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Tanya Lieskes Kinderbuch „Krümel unterwegs“ Unter Engeln

23.02.2010 ·  Der kleine Engel Krümel ist in erster Linie ein Kind, das seinen Weg in der Welt finden muss und dabei so manches zu lernen hat. Damit landet Tanya Lieskes Held leichter im Kinderzimmer als manch „heiliger“ Artgenosse.

Von Cordula Gerndt
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Der Himmel ist immer noch oben und die Erde unten, aber das ist auch schon alles, was die Geschichte mit anderen Engelbüchern gemeinsam hat. Doch es geht hier auch nicht um ätherische Lichtgestalten in fremden Sphären, sondern um handfeste Wesen aus Fleisch und Blut. „Menschen sind Leute wie wir, nur fliegen können sie nicht“, erklärt ein erfahrener Engel dem Jungengel Krümel. In der Tat, bis auf Federflügel und weißes Kleidchen lässt Tanya Lieske ihren Engeln nichts, was den Klischees entsprechen würde.

Engel singen Hosianna? Im Gegenteil, sie nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn sie etwas nervt. Engel sind unfehlbar? Von wegen! Hier schläft einer ständig ein und vernachlässigt seine Pflicht. Engel wissen alles? Pustekuchen! Sie müssen in der Schule das Engelsein erst lernen. Statt blonder Locken haben sie rote Haare, Sommersprossen und Zahnspange. Und sticht sich ein Engel beim Sockenstopfen mit der Nadel in den Finger, blutet es. Irdischer geht es nicht.

Die Autorin entwirft eine magische Parallelwelt hinter den Wolken, die der Menschenwelt sehr nahe ist. Erzählt wird die Geschichte einer klassischen Heldenreise. Der kleine Krümel muss seine Flügel abgeben, als Mensch auf die Erde gehen und sich bewähren. Wie in jedem Märchen begegnen ihm Gefahren und Helfer am Wegesrand. Allen voran Tom, der ihn auf seiner Abenteuerfahrt begleitet. Nur gemeinsam kann am Ende der Drache getötet und die Aufgabe gelöst werden. Unterhaltsam erzählt, bietet die Geschichte Kindern im Vorlesealter Bekanntes aus der eigenen Erlebenswelt. Ob mit oder ohne Flügel: Krümel ist in erster Linie ein Kind, das seinen Weg in der Welt finden muss und dabei so manches zu lernen hat. Damit landet er leichter im Kinderzimmer als manch „heiliger“ Engel.

Seite an Seite

Tanya Lieske spielt jedoch nicht nur auf die kindliche Alltagswelt an, sondern setzt altbekannte Märchenmotive neu zusammen. Dabei bemüht sie sich, das gesamte Figurenarsenal unterzubringen: schelmischer Luftgeist, böser Räuber, reicher Kaiser, schöne Prinzessin, wandlungsfähiger Phönix aus der Asche, weiser Zauberer, gefährlicher Drache. Die Erzählfäden werden jedoch nicht bis ins Letzte verknüpft und auch nicht befriedigend ausgestaltet. Das Ganze wirkt etwas gewollt, und den archetypischen Bildern fehlt Tiefe.

Den göttlichen Lehrmeister aber werden Kinder wegen seiner Schusseligkeit lieben. Auch er kommt ganz unheilig daher: ein alter Mann mit zerbeulter Hose und Schlapphut, der die kleinen Engel mit Hilfe seines „Alles-auf-der-Welt-Buches“ erzieht und sonst in seiner windschiefen Hütte Götterspeise erfindet. Und da er nicht schwindelfrei ist, benutzt er die Leiter statt der fliegenden Wolke, um zwischen Himmel und Erde zu pendeln. Schön auch ist die Idee, dass Mensch und Engel Seite an Seite auf Abenteuerfahrt gehen und sich gegenseitig brauchen, um zu wachsen und zu reifen. Und Gabriele Hafermaas schlägt mit ihren farbenkräftigen Illustrationen eine anschauliche Brücke zwischen Alltagswelt und Himmelreich.

Tanya Lieske: „Krümel unterwegs“. Illustrationen von Gabriele Hafermaas. Verlag Sankt Michaelsbund, München 2009. 159 S., geb., 19,90 €. Ab 8 J.

Quelle: F.A.Z.
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