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Margot Käßmann erzählt die Bibel für Kinder Seine Jünger, seine Freunde

 ·  Das letzte Abendessen für verantwortungsbewusste Vegetarier: Margot Käßmann erzählt die Bibel nach. Ihre Zugeständnisse an den Zeitgeist allerdings sind insgesamt überschaubar.

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Noch ein Kinderbibelbuch? Nun, warum nicht, wenn es denn religiöse Bildung unter die Jugend bringt. Der neuen „Bibel für Kinder“ aus dem Herder-Verlag wird alleine durch die Prominenz ihrer Nacherzählerin eine gewisse Verbreitung sicher sein. Margot Käßmann, die bis zu ihrem schlagzeilenträchtigen Verkehrsdelikt im Februar 2010 an der Spitze der evangelisch-lutherischen Kirche in Deutschland stand, schafft es immerhin, Altes und Neues Testament auf 140 - von Carla Manea üppig illustrierte - Seiten zusammenzufassen.

Das Ergebnis ist weder etwas für heterodox gestimmte Käßmann-Fans, noch gibt es eventuellen Käßmann-Verächtern Gelegenheit zum Naserümpfen. Denn schon im Vorwort bekundet die Erzählerin Sympathien für Martin Luthers klassische Bibelübersetzung. Und ihre Zugeständnisse an den Zeitgeist sind überschaubar. So sollen die frisch erschaffenen Menschen „verantwortlich sein für die bevölkerte Erde“ (statt sie sich untertan zu machen) und die Episode am Beginn des Buches Daniel, wo der Prophet und seine Gefährten nur Gemüse essen, weil sie nicht durch die Speisen König Nebukadnezars unrein werden wollen, wird durch die Ersetzung von „Speise“ durch „Fleisch“ vegetarisch umgedeutet.

Auch die sprachlichen Modernismen sind schlimmstenfalls ein wenig schief - etwa wenn aus den Zehn Geboten zehn „Lebensregeln“ werden, während es bei deren Auflistung beim kraftvollen „Du sollst“ durchaus bleibt.

Einer Meinung mit dem Papst

Ansonsten werden Verfechter politisch korrekter Bibelredaktionen von Käßmann ziemlich enttäuscht sein. Gott behält durchgängig sein maskulines grammatisches Geschlecht, und obwohl Jesus statt Jüngern meist „Freunde“ hat, gesellen sich doch nur gelegentlich - und wenn der Originaltext es tatsächlich erlaubt - auch „Freundinnen“ dazu.

Eine Abänderung des geläufigen Bibeldeutsch ist besonders interessant: Das letzte Abendmahl heißt bei Käßmann das „letzte Abendessen“. Damit aber - und mit dem starken Fokus auf das Johannesevangelium in der Passionsgeschichte - wird letztlich eine Theologie vertreten, für die jene letzte Mahlzeit gerade nicht das jüdische Pascha-Mahl ist.

Papst Benedikt XVI. sieht das in seinem neuen Jesus-Buch übrigens ganz genauso.

Margot Käßmann: „Die Bibel für Kinder“. Mit Bildern von Carla Menea. Herder Verlag, Freiburg 2011. 144 S., geb., 14,95 €. Ab 7 J.

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1964, verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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