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Klaus Kordons Jugendbuch „Auf der Sonnenseite“ Freigekauft ins Niemandsland

 ·  Nach einem Fluchtversuch aus der DDR und zwei Jahren Haft werden Manfred und seine Frau Hannah von der Bundesregierung freigekauft. Doch auch der ersehnte Westen hat seine Schatten: Klaus Kordons Jugendbuch „Auf der Sonnenseite“.

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Wie kein zweiter Jugendschriftsteller versteht es Klaus Kordon, mit dem Schicksal seiner fiktiven Helden beim Leser Verständnis für reale Geschichte zu wecken: Er beschreibt alltägliche, aber auch dramatische Szenen vor einem historischen Hintergrund. Mit großem Erfolg hat er auf diese Weise deutsche Geschichte, vornehmlich der letzten hundertfünfzig Jahre, derart spannend erzählt, dass neben den Jugendlichen auch viele Erwachsene zu seinen Büchern greifen.

Daneben hat er aber auch seine eigene Biographie zum Thema zeitgeschichtlicher Bücher gemacht. Im ersten Teil, erschienen 2002 unter dem Titel „Krokodil im Nacken“, erzählt er kaum verschlüsselt von seiner Kindheit und Jugend in der DDR. Manfred Lenz, sein Alter Ego, hat im Gefängnis Zeit genug, sich daran zu erinnern, auch daran, wie es zu seiner Verhaftung kam: Er hatte zusammen mit seiner Frau und den beiden Kindern versucht, über Bulgarien und die Türkei in den Westen zu gelangen. Manfred und seine Frau Hannah wurden (wie Klaus Kordon und seine Frau) nach zwei Jahren Haft von der Bundesregierung freigekauft. Auf ihre Kinder, die in einem Heim untergebracht waren, mussten sie ein weiteres Jahr warten.

Das Gefühl, nicht dazuzugehören, will nicht weichen

Das Krokodil - das bedeutet hier: Angst, Bespitzelung und Unfreiheit - saß ihnen nun nicht mehr im Nacken, doch dass die Sonnenseite im Westen ihre Schatten hat, erfuhren sie in aller Härte. Flüchtlinge von der anderen Seite des Eisernen Vorhangs landeten zunächst einmal in einem Niemandsland, in dem sie mit Kränkungen und Enttäuschungen fertig werden mussten. Selbstzufriedene Bundesbürger waren nicht selten misstrauisch gegenüber ihren Brüdern und Schwestern „von drüben“ - oder sie nutzten deren Unkenntnis der Verhältnisse im Westen aus.

Hannah und Manfred, beide gut ausgebildet und motiviert, finden zunächst nur wenig qualifizierte Arbeit. Die Freunde aus der alten Heimat Berlin fehlen ihnen. Und das Gefühl, im Westen nicht dazuzugehören, will nicht weichen. Zuweilen glauben sie, zwischen zwei Stühlen zu sitzen.

Er möchte glaubwürdig bleiben, auch im Westen

Es sind die siebziger und achtziger Jahre, zu denen Klaus Kordon wie gewohnt kritisch und unabhängig Stellung nimmt. Sein Lenz lehnt Gewalt, Ungerechtigkeit und Lüge entschieden ab. Er möchte glaubwürdig bleiben, auch im Westen. Er registriert die Ereignisse wie ein Chronist, ein Zeitzeuge - Akteur ist er nur in eigener Sache. Im Roman ist das eine zweischneidige Sache: Da Kordon sich, vielmehr seinen Lenz, wahrheitsgemäß nicht in dramatische Situationen bringt, verliert der Erzählfluss bisweilen ein wenig an Tempo und Spannung.

Als Außenhandelskaufmann hatte Kordon schon als DDR-Bürger etwas von der Welt gesehen. Nachdem seine Jugendbücher, zunächst in der Freizeit geschrieben, Erfolg hatten, konnte er den Brotberuf aufgeben und als Schriftsteller und Hausmann leben.

Und wieder reisen: Mit der Zeit luden Goethe-Institute von Melbourne bis São Paulo den Autor ein. Als die Mauer fiel, war er auf einer Lesereise weit weg von Berlin. Zu einer Art Happy End kommt es in diesem deutsch-deutschen Lesebuch trotzdem: Kordon fasst in seiner schmerzlich vermissten Heimatstadt neuerlich Fuß.

Klaus Kordon: „Auf der Sonnenseite“. Roman. Verlag Beltz & Gelberg, Weinheim 2009. 298 S., geb., 16,95 €. Ab 14 J.

Quelle: F.A.Z.
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