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„Die Glücksbäckerei“ von Kathryn Littlewood : Charmante Tante

  • -Aktualisiert am

Bild: KJB

Kaum sind die Eltern aus dem Haus, versucht sich die zwölfjährige Rose selbst an den Rezepten, die der Bäckerei der Familie und diesem Buch den Titel „Glücksbäckerei“ eingetragen haben: Kathryn Littlewood tischt auf.

          Rose ist zehn Jahre alt, als sie ihre Mutter dabei beobachtet, wie sie inmitten eines stürmischen Gewitters einen Blitz in ein Marmeladenglas bannt. Seit jenem Tag weiß sie sicher, dass die Gerüchte um ihre kleine Familienbäckerei wahr sind: Die von ihren Eltern hergestellten Köstlichkeiten schmecken nicht nur außergewöhnlich gut, sondern halten auch alle Katastrophen von ihrem Dorf mit dem sprechenden Namen Calamity fern. „Natürlich formte sich in Roses Kopf sofort die Frage: Werde ich auch einmal eine Glücksbäckerin werden?“

          Die Autorin Kathryn Littlewood lässt sich Zeit, den Leser in das idyllische Calamity und die Familienbäckerei mit all den sinnlichen Eindrücken zu führen, die wie ein liebevoll ausgestaltetes Bühnenbild den Hintergrund ihrer zauberhaften Geschichte bilden. Wir begleiten Rose und ihren Bruder Basil bei Botengängen durch das Dorf, halten hier und dort bei einem der etwas schrulligen Dorfbewohner an, um ein Dutzend Mohnblumen oder zwei Pfund Äpfel zu kaufen, und wir erfahren, dass Rose, die das Backen über alles liebt, sich davor fürchtet, hinter ihren Geschwistern, dem gutaussehenden Tymo, dem witzigen Basil und der niedlichen Nella, zu verschwinden. Denn sie scheint als Einzige nicht mit einer besonderen Gabe ausgestattet zu sein.

          Wie zu erwarten: Die Sache geht schief

          So beobachtet Rose also seit jenem Gewittertag, wie ihre Eltern Krankheiten heilen und Liebeskummer beheben, während sie insgeheim darauf wartet, endlich in das Geheimnis der Zauberbäckerei eingeführt zu werden und einen Blick in das Buch mit den magischen Rezepten werfen zu dürfen. Zwei Jahre später jedoch müssen Roses Eltern für eine Woche verreisen, und man ahnt, wie die Sache ausgeht. Leise klingt Goethes „Zauberlehrling“ an, und tatsächlich ist die „Glücksbäckerei“ eine Variation auf das bekannte Motiv von Versuchung und Selbstüberschätzung, das den meisten Zaubergeschichten eingeschrieben ist. Und natürlich wird auch Rose irgendwann die Entscheidung treffen müssen, ob sie auf der guten oder der bösen Seite stehen möchte.

          Die Verführerin erscheint, schon bald nachdem die Eltern fort sind, in Person der wunderschönen Tante Lilly. Obwohl Rose ahnt, dass Lilly es lediglich auf das Backbuch abgesehen hat, kann auch sie sich ihrem Charme nicht lange entziehen, schließlich verkörpert die Tante so ziemlich alle Eigenschaften, die Rose gern besäße.

          Also holen die Geschwister das verbotene Backbuch hervor und, wie zu erwarten, geht die Sache gründlich schief. Jeder verzweifelte Versuch aber, das Schlamassel mit einem neuen Zauber wieder zu beheben, hat immer nur noch groteskere Folgen. Das ist als Handlungsstruktur natürlich nicht ganz neu, und vieles könnte dabei auch literarisch schiefgehen. Allerdings entgeht Kathryn Littlewood glücklicherweise der Gefahr, zu viel zu wollen. Inmitten all der wunderbaren Zaubereinfälle, die das Leben der Dorfbewohner gründlich auf den Kopf stellen, verliert sie die Sorgen ihrer Protagonistin nicht aus den Augen. Und so bleibt die „Glücksbäckerei“ bis zuletzt eben auch die Geschichte eines ganz normalen zwölfjährigen Mädchens auf der Suche nach seinem Platz in der Familie und im Leben.

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