

Sie lernt Himmelmechanik und baut ihre Raumkapsel aus einem alten Wecker: Torben Kuhlmann erzählt und zeigt „Armstrong - die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond“.

          Ist die Erde ein Sprungbrett? Seit der künstliche Begleiter Sputnik 1957 unsere Welt umkreiste, haben wir Menschen über den Weltraum als etwas Zukünftiges geredet und nachgedacht - eine Angelegenheit der Hoffnung oder der Angst, eine Frage der Aussichten, nicht der Einsichten, ein Projekt der Prophezeiung, nicht der Erinnerung.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Die dafür nötige Technik musste man, da es sie noch nicht gab, unter Aufbietung all unserer Wissenschaften und Ingenieurskünste entwickeln. Man nannte das den technischen Fortschritt, weil es Richtung morgen ging. Dass eine Zivilisation ihre Kenntnisse und Fertigkeiten nicht nur immer weiter vermehren, sondern auch verlieren und vergessen kann, mochte vielleicht für die alten Ägypter, für Europa im Mittelalter oder die Inkas und Mayas gelten, aber nicht, dachte man, für die aufstrebende Menschheit des zwanzigsten Jahrhunderts - Städte auf dem Mond, Parks auf dem Mars, wir kommen!

          Die Mäuse wussten es besser. Schon Mitte der fünfziger Jahre ebenjenes zwanzigsten Jahrhunderts, verrät uns Torben Kuhlmanns Bilderbuch „Armstrong - Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond“, musste eine alte Maus, die in einem Technikmuseum lebte, einer jungen Maus, die das Käsekosmonautenwesen weiterbringen wollte, erklären, es habe einst eine Zeit gegeben, „als für uns Mäuse nichts unmöglich war. Wir haben die Welt bereist und sogar das Fliegen gelernt. Aber irgendwann interessierten sich die Mäuse für andere Dinge. Und sie vergaßen nach und nach ihre fliegenden Vorfahren“.

          Ein zeitgeschichtlich schöner Witz

          Die kleine Maus, so ernüchternd unterrichtet, ist nicht bereit, sich mit dem Stand der Dinge abzufinden, und geht das Problem systematisch erst von der wissenschaftlichen, dann von der technischen Seite her an - das Bild, das Kuhlmann sich und uns davon gemacht hat, wie sie im Hörsaal bei der Astronomievorlesung auf ihren exakten Notizen hockt, macht fast alles wieder gut, was gegen eine ordentliche akademische Ausbildung auf dieser Welt unternommen wurde, seit vor einem Vierteljahrhundert die Idee aufkam, man könne Universitäten wie Firmen organisieren, bewerten und führen.

          Aufmerksam lernt die Maus also Himmelsmechanik, experimentiert mit einer Raumkapsel, die sie aus einem alten Wecker gebaut hat, testet ihren Raumanzug im Goldfischglas und erleidet auch mal harte Rückschläge - „schluchzend schlich sie davon“, als Brandstifterin von Männern in Hüten und ihren Hunden gejagt (ein zeitgeschichtlich schöner Witz ist die Zeitung, die an der Wand hängt und die Maus als „Red Menace“ verdächtigt, denn damals erlebte Nordamerika, wo der irdische Teil der Geschichte spielt, eine wilde Kommunistenhatz).

          Wir vergessen schnell, was wir können

          Die feine Grafik, oft wie mit Härchen gepinselt, auf deren Spitzen kleine Lichtpunkte sitzen, die das, was gezeigt wird, eher wie Wunsch- und Hoffnungs-visionen aufscheinen lassen als bloß banal „abbilden“, wird der regsamen Sprache gerecht, die davon berichtet, wie die Maus resolut „stapft“ oder ehrfürchtig „flüstert“, also alles tut, was auch ein Mensch tun würde, wenn er nur so konsequent einem Traum auf der Spur bliebe wie dieses Tierchen.

          1972 stapfte der bislang letzte Mensch auf dem Mond herum, etwa 385.000 Kilometer weit weg von der Erde. Seitdem vertrödeln wir unsere Ausflüge im All ein paar hundert Kilometer raumwärts. Denn wir vergessen schnell, was wir können, wenn es nicht der Kriegsvorbereitung oder dem Geldverdienen dient. Die kleine Maus aber tut, was sie tut, aus besseren Motiven und kann daher als Beispiel dienen. Denn unsere Erde ist eben kein Sprungbrett, und wenn wir uns nicht mehr Mühe geben, wird sie das Gegenteil - eine Falle. Wie man sich von Fallen nicht erwischen lässt, kann man in „Armstrong“ von einem sehr netten Nager lernen.

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