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„Jesus von Nazaret“ von Alois Prinz : Wie war das mit dem Brot?

  • -Aktualisiert am

Bild: Gabriel

Alois Prinz zeichnet das Leben Jesu nach. Und nähert sich nicht nur historisch, sondern zieht souverän Theologen und Philosophen, Literatur, Kunst und Filme heran, um ihn zu verstehen.

          Eine Biographie über den Menschen Jesus zu schreiben, ist im Grunde unmöglich. Zu große Lücken weist sein Leben auf, zu fragwürdig sind die Quellen. Dennoch versuchen Autoren seit 2000 Jahren dieses Leben nachzuvollziehen. Theologen sehen Jesus in erster Linie in Bezug auf seinen göttlichen Vater, während die historisch-kritische Richtung ihn als frommen Juden darstellt, der extrem selbstbewusst und charismatisch aufgetreten sei.

          Alois Prinz, der sich als Biograph von Hannah Arendt, Ulrike Meinhof, Hermann Hesse einen Namen gemacht hat, schreibt in seiner Jesus-Biografie, das Interessante an dem Mann aus Nazaret sei gerade, dass es keine Gewissheit über ihn gebe. Jesus sei „ein Wagnis“, das jede Generation und jeden Einzelnen immer wieder neu herausfordere. Gerade seine „innere Freiheit“ könne ihn zum Vorbild für Jugendliche werden lassen - jenseits von Geld, Schönheit und Erfolg.

          Das eigentliche Wunder

          Der Autor erzählt, wie hart das ländliche Leben im abgelegenen Nazaret gewesen sein muss, in dem Jesus als Sohn eines Bauhandwerkers aufwuchs. Und er schildert die politisch aufgeheizte Stimmung zwischen Römern und Juden zur Zeit von Herodes. Aber Prinz - und das macht seine Biographie besonders - nähert sich Jesus nicht nur historisch, sondern zieht souverän Theologen und Philosophen, Literatur, Kunst und Filme heran, um ihn zu verstehen. Ein Beispiel unter vielen: Friedrich Nietzsche nannte das Verhalten des zwölfjährigen Jesus im Tempel die „große Loslösung“, die dem Philosophen zufolge für jeden notwendig sei, der ein freier Geist werden wolle: Nachdem seine besorgten Eltern tagelang im übervollen Jerusalem nach ihm gesucht hatten, erklärte der Knabe einfach, er habe im Haus seines himmlischen Vaters sein müssen. In der Tat eine radikale Wendung zum eigentlichen Fokus seines Lebens, die er später, wie Prinz herausarbeitet, auch von seinen Jüngern forderte.

          Am interessantesten ist der Autor immer in jenen Passagen, in denen er die Geschichten und Gleichnisse der Evangelien deutet. So erklärt er die wundersame Brotvermehrung am See Genezareth so: Als es unmöglich scheint, dass Brot und Fisch für alle reichen, blickt Jesus zum Himmel und fordert dann seine Jünger auf, Fische und Brote zu verteilen. Wer zum Himmel blicke, erklärt Prinz, werde sich bewusst, wie beschenkt er bereits sei. Und wer sich beschenkt wisse, höre auf, knickrig zu sein, und fange mit dem Teilen an. Diese innere Wandlung im Vertrauen auf die Güte Gottes sei das eigentliche Wunder - ob die Brotvermehrung nun stattgefunden habe oder nicht.

          Prinz hat einen Zugang zum „Menschensohn“ gefunden, der gebildet und klug Erkenntnisse vermittelt, aber gleichzeitig bestechend einfach bleibt. So wird Jesus auch für Leser greifbar: die jugendlichen wie die erwachsenen.

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