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Sonntag, 19. Februar 2012
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Ein Bilderbuch über Identität Was wäre ich ohne Streifen?

19.07.2010 ·  Ist es nun ein Zebra, weil es ein gestreiftes Fell hat, oder hat es das gestreifte Fell erst bekommen, weil es ein Zebra ist? Die ausgewachsenen Artgenossen jedenfalls lassen in Max Huwylers Bilderbuch das junge Tier mit diesen Fragen allein.

Von Tilman Spreckelsen
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An die Tatsache, dass eine Rose eine Rose eine Rose ist, haben wir uns mittlerweile ja gewöhnt. Aber wie ist das mit einem Zebra?

„Das weiß man doch!“ und „Du stellst Fragen!“ bekommt in Max Huwylers Buch „Das Zebra ist ein Zebra“ ein Jungtier zur Antwort, wenn es sich bei den Älteren erkundigt, was nun eigentlich die Zebra-Identität ausmache. Ausgelöst wird dieses Fragen nicht zufällig durch die Begegnung mit einem ähnlichen, aber nicht gleichen Tier, einem Pferd. Und während die ausgewachsenen Zebras die Dinge nehmen, wie sie sind („Das Pferd ist ein Pferd, und das Zebra ist ein Zebra. Schau dich doch an!“), grübelt das kleine darüber nach, ob aus dem Zebrasein das äußere Erscheinungsbild erwächst oder ob umgekehrt das gestreifte Fell zuerst kommt und als dessen Folge dann die Identität - später wird es versuchsweise die weißen Streifen ablegen, nur um dann von den anderen Zebras nicht mehr erkannt zu werden.

Harte Arbeit im Hier und Jetzt

Es ist keine gewöhnliche Geschichte, die Huwyler erzählt, sie hat trotz der gewollten Einkleidung als kindgerechte Tierfabel eine Schlagseite ins Abstrakte, und wären Jürg Obrists Bilder nicht, dann wäre dieser kurze Text, der auf sinnliche Ausschmückungen und Beschreibungen konsequent verzichtet, wohl allzu spröde geraten. Allerdings bereitet der Autor genau damit dem Illustrator eine Bühne, die der nach Kräften nutzt. Nichts bleibt da statisch, alles dehnt und streckt sich, schwebt oder gleitet, ob die Szene nun in der Innenstadt, im Kinderzimmer oder im Wald spielt. Dabei verwendet Obrist gern kräftige Farben, so dass alles Ätherische hier erfreulicherweise keine Chance bekommt: Nachdenken über Identität ist kein Spiel im Elfenbeinturm, heißt das, sondern harte Arbeit im Hier und Jetzt, die nicht ohne Konsequenzen bleibt.

Am deutlichsten wird das in einer Abfolge von drei Doppelseiten, die sämtlich dem Grübeln des kleinen Zebras gewidmet sind: Im ersten sehen wir das schlafende, träumende Tier in seinem Bett, das sich gemeinsam mit allem anderen in diesem Raum - darunter zoologische Lehrbücher, aufgeschlagen ist die Seite „Huftiere“ - ein paar Zentimeter über den Boden erhebt, während schwarze und weiße Streifen durch die Gegend fliegen. Aus denen wird dann im nächsten Bild ein unübersichtliches Bestiarium um den Schlafenden herum, der inmitten der andrängenden Wesen völlig untergeht.

Entsetzlich kalt oder sehr weise

Im dritten, schwungvollen und wieder glasklar konturierten Bild folgt dann auf die Lektüre und die Überwältigung durch den Traum nunmehr die stille Reflexion: Das kleine Zebra sitzt in einem Haus, das nur aus einem einzigen Zimmer besteht. Ein Stuhl, eine Lampe, ein Denker, der den Kopf auf den Huf stützt, mehr ist da nicht.

Übergroß aber beäugen am vorderen Bildrand die erwachsenen Zebras, was in dem Zimmer geschieht. Ob der Kleine krank sei, fragen sie. Nein, sagt der, er denke nur gerade nach. „Dann denk halt“, sagen die Großen.

Diese fröhliche Ignoranz gegenüber kindlichen Fragen kann man nun entsetzlich kalt oder umgekehrt sehr weise finden. Das Buch lässt auf seinen letzten Seiten Raum für beides. Und beschäftigt Vorleser wie Zuhörer daher noch eine ganze Weile.

Max Huwyler: „Das Zebra ist das Zebra“. Mit Illustrationen von Jürg Obrist. Atlantis-Verlag, Zürich 2010. 32 S., geb., 13,90 €. Ab 4 J.

Quelle: F.A.Z.
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