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Veröffentlicht: 03.08.2014, 16:15 Uhr

Das Kinderbuch „Die wilden Zwerge - Der Sturm“ Die Nacht vor den großen Ferien

Ein Knall erster Güte: Mit „Die wilden Zwerge - Der Sturm“ endet eine große Kinderbuchreihe. Zum Abschied aus dem Kindergarten dürfen Richard, Antoin, Selin und all die anderen dort übernachten.

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© Klett Kinderbuch

Nun ist es also so weit: Die letzten Tage im Kindergarten liegen hinter den Zwergen - aber vor ihnen liegt eine Nacht. Es ist die letzte vor den Sommerferien, und die Bande um Selin, Richard, Konstantin und all die anderen von der Kindergartengruppe namens „Zwerge“ darf sie im Kindergarten verbringen. Bevor alle auseinandergehen, erst in den Urlaub und dann in verschiedene Grundschulen, rücken sie noch einmal eng zusammen. „Das Zwergenzimmer“, so heißt es in dem neuen Band der von Monika Osberghaus und Thomas Engelhardt (unter dem Pseudonym „Meyer/ Lehmann/ Schulze“) geschriebenen Zwergen-Reihe, „sieht heute ganz anders aus.“

Lena Bopp Folgen:

Die Zeichnung, welche die Leipziger Illustratorin Susanne Göhlich zu diesem schlichten Satz gefertigt hat, gibt gleich eine Ahnung davon, in welche Richtung sich die Nacht entwickeln wird. Über den Boden verteilt liegt mutmaßlich das gesamte Spielzeug, das im Kindergarten aufzutreiben war. Nicht, dass sich eines der Kinder für diese Dinge großartig interessieren würde. Sie sind viel zu sehr damit beschäftigt, sich gegenseitig mit Kissen zu bewerfen und sich unter den Bettlaken zu verstecken. Doch für das, was sie später als Erwachsene, natürlich nur mit einem ironischen Lächeln, als „bunten Abend“ bezeichnen werden, liefert dieses Sammelsurium an Zeug die passende Kulisse.

Wenn der Kindergarten zu Ende ist

Schwermut angesichts des nahenden Abschieds kommt so nicht auf. Nach einem knappen Dutzend Büchern, in denen Osberghaus und Engelhardt die Zwerge in ihrem Kindergartenalltag begleitet haben, ist mit „Der Sturm“ nun zwar der letzte Band erschienen. Aber weil Kinder ja nicht wissen, was es heißen kann, wenn Menschen und Orte unwiderruflich verlorengehen, und weil sie es auch nicht wissen müssen (kommt früh genug), erlaubt sich dieses Buch keinerlei Sentimentalitäten. Im Gegenteil: Die Kindergartenzeit endet mit einem Knall. Ein Sommergewitter geht über der Stadt nieder und beschert ein Abenteuer erster Güte.

Konsequent ist das insofern, als in den Büchern der Zwergen-Reihe die Dinge schon immer anders als geplant und völlig aus dem Ruder gelaufen sind. Das ist ihr Markenzeichen. Die Tage begannen mit müden Eltern, die ihre Kinder in die Obhut der beiden Erzieherinnen gaben. Und sie endeten damit, dass eines der Kinder, Anton, abends zu Hause auf der Toilette sitzt und seiner Mutter erzählt, was tagsüber so passiert ist: Ein neuer Junge kam in die Gruppe und stellte sich gleich dem Rabauken Richard in den Weg; ein toter Vogel landete auf Richards Frühstücksteller und wurde dann in einer gemischten christlich-mulismischen Zeremonie beerdigt; Mara verstopfte die Toilette im Kindergarten und rief ihre Kumpels zu Hilfe, die sie vollends zum Überlaufen brachten. So vergingen die Tage.

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Nun regnet, blitzt und donnert es also derart heftig, dass schließlich sogar die Feuerwehr anrücken muss. Wie stets in diesen Büchern bildet der Erzählton dabei einen angenehmen Kontrast zum turbulenten Geschehen. Der Stil ist knapp, präzise, lustig und auf unaufgeregte Weise erzieherisch. Die heiteren, nie überladenen Zeichnungen von Susanne Göhlich passen sich ihm hervorragend an. So sieht man in den Kindern zwar durchaus eine Horde von Quälgeistern, aber auch schon Figuren mit gewissen Eigenheiten: Elena ist beispielsweise nah am Wasser gebaut, Richard ist ein Großmaul, Konstantin ein schweigsamer Frauenliebling und Anton ein Autonarr. So waren sie von Anfang an, so sind sie immer noch. Und sie werden es vermutlich noch sein, wenn sie demnächst in die Schule kommen. Was dort geschieht, so haben es Monika Osberghaus und Thomas Engelhardt angekündigt, werden die Autoren in einer nächsten Reihe erzählen. Irgendwann ist der Kindergarten eben zu Ende. Etwas Neues beginnt.

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