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Lena Hachs neuer Jugendroman : Was schön ist, bestimme ich

Lena Hach: „Nichts wünsche ich mir mehr“. Roman. Verlag Beltz & Gelberg, Weinheim 2017. 206 S., br., 12,95 €. Ab 14 J. Bild: Beltz & Gelberg

Das Unglück, kahl zu werden, ist kein Grund, auch die Seele vollständig zu entblößen: In Lena Hachs Jugendroman „Nichts wünsche ich mir mehr“ leidet eine Sechzehnjährige unter Haarausfall.

          Die Krankheit ist es nicht, die ihr das Leben kaputtmacht. Bis die sechzehn Jahre alte Katharina das begriffen hat, ist es ein schwerer Weg, von dem sich kaum leichter, das ist in diesem Fall kein Widerspruch, erzählen lässt, als Lena Hach es tut. Katharina leidet an Alopezie, Haarausfall – nicht ein bisschen und nicht nur vorübergehend, sondern großflächig und, so steht zu befürchten, dauerhaft.

          Elena Geus

          Chefin vom Dienst.

          „Ohne Haare bist du nichts“, tuscheln Mitschülerinnen, eine würde sich sogar die Pulsadern aufschneiden, wenn sie so aussähe. Nur eine Zuspitzung, um die Fallhöhe Katharinas besser zu beschreiben, ist das nicht, wie Hach ohnehin auf jede künstliche Überhöhung verzichtet. Schon jedes Mädchen mit Kurzhaarfrisur wirkt wie ein Exot in Zeiten, in denen lange glatte Haare der wichtigste Teil einer inoffiziellen Schuluniform zu sein scheinen. Kein Wunder also, dass Katharina zunächst die lichten Stellen zu verdecken und dann das Tragen einer Perücke zu vertuschen versucht. Nicht einmal die besten Freundinnen weiht sie ein.

          Offenheit und Sichverschließen im klugen Wechsel

          Eine feine Balance aus Nähe und Distanz ist das Besondere des Romans. Lena Hach lässt ihre erzählende Hauptfigur bestimmen, wie nah ihr Freunde und Familie kommen und, vor allem, wie nah ihr Jasper – der durchtrainierte, umschwärmte Lockenkopf – kommen darf, ebenso, wie dicht die Leser dem Mädchen rücken dürfen. Das Unglück, kahl zu werden, ist kein Grund, auch die Seele vollständig zu entblößen.

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          Im klugen Wechsel zwischen Offenheit und Sichverschließen, treffend im lakonischen Ton und authentisch in der Sprache, zeigt sich die mal kontrollierte, mal sprunghafte Gedanken- und Gefühlswelt einer Sechzehnjährigen, die die größte körperliche Veränderung und die gröbsten Wirrnisse im Kopf eigentlich überstanden haben sollte und die die Alopezie noch einmal aus der Bahn wirft. Zentrale Fragen der Pubertät, „Wer bin ich?“ und „Bin ich schön und liebenswert, so wie ich bin?“, stellen sich noch einmal.

          Ob die „Scheißkrankheit“ das Mädchen verändert hat?

          „Nichts wünsche ich mir mehr“ ist ein Buch, das Mut macht, ohne den Anspruch darauf zu erheben, außerdem eine bei allen Komplikationen mit leichter Hand erzählte Liebesgeschichte: die zwischen Katharina und dem sympathischen – vielleicht etwas zu verständnisvoll geratenen – Jasper, der sich für seinen Schwarm schon mal ins Hotdog-Kostüm zwängt oder einem Typen aufs Maul haut für die Bemerkung, bei der bekäme er auch keinen hoch, so wie die aussehe.

          Katharina findet Antworten und zurück zu Selbstbewusstsein. Wohltuend vermeidet die Autorin die zwar naheliegende, aber eben auch allzu platte Allegorie, dass der, bei dem die Haare nicht mehr sprießen, als Mensch wächst. Offen bleibt daher auch, ob die „Scheißkrankheit“ das Mädchen verändert hat oder ob es nicht ebenso lebensklug und spontan wäre ohne diese belastende Erfahrung.

          Wenn es denn eine mit größter Zurückhaltung formulierte Moral gibt, dann findet sich die in dem Satz „Was schön ist, bestimme ich“. Und ganz nebenbei denkt man über manch Sprachbild nach. Denn mit Haut und Haaren verlieben kann man sich nicht nur in einen, sondern auch mit einem Glatzkopf.

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