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Dienstag, 14. Februar 2012
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Neues von den Grüffelo-Eltern Krakenkämpfe, Nixenwunder

17.08.2007 ·  Das Bilderbuch des Jahres kommt aus England: Das Duo Donaldson/Scheffler erzählt eine spannende Unterwassergeschichte - und kommentiert dabei ironisch den eigenen Mythos.

Von Tilman Spreckelsen
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Erzählen ist ein Spiel mit dem Feuer, und hat man dann auch noch Erfolg, entfacht man womöglich einen Flächenbrand. Julia Donaldson, die „Grüffelo“-

Erfinderin, kann ein Lied davon singen, und Axel Scheffler, der „Grüffelo“-Zeichner und somit mindestens Ko-Erfinder, wird da wohl einstimmen. Die Bücher, für die sie sich zusammengetan haben, traten ihren Siegeszug um die Welt so erfolgreich an, dass die beiden, wo immer sie gemeinsam lesen, auf ein Publikum treffen, das ihre Texte Wort für Wort mitspricht und die Zeichnungen auswendig kennt. Der Grüffelo, der Affe aus „Wo ist Mami?“, die Hexe aus „Für Hund und Katz ist auch noch Platz“, das titelgebende Paar aus „Die Schnecke und der Buckelwal“ – sie alle sind längst Gemeingut geworden.

Schefflers Menagerie, Donaldsons Erzählfaden

Nun ist als neueste Frucht dieser Zusammenarbeit der Band „Flunkerfisch“ erschienen – ein Bilderbuch in üppigen Farben, in dem sich Scheffler wieder einmal als souveräner Arrangeur einer großen Menagerie erweist und Donaldson als kluge Strategin, die ihre mäandernde Geschichte mit leichter Hand an ein Ziel bringt, das sich als Sprungbrett zur sofortigen neuerlichen Lektüre entpuppt (und damit ihr schönes „Charly Cook’s Favourite Book“ von 2005 zitiert).

Es ist die Geschichte des kleinen Flori Flunkerfisch, der regelmäßig zu spät zur Schule kommt – die freundliche Frau Rochen hält den Unterricht am Meeresgrund, und zu Floris Mitschülern zählen Individuen wie Bertram Barsch, Kurt Kaninchenfisch und Dora Drachenfisch. Floris Ausreden machen schnell die Runde unter den Fischen: Mal hat er, wie er behauptet, mit einem Kraken gekämpft, mal war er in einer Schatzkiste gefangen (und eine unausgesprochene, aber besonders hübsche Geschichte erfindet Scheffler in einem Bild dazu).

Stille Post unter Wasser

Die Mitschüler, damit konfrontiert, lehnen diese durchsichtigen Erfindungen als „Märchen“ ab – oder sie kolportieren sie, wie der nette Peter Petersfisch, freudig weiter, unabhängig von ihrer Glaubwürdigkeit. Dem Urheber aber weist diese Erzähltradition den Weg nach Hause, als er einmal in ein Fischernetz gerät und in weit entfernte Gewässer verschleppt wird. Denn als er von den Fischern wieder über Bord geworfen wird, weil er zum Verspeisen gar zu klein ist, hört er unter den Meerestieren von sich erzählen; er fragt sich nun von einem zum anderen und landet schließlich wieder im Bekannten, dort nämlich, wo die Großmutter von Peter Petersfisch lebt, deren Enkel sie täglich mit Floris Ausreden unterhalten hatte.

Es erstaunt kaum, dass die einzelnen Geschichten dabei nach Art der Stillen Post bedeutend verändert worden sind, und natürlich bildet dieses bei aller Leichtigkeit ausgesprochen reife Werk des Erfolgsduos auch die Erfahrung einer Rezeption durch die Leser ab – ein Publikum, ein junges zumal, nimmt nicht einfach hin, was kommt, sondern es verleibt sich das Gelesene ein und verwandelt es dabei. Am Ende von „Flunkerfisch“ erscheint dann auch die Autorin selbst als Rezipientin, die von dem kleinen Peter Petersfisch, dem wunderbar passiven zweiten Helden dieser Geschichte, von Floris Abenteuern hört und mit Taucherglocke, aber ungeschütztem Spiralblock (und mit links) die Sache für die weitere Leserschaft entgegennimmt. Scheffler erlaubt sich dabei die schöne Pointe, dass er der namenlosen „Dichterin“ dieser Geschichte die Züge von Julia Donaldson verleiht.

Viele schöne Details

Vielleicht hätte dem Band eine Übersetzung gutgetan, die etwas glücklichere Reime gefunden hätte – beim Vorlesen holpert es manchmal, und einige Wendungen, die stilistisch nicht passen und als einzig dem Reimzwang geschuldet erscheinen, trüben die Freude an dem Buch durchaus ein.

Doch wer sich allzu sehr daran stört, mag zum englischen Original greifen; die übrigen Leser werden angesichts der vielen schönen Details auf den großen Tableaus und den kulleräugigen Unterwasserwesen auf den kleinen Zeichnungen leicht ihren Frieden auch mit der deutschen Ausgabe machen. Und sowieso auf Donaldsons nächsten Tauchgang hoffen.

Julia Donaldson, Axel Scheffler: „Flunkerfisch“. Aus dem Englischen übersetzt von Martin Auer. Beltz & Gelberg, Weinheim 2007. 32 S., geb., 12,90 €. Ab 4 J.

Quelle: F.A.Z.
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