03.07.2009 · Ihre Buchcover für die Harry-Potter-Bände haben sie bekannt gemacht. Die Illustrationen zu Gotthard Erlers Anthologie jedoch sind Sabine Wilhars Meisterstück. Durch sie wird „Der kinderleichte Fontane“ zu einem rundum gelungenen Hausbuch.
Von Annette ZerpnerSo haben wir Theodor Fontane noch nie gesehen: Im Gehrock, mit Koteletten und Schnauzbart hockt er lässig auf dem Bretterzaun und jongliert überdimensionale Birnen. Später sitzt er in Gamaschen am Schreibpult und betrachtet sinnend einen brüllenden Säugling, der über seinem langen „Brief an Georgchen“ in der Luft auftaucht. Diese Einblicke verdanken wir Sabine Wilharm, bekannt durch ihre Buchcover für die Harry Potter-Bände. Mit den Illustrationen zu Gotthard Erlers Anthologie „Der kinderleichte Fontane“ ist ihr ein Meisterstück gelungen.
Ihre karikierenden bis comichaft realistischen Zeichnungen bereichern die berühmten schaurigen Balladen des Dichters ebenso wie dessen sprödere Prosa. Da sind spannenlang aufragende oder fassbäuchige Würdenträger, stupsnasige Görenhorden, Hund und Katz und Schutzengel, die vor Eifer ihre Holzpantinen verlieren. Für die biographische Einleitung wählte Wilharm die Ribbecksche Birne als Fontanes Alter Ego. Über diese geniale Identifikationsfigur wird beim Vorlesen ausgiebig gekichert: „Guck mal, die Birne hat ne rote Birne ...“
Doch nicht nur den humorvollen Familienvater Fontane, der Gedichte übers Steineflitschen und Seifenblasenpusten schrieb, stellt der Band vor. Seine grimmige Sicht auf Habsucht, Verbohrtheit und Aberglaube fehlt ebensowenig. Ein rundum gelungenes Hausbuch, das nebenbei allen das 19. Jahrhundert etwas näherbringt, ohne es zu verklären.