Home
http://www.faz.net/-gr5-6vwpb
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

Technik in Pappbilderbüchern Einfach ins Sprungkissen hüpfen, Herr Meier!

Feuerwehr, Baustelle, Verkehr: die Technik, die uns umgibt, hat längst Eingang in die Pappbilderbücher für die Allerkleinsten gefunden. Was taugen sie?

© Ravensburger Vergrößern

Guck mal, da kommt die Feuerwehr“ ist für Kinder ab zwei Jahren. Unsere Test-Leserin ist anderthalb, und wahrscheinlich liegt es daran und nicht an ihrem Geschlecht, dass sie sich mehr für das Mäh und Muh und Pockpockpock auf der Doppelseite „Hochwasser“ interessiert als für die Feinheiten der Brandbekämpfung. Schlauchturm und Einsatzzentrale werden zur Kenntnis genommen, mehr aber nicht. Jedes Schaf, jede Kuh, jedes Huhn bekommt hingegen ein Küsschen auf die Seitenpappe gedrückt. Feuerwehrmann Felix sieht ebenfalls nett aus, vor allem in Zivil mit Kaffeetasse und buntem T-Shirt.

Florentine Fritzen Folgen:  

Die junge Leserin gibt sich damit aber nicht zufrieden: Sie späht hinter die Papp-Klappe, um zu sehen, wie Felix aussieht, wenn er in voller Montur ist, mit Warnweste, Helm und Funkgerät. Für seine weitere Ausstattung aus Handlampe, Signalpfeife und Fangleine hat sie aber wenig Geduld. Der kleine Hund, der schnuppernd seine Schnauze in Felix’ Stiefel versenkt, wird dagegen bei jedem Lesen begeistert begrüßt. Auch im Abschnitt „Das Feuerwehrauto“ interessiert vor allem der Wauwau, der am Wagenrad das Beinchen hebt. Darunter heißt es dann: „Es gibt noch andere Fahrzeuge bei der Feuerwehr.“

Sie hat nur Augen für „Miez-miez“

Hier können auch Erwachsene etwas lernen: Diese Fahrzeuge heißen Einsatzleitwagen, Feuerwehrkran, Drehleiterwagen und Rettungswagen. Dann doch lieber weitergeblättert zu Frau Müller, die in der Dachwohnung um Hilfe ruft und anschließend auf einer Trage abtransportiert wird, und zu Herrn Meier, der sich erst nicht traut, aus dem zweiten Stock aufs Sprungkissen zu hüpfen.

Schön am sehr jungen Kleinkindalter ist ja, dass Kinder noch keine Angst davor haben, ein Haus - unser Haus? - oder ein Auto - unser Auto? - könnte wirklich brennen. Ältere Kinder dürften dagegen Fragen zum an einem Baum zerschellten Kleinwagen haben, aus dem ein Feuerwehrmann einen offenbar Bewusstlosen mit heraushängender Zunge und Augen in X-Form zieht. Unsere Leserin hat allerdings nur Augen für „Miez-miez“, die auf einem Ast sitzt und dem sie rettenden Feuerwehrmann hinter der Papp-Klappe erst mal das Gesicht zerkratzt.

Aus Erwachsenensicht angenehm schnörkellos

In „Bagger, Laster und viel mehr ...“, empfohlen ebenfalls ab zwei Jahre, kommt die Technik in Form von Bussen, Flugzeugen und einem Betonmischer dagegen gut an. Die Zeichnungen sind hübsch, es gibt viel zu entdecken: den Kuschelhasen in der Baugrube, Tauben am Bahnsteig, Möwen über offenbar norddeutschen Feldern. Die Texte erzählen Minigeschichten rund um das Fahrzeug, um das es auf der Doppelseite geht. Hauptperson ist immer ein Kind: Lisa wird mit dem Taxi vom Kindergarten abgeholt. Warum? Die Taxifahrerin ist, wie sich nach vierzehn Sätzen herausstellt, Lisas Mama.

Aus Kleinkindersicht ist so etwas nicht unspannend, aus Erwachsenensicht sind die Texte angenehm schnörkellos. Allerdings muss, wer die Erlebnisse von Lisa, Nils und Jonas vorliest, massenhaft Ausrufezeichen ertragen - und nicht ganz so gelungene Gedichte auf der ersten und der letzten Seite. Aber auch die kommen bei der Test-Leserin gut an. Wenn sie älter geworden ist, wird sie sich ganz bestimmt auch für den Mobilkran interessieren - so wie Tabea, die Hauptperson dieser kleinen Geschichte. Und für den ICE, zu dem der Papa von Johanna und Lukas erklärt: „Das ist unser schnellster Fernreisezug!“

Ampeln muss sie länger suchen

Kaum Text und somit auch weniger Erklärungen gibt es in „Was hörst du hier? Fahrzeuge“ für Kinder ab 18 Monaten. Dafür aber echte Geräusche. Deshalb hat das Buch auch nur halb so viele Seiten, wie es von außen zu haben scheint. Der Rest geht für die Batterie drauf, die hinten in der Pappe versteckt ist. Fünf Doppelseiten zeigen: einen Traktor, eine Ampelkreuzung, ein Müllauto, ein Feuerwehrauto, einen Fischkutter. Leider funktionieren die Kontakte in unserem Exemplar nicht so richtig, oder die Batterie ist schwach. Jedenfalls rauscht und tuckert und klappert es nur sehr, sehr leise.

Ein achtzehn Monate alter Zeigefinger hat ohnehin nicht genug Kraft, um den gelb umkringelten Druck-stellen Töne zu entlocken. Unserer Leserin macht dafür das Suchspiel auf jeder Seite Spaß: Links sind in einer Spalte drei Details abgebildet, die sich im Gesamtbild wiederfinden. Bei Ampel, Hydrant und Blaulicht dauert die Suche länger. Ruckzuck geht sie bei Schaf, Hund und Möwe. Küsschen kriegen diese Tiere natürlich auch.

Susan Niessen, Stephan Pricken: „Guck mal, da kommt die Feuerwehr“. Oetinger Verlag, Hamburg 2011. 12 S., br., 8,95 €. Ab 2 J.

Rosemarie Künzler-Behncke, Peter Nieländer: „Bagger, Laster und viel mehr“. Ravensburger Buchverlag, Ravensburg 2011. 24 S., br., 4,95 €. Ab 2 J.

Anna Räuber: „Was hörst du hier? Fahrzeuge“. arsEdition, München 2011. 12 S., br., 9,95 €. Ab 18 M.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Familienferien im Playmobil-Land Der Planet der Plastikmännchen

Keine Karussells und keine Geisterbahnen: Der Playmobil FunPark bei Nürnberg ist genau der Spielplatz, den man seinen Kindern immer schon in der nächstgelegenen Grünanlage gewünscht hat. Mehr

15.08.2014, 06:11 Uhr | Reise
Auto der Zukunft Noch ist der Mensch der überlegene Fahrer

Roboterautos funktionieren nur im Film? Die Universität Ulm arbeitet am autonomen Fahren auf öffentlichen Straßen. Bis 2030 sollen erste Entwicklungen fertig sein. Mehr

09.08.2014, 10:08 Uhr | Technik-Motor
Notrufzentrale Frankfurt „Wenn hier einer Mist baut, ist der Einsatz verbockt“

Ob Herzinfarkt, Autounfall, Feuer oder Krankentransport - wer in Frankfurt die „112“ wählt, dem helfen die Mitarbeiter der Zentralen Leitstelle. Mehr

16.08.2014, 21:01 Uhr | Rhein-Main