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Janosch : Beinahe ein Millionär

Er schreibt nicht nur Kinderbücher: Janosch vor einigen seiner Gemälde Bild: dpa

Tagebuch eines Ketzers: Der Kinderbuchautor Janosch hat die Rechte an seinen Werken an eine religionskritische Stiftung übertragen. Mit der Firma, die seine Produkte vermarktet, liegt er nun im Streit.

          Hin und wieder meldet sich Janosch aus dem fernen Teneriffa, wo der Autor und Zeichner seit 27 Jahren lebt. Das ist erfreulich für alle, die seine Bücher mögen, 300 sind es bereits, in 40 Sprachen übersetzt, an einem neuen schreibt er gerade. Das soll „Tagebuch eines frommen Ketzers“ heißen und den Lesern „ein wenig Religionsunterricht geben“. Vielleicht muss man sich den so vorstellen wie jene Janosch-Zeichnung mit dem Titel „Taufe“, in der ein Pfarrer einen Täufling mit einem Kreuz malträtiert.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Man mag dies auf die Erfahrungen des jungen Janosch zurückführen, der, 1931 als Horst Eckert im oberschlesischen Hindenburg geboren, von der frommen Mutter keinen Schutz gegen die Schläge des trinkenden Vaters erhielt. Und es fügt sich zu der Legion religionskritischer Äußerungen Janoschs - etwa „Katholisch geboren zu sein ist der größte Unfall meines Lebens“ - und zur neuesten Wendung in der verwickelten Geschichte, die den Autor mit diversen Verlagen und anderen Verwertern verbindet.

          Umsatz von knapp 1,2 Millionen Euro

          Janosch, der nach dem Krieg in Nordrhein-Westfalen lebte und als Textilzeichner arbeitete, bevor er nach München ging, um Maler zu werden, wurde in den siebziger Jahren bekannt, nachdem er seine verlegerische Heimat bei Beltz&Gelberg gefunden hatte. Hier erschienen Klassiker wie „Oh, wie schön ist Panama“ oder „Janosch erzählt Grimms Märchen“, bevor er in den achtziger Jahren zu Diogenes wechselte. Seit einigen Jahren wertet nun eine „Janosch Film & Medien AG“ seine Werke aus, verkauft Lizenzen für Bücher, Filme und Tigerenten und erwirtschaftete damit im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 1,2 Millionen Euro.

          Janosch, ursprünglich Mehrheitsaktionär, hat seine Anteile inzwischen verkauft. Die Rechte an seinen Werken aber hat er im Mai an die religionskritische „Giordano-Bruno-Stiftung“ übertragen. „Als Gegenleistung bekommt er 50 Prozent der Einnahmen“, teilt die Stiftung mit, „sofern es denn je Einnahmen geben wird.“ Denn das ist der Punkt: Während der Autor behauptet, keine Einkünfte aus seinen Werken zu haben, kann sich Hans Häge, der Vorstand der AG, „diese Äußerung nicht erklären. Wenn Herr Janosch ein neues Buch herausbringt, ist er natürlich an den Erlösen beteiligt.“ Im Übrigen könne der Autor den Vertrag nicht einfach kündigen, die AG sei nach wie vor der Rechteinhaber.

          Die Stiftung hat Janosch nun Rechtsanwälte besorgt, die den Vertrag gleichwohl zum 15. Dezember gekündigt haben. Wenigstens für neue Bücher wäre er dann frei, und ob in der Vergangenheit alles mit rechten Dingen zuging, prüfen die Anwälte auch. Inzwischen schreibt Janosch an seinen Memoiren mit dem Titel „Beinahe Millionär geworden“. Das aber, sagt er, werde er nur schwer bei einem Verlag unterbringen können: „Weil ich in diesen 50 Jahren sehr viel weiß über den Missbrauch des Urheberrechts und die straffreie Umleitung der Honorare an den Autoren vorbei.“

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