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Marjolijn Hofs Jugendbuch „Nie ist ganz schön lang“ : Menschen sind wie Trollbrot

Bild: Bloomsbury

Bjarni ist nicht der erste Mann, den Meetjes Mutter mit nach Hause bringt, und doch ist es anders mit ihm. In „Nie ist ganz schön lang“ erzählt Marjolijn Hof eine Patchworkgeschichte.

          Das Beste, was man über den neuesten von einer Reihe neuer Freunde sagen kann, die eine Mutter so anschleppt, ist wohl: „Bjarni störte mich nicht so.“ Meta, von ihrer Mutter „Meetje“ genannt, hat in ihren zwölf Lebensjahren schon eine Menge mittelalter Männer in Unterhosen durch die Küche laufen sehen. Ein paar fanden sie lästig, ein paar wollten Vater spielen. Bjarni ist anders, und er kommt aus Island.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mit Bjarnis Heimatland, seiner Natur und Sagenwelt, die Bjarni, Meetje und deren Mutter in den großen Ferien erkunden, hat Marjolijn Hof eine Folie gefunden, um von den Kämpfen zu erzählen, die zwischen einem Mädchen auf der Kippe zwischen Kind und Jugendlicher und seiner Mutter mit einem neuen Mann entstehen können. Hof beweist auch in „Nie ist ganz schön lang“ ihr großes Gespür dafür, ein schwieriges Thema so zu erzählen, dass weder Beziehungsmarmelade noch Betroffenheitsschmalz ihren ruhigen, stets unter einer feinen Grundspannung stehenden Ton aufweichen können. Es geht trocken zu, in der Ich-Erzählung Meetjes, aber es ist ein besonderes trockenes Brot, das da serviert wird: Trollbrot. So heißen die abgeplatzten Steinscheiben, die Bjarni Meetje zeigt, von der er nur zu gut weiß, dass sie nicht seine Ziehtochter ist. Wie die Mutter ist auch er ein Komplizierter, dem die Liebesgeschichten rasch unter den Händen zerbrechen. Darunter hat Meetje oft gelitten, in diesem besonderen Sommer beginnt sie zu begreifen, dass Menschen bisweilen so zersplittert sind wie die Steine - und dass sie doch zusammengehören können, wie die Scheiben des Trollbrots.

          Vielleicht früher und schmerzlicher

          Es ist ein schmerzlicher Prozess, den Hof Meetje durchleben lässt. Erstmals beginnt sie zu hoffen, es könne aus der Affäre so etwas wie eine Familie werden. Sie ringt mit der zaudernden, anspruchsvollen Mutter, nimmt Partei, widersetzt sich, versucht, gerecht zu sein. Ängstlich nimmt sie wahr, wie die Stimmung zwischen den Erwachsenen eisiger wird, bis zum Bruch. Das Land, in das sie nicht hatte reisen wollen, wird mit seinen heißen Quellen, eisigen Bächen und schwarzen Schneefeldern zu einer Art Spiegel der Entwicklung, die Meetje durchlebt. Bei aller Dramatik und Gefahr genießt sie seine ruhige Klarheit.

          „Oversteken“, „Übersetzen“ heißt das niederländische Original. Es ist ein Übersetzen an ein anderes Ufer, das Hof in schlichter, intensiver Sprache beschreibt. Bjarni, der dem Mädchen Sagas erzählt, erweist sich als Erwachsener, der seinen Egoismus hintanstellen kann, um Meetje bei dieser Überfahrt zu helfen, die durch ihn und die Mutter vielleicht früher ansteht und schmerzlicher wird. „Ein starkes Mädchen muss wilde Sachen machen und wilde Geschichten hören können“, sagt er zum Abschied. Die gemeinsamen Ferien wird sie nie vergessen, weiß Meetje. „Nie ist ganz schön lang“, sagt Bjarni.

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