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Kinderbucherfolg „Grüffelo“ : Schreckliche Klauen, schreckliche Zähne

Wer hätte es gedacht: Den Grüffelo gibt's wirklich Bild: Beltz

Auf einen Tiger läßt es sich nicht so gut reimen: So wurde das wilde Monster „Grüffelo“ erfunden. Es ist der Titelheld eines der erfolgreichsten Kinderbücher überhaupt. Seine Schöpfer sind nun auf Lesereise.

          Die Stimme, sagt Julia Donaldson, ist das Problem. Eben ist sie noch über die Bühne gehüpft und durch die triste Aula der „Europäischen Schule Frankfurt“ gerannt, verfolgt von ihrem Mann Malcolm und den Augen von knapp zweihundert Grundschülern. Sie hat ihre Texte gesprochen, gerufen und schließlich gekrächzt, hat ein paar Kinder auf die Bühne geholt und schnell ein Theaterstück einstudiert, in Windeseile Kostüme gewechselt und auch die Freiwilligen mit Hüten oder künstlichen Nasen ausgestattet. Dann, nach einer Stunde, drei Theaterstücken und zwei Liedern war noch eine Menge von Widmungswünschen zu befriedigen, es ist zwölf Uhr, um drei beginnt die nächste Lesung in der Frankfurter Buchhandlung Eselsohr, und ob die Stimme da mitmacht, weiß niemand so recht.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Immerhin kann sie sich auf ihr Publikum verlassen: Die Kinder, die kommen, um die Kinderbuchautorin Julia Donaldson und den Zeichner Axel Scheffler zu erleben, kennen im Zweifel nicht deren Namen. Aber sie kennen die Bücher, fast immer sogar Wort für Wort auswendig: „Die Schnecke und der Buckelwal“, die Hexengeschichte „Für Hund und Katz ist auch noch Platz“, „Mein Haus ist zu eng und zu klein“ und vor allem „Der Grüffelo“, jenes Buch, das mit inzwischen weltweit etwa zwei Millionen verkauften Exemplaren den Erfolg des Teams begründete.

          Bitte noch einmal die Hexe

          Es ist die Geschichte einer Maus, die ihren Freßfeinden gegenüber das wilde Monster Grüffelo erfindet, um im dunklen Wald in Ruhe gelassen zu werden, und die wenig später dann festellen muß, daß es dieses Tier wirklich gibt - „He has terrible tusks, and terrible claws, and terrible teeth in his terrible jaws“ -, exakt so, wie es die Maus detailverliebt entworfen hatte. In Frankfurt läßt sich Axel Scheffler diese Details aus dem Saal zurufen und malt dann das Untier auf einen großen Bogen Papier - am Ende wird er es noch oft in viele der mitgebrachten Bücher zeichnen müssen. Das ist im wesentlichen sein Part auf dieser Lesereise, der ersten gemeinsamen von Scheffler und Donaldson überhaupt, und während die extrovertierte Autorin noch zahlreiche Fragen beantworten muß, wünschen sich die Kinder von Scheffler nur, er möge ihnen doch noch einmal die Hexe zeichnen.

          Er ist aber eigentlich ganz nett

          Manchmal, sagt Julia Donaldson, fühle sie sich wie die kleine Maus: Sie habe den Grüffelo doch erfunden und sei sich immer über seinen fiktiven Charakter sicher gewesen. Inzwischen sind ihr da Zweifel gekommen. Denn das leichtgläubige Monster ist ein Fixstern im Kinderkosmos, die Kleinen singen das Grüffelolied und schleifen die Großen mit ins feine Londoner Arts Theatre, wo das Grüffelostück zu sehen ist, sie kaufen Puzzles und Poster und natürlich das Nachfolgebuch: „Das Grüffelokind“.

          Wie es zum Grüffelo kam, wird Donaldson auch hier gefragt: Sie habe eigentlich ein Gedicht über einen schrecklichen Tiger schreiben wollen, krächzt sie, aber auf das Wort „Gruffelo“ gebe es einfach die besseren Reime. Der Ursprung der Zusammenarbeit mit Axel Scheffler ist klarer überliefert: Der deutsche Zeichner, der schon lange in London lebt, bekam eines Tages über seinen Verlag einen Liedtext, den Donaldson geschrieben hatte, und weil Scheffler sich dafür stark machte, erschien „Mein Haus ist zu eng und zu klein“ von ihm illustriert 1993 bei Macmillan. Es ist eine Zusammenarbeit, von der beide profitieren, nach mittlerweile acht Büchern sind sie in Kinderaugen längst zur Einheit geworden, und die gemeinsamen Auftritte sind für die Leser ein Fest.

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