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Eva Susso, Benjamin Chaud: „Tausend Tipps für Feiglinge“. Aus dem Schwedischen von Maike Dörries. Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2018. 112 S., geb., 9,95 €. Ab 7 J. Bild: Gerstenberg

„Tausend Tipps für Feiglinge“ : Du kennst meine Oma nicht!

Robert hält sein Leben für unzumutbar langweilig und sich selbst für einen Angsthasen. Abhilfe schaffen soll ein Buch: Eva Susso verrät „Tausend Tipps für Feiglinge“.

          Robert hat es nicht leicht. Sein Leben erscheint ihm unzumutbar langweilig, und obendrein hält er sich für einen Feigling. Familie Cossu lebt in einem Herrenhaus in Paris, so groß, dass jeder Bewohner seine eigene Toilette besitzt, und wenn sich wie jeden Sonntag die Verwandtschaft zum Essen einfindet, dürfen die Kinder weder sprechen noch schmatzen.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Viel spannender ist da doch der Alltag von Ofelia und ihrem Vater Achmed im Gemüseladen an der Straßenecke. Wenn er bei ihnen aushelfen dürfte, denkt Robert, müsste er nicht mehr lernen, bis ihm der Kopf schwirrt. Überhaupt ist Ofelia das interessanteste Mädchen, das er kennt. Und er viel zu feige, um auch nur ein Wort an sie zu richten.

          In der Schule läuft es nicht besser, dort wartet Hochstapler Hugo mit seiner verwegenen Haartolle und seinen Angebergeschichten. Selbst in Roberts Tagträumen taucht er auf und heimst, wenn Robert gerade im Superheldenkostüm einen Großbrand gelöscht hat, das gesamte Lob und die Bewunderung Ofelias ein. Daran muss sich etwas ändern.

          Damit kann der Vater natürlich nichts anfangen

          „Tausend Tipps für Feiglinge“ heißt das Buch, mit dem Robert lernen will, mutiger zu werden, und so heißt auch die scharfsinnige Geschichte der Schwedin Eva Susso, die ganz ohne stilistische Eskapaden auskommt und die Details den schwungvollen Zeichnungen Benjamin Chauds überlässt. Tatsächlich gibt es ständig Neues zu sehen, wenn Robert mit seinem altersschwachen Hund Dédé loszieht und immer wieder unauffällig an Achmeds Gemüseladen vorbeischlendert: Menschengewirr im Pariser Verkehr, wartende Gestalten auf Jugendstilbalkonen, von Joggern bevölkerte Parks, quirlige Straßencafés. Am schnellen Strich des französischen Zeichners, dessen Bären-Bilderbücher es zuletzt bis nach Amerika schafften, und an seinem Spiel mit Licht und Schatten liegt es, dass jede Gelegenheit, bei der sich Robert bewähren kann, zum Abenteuer wird. Mit weiten Schritten und wehendem Rüschenrock stürmt die verwirrte Großmutter davon. Wird es Robert mit seiner Höhenangst gelingen, sie von der obersten Stufe einer Leiter zu holen? Und dann wagt er es auch noch, Hugo beim Pokern herauszufordern, weil der überzeugt davon ist, dass es keinen besseren Spieler an der Schule gibt. Dass Roberts Oma einmal Weltmeisterin im Pokern war, weiß Hugo natürlich nicht.

          Das Schöne an „Tausend Tipps für Feiglinge ist“, dass sich die Geschichte nicht zum Triumph über den Widersacher zuspitzt, sondern die Selbstzweifel und das schlechte Gewissen einbezieht, die jeden intelligenten Feigling plagen. Schließlich hat Robert Hugo etwas vorgemacht. Diese Ambivalenzen, die humorvollen Deutungen und sprachlichen Spitzen machen die Geschichte aus.

          Einmal fragt Vater Cossu seine Kinder mit starrem Blick, ob sie etwas brauchen – vielleicht einen neuen Computer? Robert wünscht sich nur Mut, aber damit kann der Vater natürlich nichts anfangen. Am Ende hat Robert dann doch noch Gelegenheit, Ofelia seinen Mut zu beweisen. Mit Aufregung, aber ganz ohne Klischee.

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