http://www.faz.net/-gr3-15ymk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 17.03.2010, 06:03 Uhr

Kveta Pacovskás Bilderbuchklassiker „Eins, fünf, viele“ Auf dieses Nilpferd kann man zählen

Wie man mit allen Sinnen rechnen kann, führt die große Illustratorin Kveta Pacovská vor: Ihr Klassiker „Eins, fünf, viele“ liegt endlich in einer neuen Prachtausgabe vor.

von
© Michael Neugebauer Edition

Dieses Buch hat mehr Jahre auf dem Buckel, als man mit ihm zählen lernen kann. Denn das Buch geht bis zehn, aber es erschien bereits vor zwanzig Jahren zum ersten Mal, damals noch bei Ravensburger. „Eins, fünf, viele“ heißt es, und es gewann damals sofort den Deutschen Jugendliteraturpreis. Und dass seine Autorin, die Tschechin Kveta Pacov-ská, 1992 die wichtigste Kinderbuchauszeichnung der Welt, den dänischen Hans-Christian-Andersen-Preis, erhielt, ist auch maßgeblich diesem Meisterwerk zu verdanken. Was für eine Schande also, dass das Buch so lange vergriffen war.

Andreas Platthaus Folgen:

Aber nun ist es wieder da, und das noch schöner als zuvor. Die verbilligten Drucktechniken in Fernost haben eine Ausstattung ermöglicht, die dieses Juwel funkeln lässt, als wäre es ganz neu geschliffen worden. Hochglänzend sind die unterschiedlich dicken, oft auch gefalteten Seiten, auf denen ein Nilpferd als Identifikationsfigur für die kleinen Leser einen Vogel trifft, der ihm die Zahlen beibringt. Dieser Vogel ist aber auch ein Clown, wenn er seinen Körper in solch groteske Formen zwingt, dass er selbst die Zahlen darstellt. Unter diesen Verrenkungen sind kleine, in Blindprägung ausgeführte bunte Punkte abgedruckt – immer so viele, wie die Zahl bezeichnet. Man kann sie betasten, um das Zählen auch zu spüren. Dieses Buch ist ein veritabler Handschmeichler.

Man muss nicht bis einundachtzig zählen, um dieses Buch zu lieben

Kveta Pacovská ist schon ziemlich alt, einundachtzig. Bis dahin muss man aber nicht zählen lernen, um ihr Buch zu lieben. Die Illustratorin hat ein ewig junges Werk geschaffen, das mit allem spielt, was Zahlen sein können: Würfelpunkte, Wörter, Symbole, Finger, Menschengruppen und noch mehr. Und das Buch spielt auch mit allem, was Bücher sein können: Es gibt aufklappbare Fenster, ausgestanzte Flächen in Zahlenform, die – je nachdem, ob man vor- oder zurückblättert – mit kleinen Tricks das Zählen lehren; es gibt aber auch aufklappbare Köpfe, die den Bauch einer personifizierten Acht füllen, und wenn man die Köpfe öffnet, dann verbirgt sich hinter jedem eine andere Zahl: von 1 bis 8.

So lernt man kinderleicht, weil die Entdeckerfreude antreibt. Ein Jammer, dass es nicht einen zweiten Band gibt, der uns bis zur Zwanzig vorantreibt.

Kveta Pacovská: „Eins, fünf, viele“. Michael Neugebauer Edition, Bargteheide 2010. 26 S., geb., 19,95 €. Ab 3 J.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Deutscher Buchpreis 2016 Fünf Mal Fischer auf der Buchpreis-Longlist

Die Nominierungen für die Longlist des Deutschen Buchpreises bieten alte Bekannte, aber auch ein paar höchst erfreuliche Überraschungen. Erstaunlich ist, welche Autoren und Verlage diesmal fehlen. Mehr Von Andreas Platthaus

23.08.2016, 10:48 Uhr | Feuilleton
Tourismus-Marathon Diese Frau ist seit 56 Jahren bei Olympia dabei

Bei der Zahl der Olympia-Teilnahmen macht Betty Astrand keiner was vor: Die Spiele in Rio de Janeiro sind der 15. Olympische Wettbewerb, den die 79 Jahre alte Australierin besucht. Mehr

22.08.2016, 18:15 Uhr | Gesellschaft
Sohlenspezialist Vibram O Sohle mio

Vibram? Hat man wahrscheinlich schon mal gehört. Der italienische Sohlenspezialist entwickelt in China und produziert in Europa. Statt umgekehrt. Mehr Von Johanna Stöckl

24.08.2016, 16:33 Uhr | Technik-Motor
Natascha Kampusch Aus dem Keller ins Rampenlicht

Ein Jahrzehnt ist es her, dass Natascha Kampusch aus einem Kellerverlies ins Rampenlicht trat. Aus der verängstigten 18-Jährigen, die sich nach mehr als acht Jahren aus der Gewalt ihres Peinigers Wolfang Priklopil befreite, ist ein Medienprofi geworden. Nun hat sie ihr neues Buch veröffentlicht. Mehr

23.08.2016, 16:24 Uhr | Feuilleton
Tatort aus Köln Doppelmord im Reihenhaus

Zur Rückkehr des Tatorts aus der Sommerpause geben sich die Kölner Kommissare betulich. Dabei haben sie es mit einem schrecklichen Doppelmord zu tun. Der Absacker an der Currywurstbude muss trotzdem sein. Mehr Von Oliver Jungen

21.08.2016, 17:35 Uhr | Feuilleton