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Kitty Crowthers Bilderbuch „Der Besuch vom kleinen Tod“ : Vom Suchen und Finden guter Freunde

Bild: Carlsen

Wenn das wärmende Feuer an die Hölle erinnert, haben es alle schwer: Die Frierenden ebenso wie der, der das Feuer schürt. In Kitty Crowthers schönem Bilderbuch findet der Tod trotzdem einen Weg, seinen Klienten zu zeigen, was für ein netter Kerl er ist.

          Möchte man seinen Kindern, sagen wir, am Abend, wenn sie gerade im Bett liegen und nun bald schlafen sollen, ein Buch über den Tod vorlesen? Wohl eher nicht. Im Grunde möchte man seine Kinder überhaupt nicht auf dieses Thema stoßen, wozu auch, ihnen wird genug Zeit bleiben, sich damit zu beschäftigen, wenn es so weit ist. Andererseits: Vielleicht ist die Angst vor dem Tod ein sehr erwachsenes Gefühl und der Tod ein Zustand, vor dem sich Kindern mangels Lebenserfahrung viel weniger fürchten, als man glauben könnte.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Für den Fall, dass dem nicht so ist, hat sich die belgische Kinderbuchautorin Kitty Crowther entschieden, ihren kleinen Lesern gleich zu Beginn ihres wunderbaren Buches „Der Besuch vom kleinen Tod“ jede Sorge zu nehmen. „Der Tod“, heißt es da, „ist eine reizende kleine Person. Doch das weiß niemand.“ Die Sterbenden, wie der alte Mann, den der Tod besucht, um ihn mit sich in das Totenreich zu nehmen, wissen es nicht. Auch der kleine Tod selbst, dem die Tränen des Mannes genauso zusetzen wie dessen zitternder Körper, scheint es im Laufe der Zeit vergessen zu haben: dass er nämlich im Grunde ein feiner Kerl ist, der sich freuen würde, wenn es jemanden gäbe, der das genauso sehen würde. „So ist das nun mal“, sagt er sich.

          Die Resignation steht ihm aber nicht gut. Denn der Tod ist auf den Bildern, die Kitty Crowther gezeichnet hat, ein kleines Wesen in einem schwarzen Umhang, das aussieht wie ein dunkles Gespenst. Meist trägt er eine Sichel bei sich, die weit größer ist als er selbst. Wenn er die Menschen abholt und sie in seinem Boot hinüber in sein Reich fährt, wirkt er so traurig, dass sein Zustand dem seiner Gäste in nichts nachzustehen scheint. Der Tod gibt sich zwar alle Mühe mit ihnen: In seinem Schloss macht er ihnen im Kamin ein Feuer, damit sie nicht so frieren. Aber das Feuer vergrößert nur ihre Angst, weil es sie an die Hölle erinnert. So machen der alte Mann und der kleine Tod Gesichter, wie sie elender nicht sein könnten.

          Einmal ist es schön, dass er kommt

          Ohnehin erschließt sich das gesamte Geschehen dieses schmalen Buches viel weniger über den sehr knapp ausfallenden Text als über seine Bilder. Es sind feine Zeichnungen, die, dem Thema entsprechend, viel mit dem Kontrast zwischen Hell und Dunkel spielen und (fast) alle in eine einheitliche Form gegossen sind. Diese durchbricht Crowther auch erst, als das Dasein des kleinen Todes eine entscheidende Wendung erfährt. Denn als er das Mädchen Elisewin holt, begegnet er zum ersten Mal einem Menschen, der sich über seinen Besuch freut.

          Im Grunde handelt es sich bei Crowthers in Frankreich und Belgien schon 2004 erschienenen Buch also um die Variation eines ihrer großen Themen, der Einsamkeit. Gerade für das Einfühlungsvermögen, mit dem sie sich in ihren Geschichten immer wieder Menschen mit Schwierigkeiten angenommen hat, ist sie 2010 mit dem Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis ausgezeichnet worden, dem mit mehr als einer halben Million Euro am höchsten dotierten Preis für Kinder- und Jugendliteratur. Tatsächlich ist es auch beim „Besuch vom kleinen Tod“ beinahe unnötig, darauf hinzuweisen, dass ihr Buch nicht nur für Kinder einige überraschende Perspektiven aufzuzeigen hat. Dasselbe dürfte auch für erwachsene Leser gelten.

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