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Neues vom kleinen Ritter Trenk Wie laut war es im Mittelalter denn genau?

Kirsten Boie schreibt den großen kleinen Ritter weiter und erklärt ausführlich die Welt von früher. An „Der kleine Ritter Trenk und fast das ganze Leben im Mittelalter“ stört nur das Belehrungskapitel.

© Oetinger

Also spätestens wenn man bei der Danksagung angekommen ist, ganz hinten im Buch, nachdem Wertolt der Wüterich endlich schön abgeführt wurde und also seine verdiente Strafe bekommen hat, spätestens dann weiß man genau, wie viel Arbeit das gewesen sein muss für die phänomenale Ritter-Trenk-Erfinderin Kirsten Boie, dieses Buch zu schreiben.

Denn erstens nennt sie sich am Ende dieses Schlusstextes plötzlich offensichtlich erschöpft und r-müde „Kisten Boie“, was zwar ein bisschen nach einer Heldin aus ihrer zweiten Großerfindung „Seeräuber Moses“ klingt, aber in Wahrheit wohl nur ein lustiger Namensfehler ist, zweitens aber bedankt sie sich in dem Text so wortreich bei den Historikern, die ihr Mittelalterwissen überprüft und erweitert haben und ohne die sie sich „niemals an die Arbeit gewagt“ hätte, dass man die ganze Wissenschaftsmühe spürt, die in diesem Buch, dem bislang vierten Band der Ritter-Trenk-Reihe, steckt.

Es nervt beim Lesen

Man hat das aber natürlich schon längst beim Lesen gemerkt, den großen Ehrgeiz Boies, diesmal besonders viel wissenswerte, lustige und überraschende Details vom Alltagsleben im Mittelalter in diesem Buch unterzubringen. Es ist ein bisschen wie ein Text im Internet aufgebaut, mit „Links“, die man anklicken kann, um mehr über das jeweilige Stichwort zu erfahren. Man kann hier im Buch zwar nichts klicken, aber die Wörter, zu denen es kleine Erklärungstexte gibt, sind rot eingefärbt, daneben am Rand steht die Seitenzahl, auf der sich die Erklärung findet. Manchmal sind das Wörter wie „Bader“ oder „Gaukler“, mal Sachfragen, zum Beispiel „Wie laut war es im Mittelalter?“ oder „Waren sie sauber oder schmutzig?“.

Diese Texte sind lustig, interessant, auf diese wundervolle Kirsten-Boiehafte Art verständlich und auf Kinderaugenhöhe, ohne dass man das Gefühl hat, die Autorin müsse sich dafür mühsam herabbeugen. Trotzdem macht diese neue, anstrengende Idee das Buch und die Geschichte fast kaputt. denn das war ja genau das großartige an den Ritter-Trenk-Büchern bisher: dass das Wissen so nebenbei vermittelt wurde. Was ein Bader ist, warum Mädchen nicht Ritter werden durften und so weiter. Es ist total unverständlich, wieso Boie diese Leichtigkeit aufgegeben hat zugunsten dieser Internet-Simulation. Das nervt beim Lesen.

Hüpft man hinüber zum Erklärtext, verliert man in der Geschichte den Faden, lässt man es aus, hat man ein schlechtes Gewissen, dass man Wesentliches verpasst haben könnte. Ein bisschen wirkt es so, als habe Kirsten Boie das Vertrauen in die eigene Geschichte verloren, als fürchte sie, dass aus dem Viereck Wüterich-Drache-Thekla-Trenk auf Dauer nicht genügend Geschichtskraft, nicht genügend Erzählstoff zu gewinnen sein wird. Doch das beweist dieser neue Band mit unveränderter Kraft und Großartigkeit: Diese tollen Leute sollen - ja Pustekuchen - noch tausend Geschichten erleben, Kirsten Boie soll davon erzählen, wie nur sie erzählen kann. Nur bitte ohne Belehrungskapitel. Das wäre eine Erleichterung. Ich glaube, am größten wäre die Erleichterung für Kirsten Boie selbst.

Kirsten Boie: „Der kleine Ritter Trenk und fast das ganze Leben im Mittelalter“. Illustriert von Barbara Scholz. Oetinger Verlag, Hamburg 2012. 272 S., geb., 17,95 €. Ab 5 J.

Quelle: F.A.Z.

 
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