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Eine Kinderbibel Hart wie Josua, lieblich wie Rut

10.12.2009 ·  Kinderbibeln gibt es wie Sand am Roten Meer. Diese ist anders - nicht zuletzt durch die Bilder Klaus Ensikats: Ein ungemein schönes und sinnvoll gegliedertes, mit Zwischentexten auch sehr gut erklärtes Altes Testament.

Von Lorenz Jäger
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Ein ungemein schönes und sinnvoll gegliedertes, mit Zwischentexten auch sehr gut erklärtes Altes Testament liegt vor uns. Ohne billige Aktualisierung hält sich die Erzählung nah am biblischen Wort. Die ausgewählten Geschichten von der Schöpfung bis zum Sündenfall, von Kain und Abel bis zum Propheten Daniel, vom Auszug aus Ägypten bis zur babylonischen Gefangenschaft sind nach einem klaren Gedanken in eine Folge gebracht: Von Gott kommt eine Ordnung in die Welt, der Mensch kann fehlgehen, aber selbst den schuldig Gewordenen wird, wenn sie umkehren, das ursprüngliche Heilsversprechen nicht aufgekündigt. Kriegerische und lieblich-bewegende Abschnitte gliedern sich in ansprechendem Rhythmus.

Die schwer zu fassende Patriarchenhärte Abrahams gegenüber seinem Sohn Isaak löst Gräfin Schönfeldt vom Resultat her auf: „Wir hier lehnen das Menschenopfer ab“, laute die wahre Botschaft. Nun liegt es in der Natur der Sache, dass über die eigentliche Erfüllung des Versprechens, den Einzug ins zugesagte Heilige Land, in einem Kinderbuch nicht gut berichtet werden kann. Unsereiner lernte noch nach der Lutherbibel über die Einnahme von Jericho: „Also gewannen sie die Stadt und verbannten alles, was in der Stadt war, mit der Schärfe des Schwerts.“

Eine Antwort auf die Kraft des Alten Testaments

Dass „verbannen“ hier eine besondere Bedeutung hat, die über die naheliegende von „Vertreibung“ hinausgeht, bemerkte man zum Glück erst später. Gräfin Schönfeldt umschifft die Klippe, indem sie den Vorgang im einleitenden Kommentar zur Geschichte der Debora rafft: „Mose hatte Josua, seinen Diener, zum Nachfolger bestimmt, und unter seiner Führung eroberten die Israeliten das Land westlich vom Jordan, auch durch friedliche Verhandlungen.“ Kostbares „auch“! Den Gibeonitern - den Einzigen, mit denen tatsächlich verhandelt wurde -, bekam es doch am Ende schlecht.

Die Bilder und Vignetten von Klaus Ensikat sind von besonderer Ausdruckskraft. Niemals schematisch, immer mit kühnen Perspektiven und stark im Physiognomischen antworten sie auf ihre Weise der Kraft des Alten Testaments.

Sybil Gräfin Schönfeldt: „Die Bibel“. Das Alte Testament. Mit Bildern von Klaus Ensikat. Tulipan Verlag, Berlin 2009. 320 S., geb., 39,95 €. Ab 7 J.

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1951, Redakteur im Feuilleton.