http://www.faz.net/-gr3-8vcfs

Mikael Engströms Kinderbuch : Wenn nur Tante Karin nicht wäre!

Mikael Engström: „Kaspar, Opa und der Schneemensch“. Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer. Mit Illustrationen von Peter Schössow. dtv, München 2016. 184 S., geb., 11,95 €. Bild: dta

Elchgulasch, eine Katze mit Verbindungen zur Unterwelt und ein merkwürdiges Wesen aus Schnee: In der Wintergeschichte von Mikael Engström könnte für Kaspar und seinen Großvater alles so schön sonderbar sein.

          Draußen liegt Schnee. Es herrscht klirrende Kälte. Kaspar hat Weihnachtsferien. Er sitzt mit seinem Großvater in der Küche und schnitzt Holzpferdchen. Gleich gibt es Elchgulasch.

          Das klingt nach einer gemütlichen Wintergeschichte, die der schwedische Kinderbuchautor Mikael Engström geschrieben hat. Es ist sein zweiter Band über Kaspar, der für Kinder um die acht Jahre in der deutschen Übersetzung von Birgitta Kicherer mit Illustrationen von Peter Schössow erschienen ist. Es gibt dort urige Dorfgestalten - zum Beispiel Atom-Ragnar, den Besitzer des Dorfladens, der so heißt, weil er nicht an Atome glaubt (dafür aber an Schneemenschen und Außerirdische). Oder die hochnäsige Frau Åhman, die viel zu stark nach Rosenseife riecht und immerfort etwas an Kaspar auszusetzen hat. Oder die uralte Isabell, die tief im Wald in ihrem unbeheizten Häuschen wohnt und Tag für Tag den Untergang der Welt prophezeit. Und es gibt eine kohlrabenschwarze Katze, die sonderbare Dinge tut. All diese Figuren machen den Rhythmus des Dorfes aus, an den sich jeder gewöhnt hat.

          Doch die winterliche Ruhe wird schon bald gestört, denn Tante Karin, die Schwester des Großvaters, kündigt sich für einen Weihnachtsbesuch an. Sie ist eine wuchtige Frau, dominant, energisch, laut – und vor allem: fromm bis in die Fingerspitzen. Sie wird Kaspar und seinem Großvater zum Verhängnis – und nicht nur ihnen. Der Leser leidet mit.

          Sittsamkeit und Tugend sind das Gebot der Stunde

          Karin hatte mal eine Erscheinung: „Sie hatte einen Engel gesehen, und der hatte mit ihr gesprochen. Seit jenem Tag war Tante Karin eine andere.“ Sie kommt, und nichts ist mehr, wie es mal war. Die gemütliche Unordnung, in der Kaspar und Großvater hausen, löst bei Karin einen Sturm der Entrüstung aus: „So darf es nirgendwo aussehen!“ Binnen kürzester Zeit ordnet, putzt und schrubbt sie das Haus, das Großvater nicht mehr wiedererkennt. Nun sind Sittsamkeit und Tugend das Gebot der Stunde: „Die Küche ist das Herz des Hauses. Sie hat genauso sauber und rein zu sein wie das eigene Herz“, predigt Tante Karin tagein, tagaus. Sie malträtiert ihren Bruder und seinen Enkel nicht nur mit schwarzen Erziehungsmethoden, sondern auch mit einem Instrument, das bei beiden geradezu traumatische Wirkung hat: dem Harmonium. Da der Großvater, selbst zutiefst ungläubig, es nicht wagt, seiner Schwester zu widersprechen – wofür er sich den Spott seiner Freunde einhandelt –, sind er und Kaspar ihrem Regiment ausgesetzt, ertragen gequält das laute Instrument und singen mit Tante Karin fromme Kirchenlieder.

          So dominant Engström diese Figur auftreten lässt, so sehr dominiert sie die Erzählung. Das ist schade, weil auf diese Weise die vielen anderen Facetten der Geschichte und sogar die Figur, der das Buch seinen Titel verdankt, ein wenig ins Abseits geraten: der Schneemensch. Atom-Ragnar ist nämlich überzeugt davon, dass es ein solches Wesen gibt: „Den kennt doch jeder. Lebt im Himalaya, eine Mischung aus Mensch und Affe. Genauer gesagt, das fehlende Glied zwischen den beiden. Er ist drei Meter groß und wiegt fast zweihundert Kilo.“ Kaspar und seine Freundin Lisa sind davon tief beeindruckt – umso mehr, als es irgendein Wesen geben muss, das immer wieder um den Schuppen des Hauses huscht, und zwar so, dass Lisa und Kaspar, einmal sogar Großvater, es deutlich hören, ohne jedoch Spuren zu finden. Ist das vielleicht der Schneemensch? Oder ein Gespenst? Den Kindern ist unheimlich. Und dann ist da noch diese seltsame Katze, die womöglich etwas mit der Unterwelt zu tun hat, von der die uralte Isabell ständig redet.

          Weitere Themen

          Eine Bühne, 5 Präsidenten Video-Seite öffnen

          Vereinigte Staaten : Eine Bühne, 5 Präsidenten

          Barack Obama, George W. Bush, dessen Vater George, Bill Clinton und Jimmy Carter waren in College Station in Texas zusammengekommen, um gemeinsam mit Künstlern Geld zu sammeln. Damit soll den Opfern geholfen werden, die durch die verheerenden Stürme der letzten Monate geschädigt wurden, 31 Millionen US-Dollar kamen zusammen.

          Topmeldungen

          Telekom-Aktien verkaufen, um den Breitbandausbau zu finanzieren? Das fordern zumindest FDP und Grüne.

          Jamaika sucht Geldquellen : Verkauft der Bund die Telekom-Aktien?

          Um neue Ausgaben und Steuersenkungen zu finanzieren, suchen Politiker einer künftigen Jamaika-Koalition nach Geldquellen. Alleine mit Telekom- und Post-Anteilen ließen sich Milliarden generieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.