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„Herz Schmerz“ von Ulf Nilsson : So niedlich ist das alles nicht!

Bild: Moritz Verlag

Lächerlich? Nur für Erwachsene: Der schwedische Kinderbuchautor Ulf Nilsson hat sich ein weiteres Mal mit den großen Gefühlen der Kleinen befasst. Sein neues Buch „Herz Schmerz“ erzählt von der Liebe.

          Die ganze Welt sei voll von Toten, sagt Ester mit einiger Begeisterung vor dem Hummelgrab. Jemand müsse nett sein, sich um sie kümmern und sie beerdigen: „wir“. In „Die besten Beerdigungen der Welt“, 2006 in deutscher Übersetzung erschienen, machte Ulf Nilsson ein junges Trio aus einer Laune heraus zu Tierbestattungsunternehmern, von denen einer fürs Grab, einer für die selbstgedichteten Grabreden und einer fürs Weinen zuständig ist. Mit dieser Aufgabenverteilung konnte Nilsson angenehm unkompliziert über den Tod erzählen, genauer: über den Umgang mit dem Tod in seinen Konventionen und Klischees.

          Jetzt hat sich der schwedische Kinderbuchautor ein weiteres Mal mit den großen Gefühlen der Kleinen befasst: Sein neues Buch „Herz Schmerz“ erzählt von der Liebe, und auch hier geht es um unseren Umgang mit diesem Gefühl. Der Unterschied ist nur, dass es diesmal um Emotionen geht, an deren Einzigartigkeit wir glauben, sosehr sich die Gefühle letztlich auch ähneln mögen von Mensch zu Mensch. In der Trauer dagegen finden wir umgekehrt Trost darin, nicht allein zu sein, und suchen Halt an den Gepflogenheiten, mit denen wir dem Tod begegnen.

          Das ist nicht zum Lachen

          Am Anfang von „Herz Schmerz“ entdeckt der Ich-Erzähler, dass er Britta liebt, dass er sie schon immer liebte, schon im Kindergarten, als sie die Lichterkönigin war und er der kleine Troll. Am Ende beschließt er, sich die nächsten fünfzehn Jahre hauptsächlich mit Erfindungen zu beschäftigen. Fünfundzwanzig, hat er von seiner Mutter gehört, sei das beste Alter zum Heiraten, und bis dahin will er von der Liebe nichts wissen. Aber bis er so weit ist, malt er sich aus, wie er Britta seine Liebe gesteht, er trauert, plant, zaudert, träumt, betet, bemerkt, dass auch sein bester Freund Bengt ein Auge auf Britta geworfen zu haben scheint, er schreibt Gedichte, entdeckt („großartig“), dass sich Herz auf Schmerz reimt, stellt einen Fahrradunfall vor ihrem Haus nach, um von ihr gerettet zu werden, und dergleichen mehr.

          Das ist alles ganz niedlich, es ist sogar ganz furchtbar niedlich, und man würde den Jungen gern mal in den Arm nehmen. Was er natürlich überhaupt nicht mit sich machen ließe, schließlich ist es eine Angelegenheit auf Leben und Tod, auch wenn der Entschluss, dann doch lieber Erfinder zu werden, letztlich leichtfertig wirkt: Es ist nicht zum Lachen, auch nicht zum Lächeln. Und doch lässt der Autor seine Leser lächeln über diesen Helden.

          Acht, neun, zehn Jahre alte Leser stehen selbst noch vor all den Entdeckungen, die der Ich-Erzähler in diesem Buch macht. Später werden sie bemerken, dass sie damit nicht allein sind auf der Welt. Und eines Tages werden sie begreifen, dass diese Erkenntnis, so beschämend sie im ersten Moment auch sein kann, zur Einzigartigkeit der eigenen Gefühle nicht im Widerspruch steht. Stian Hole hat mit „Garmans Geheimnis“ gezeigt, wie zärtlich und zauberhaft man über die kindliche Liebe erzählen kann, wenn man es schafft, sie mit den Augen eines Kindes zu sehen. Ulf Nilsson ist das nicht gelungen. Er schaut als Erwachsener darauf.

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