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Martin Widmarks „Detektivbüro LasseMaja“ Falsche Fährten auf dem Reitplatz

Detektivserien für Kinder gibt es viele, doch keine ist gegenwärtig so erfolgreich wie Martin Widmarks „Detektivbüro LasseMaja“. Warum?

© Ueberreuter Vergrößern

Mit langen Expositionen hält sich Martin Widmark nicht auf: „Lasse und Maja stehen in der Sonne auf dem Bahnsteig und warten auf den Zug“, so beginnt Widmarks neuestes Buch. Im nächsten Absatz tritt der örtliche Polizeichef hinzu, und blättert man die luftig beschriebene Buchseite um, liest man, wie der Beamte den Kindern den Grund seiner Anwesenheit auf dem Bahnhof der schwedischen Kleinstadt anvertraut: „In dem Zug wird eine große Geldsumme von Valleby nach Kristinelund transportiert. Ein ganzer Sack mit Geldscheinen, die vernichtet werden sollen. Das erfordert Bewachung!“

Und schon sind wir mittendrin. Wer Widmarks Kinderbuchserie „Detektivbüro LasseMaja“ kennt, ist mit dieser Rasanz vertraut: Die beiden Kinder geraten ebenso regelmäßig wie jeweils zufällig rasch in einen Kriminalfall, ermitteln emsig in alle Richtungen und liefern am Ende dem dankbaren Polizeichef den entscheidenden Hinweis. Die letzte Seite jedes Bandes enthält dann eine Zeitungsnachricht, die den Fall noch einmal resümiert und letzte Fragen beantwortet.

Klar ist, dass Widmark mit dieser Anlage das ehrwürdige literarische Genre des Kinderkrimis nicht gerade neu erfunden hat - und dass es auf diesem Segment gegenwärtig eine Menge Konkurrenz gibt. Doch Widmarks Bücher sind trotzdem nicht nur in Schweden ungemein erfolgreich, eine zwölfteilige Fernsehserie um Lasse und Maja wurde auch bei uns gezeigt, es gibt eine von Jens Wawrczeck ansprechend gelesene Hörbuchadaption einiger Folgen (erschienen bei Hörcompany), und dieser Tage wurden mit „Das Eisenbahngeheimnis“ und „Das Galoppgeheimnis“ bereits die Bücher 13 und 14 in deutscher Übersetzung ausgeliefert.

Ein Panorama des Verbrechens

Beide kann man mühelos rezipieren, ohne die übrigen zu kennen, aber natürlich bewegen sie sich im vertrauten Kosmos der früheren Bände. Denn Valleby, so scheint es, wächst für den Leser mit jedem einzelnen Teil der Serie: Da wird im „Diamantengeheimnis“ das Schmuckgeschäft im Zentrum der Stadt ausgiebig beleuchtet, ebenso wie in jeweils eigenen Büchern das örtliche Kino, das Café oder das Redaktionsgebäude der äußerst übersichtlichen Lokalzeitung. Schritt für Schritt wird dabei der Kosmos, in dem sich Lasse und Maja bewegen, ausgebaut, und der jedem Band beigegebene Stadtplan deutet an, wo jeweils neue Ermittlungen stattfinden könnten.

Besonders „Das Galoppgeheimnis“ greift nun ausgiebig auf Protagonisten der vorherigen Bände zurück, und unter den Verdächtigen finden sich mit dem im Café beschäftigten Liebespaar auch zwei, die zuvor durchaus sympathisch erschienen waren. Widmark - und seine Ermittler - kennen da nichts: Wer sich verdächtig benimmt, ist es auch, Täterpsychologie spielt hier keine Hauptrolle, und warum sollte der Pfarrer nicht auch einmal lange Finger machen? So wird im „Galoppgeheimnis“ aus der viergeteilten Startbahn eines Pferderennens ein Panorama des Verbrechens, als sich herausstellt, dass drei der vier Rennteilnehmer überraschend ausscheiden, so dass der Außenseiter siegt und den wenigen, die auf ihn gesetzt haben, traumhafte Gewinne beschert.

Ahnung und Überraschung

Widmark legt seine Fährten, auch die falschen, gekonnt, und wenn man einerseits den wahren Täter erraten kann, andererseits hier wie auch in anderen Bänden gern auf den falschen tippt, ist das der Raffinesse des Autors geschuldet. Gleichzeitig konstruiert er seine Fälle nicht über die Köpfe seiner Leser hinweg: Grundschüler können, sobald sie einige Erfahrung mit dem selbständigen Lesen haben, der Handlung folgen, und Erwachsene werden sich immerhin nicht langweilen.

Das gilt umso mehr beim „Eisenbahngeheimnis“, bei dem die Notbremse die Zugfahrt unterbricht und den Diebstahl der Banknoten einleitet. Dass in diesem Krimi, der auf dem engen Raum einiger Abteile spielt, zuvor die potentiellen Täter präsentiert wurden, ahnt man rasch, auch wenn die Entlarvung des tatsächlich Schuldigen dann doch überrascht.

Einwenden mag man immerhin, dass die Serie noch stärker vom Gegensatz der beiden Ermittler leben könnte, denn wofür Lasse steht und wofür Maja, wird auch nach mittlerweile mehr als tausend Buchseiten nicht so recht deutlich. Es dürfen gern noch ein paar mehr werden.

Martin Widmark: „Das Galoppgeheimnis“. Mit Bildern von Helena Willis. Aus dem Schwedischen von Maike Dörries. Ueberreuter Verlag, Berlin 2012. 96 S., geb., 7,95 €. Ab 8 J.

Martin Widmark: „Das Eisenbahngeheimnis“. Mit Bildern von Helena Willis. Aus dem Schwedischen von Maike Dörries. Ueberreuter Verlag, Berlin 2012. 96 S., geb., 7,95 €. Ab 8 J.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 10.08.2012, 15:40 Uhr