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„Der Schmied von Großholzingen“ : Tolkiens letztes Buch

J. R. R. Tolkien: „Der Schmied von Großholzingen“. Aus dem Englischen von Karl A. Klever und Lisa Kuppler. Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2016. 248 S., geb., 14,95 €. Ab 6 J. Bild: Verlag Klett-Cotta

Ein Stern, den er als Kind verschluckte, weist ihm den Weg ins Land der Elben: So eindrucksvoll „Der Schmied von Großholzingen“, Tolkiens letztes Buch, als Märchen ist, so fruchtbar ist auch die Lektüre.

          Die Sache scheint unspektakulär: Ein kleiner Stern, wahrscheinlich daumennagelgroß, wird zusammen mit einer Handvoll anderer Gegenstände in einen Kuchen eingebacken, von dem die Kinder des Dorfes kosten. Ein Junge verschluckt den Stern, ohne es zu merken, später zeigt sich dessen Form auf seiner Stirn. Dann aber macht er sich auf zu ausgedehnten Reisen ins Land der Elben. Dort erklimmt er Berge, besteht gefährliche Abenteuer in der Wildnis oder sieht auch schon mal ein siegreiches Elbenheer, das an ihm vorüberzieht. Immer wieder aber kehrt er zurück in sein Dorf, arbeitet als Schmied, sieht seine Kinder heranwachsen. Und macht sich bereit für einen weiteren Gang in eine Welt, die keinem zweiten Menschen offensteht.

          „Der Schmied von Großholzingen“ ist Tolkiens letztes Buch. Es erschien 1967 im Original, wenig später auch auf Deutsch und nun in einer schmucken, um wichtige Dokumente (die fast zwei Drittel der Ausgabe ausmachen) erweiterten Edition. Offenbar entsprang es Tolkiens Beschäftigung mit einem anderen Märchen, George MacDonalds berühmtem „Goldenen Schlüssel“ von 1867, für das er ein Vorwort schreiben sollte, das unvollendet blieb. Das Fragment ist ebenfalls in der vorliegenden Ausgabe enthalten, dazu ein aufschlussreicher Essay Tolkiens über sein eigenes Werk. Denn so eindrucksvoll „Der Schmied von Großholzingen“ als Märchen ist, so gern man es Kindern vorliest, so fruchtbar ist auch die Lektüre, wenn man darin einen Bericht vom Grenzgängertum zwischen Alltag und Imagination sieht. Einmal heißt es über den Schmied: „Eine große Ruhe kam über ihn; er schien zugleich in der Welt und in Elbland zu sein und doch auch außerhalb beider, als Betrachter.“ Kein Zufall, dass kurz darauf der Stern auf seiner Stirn verschwindet.

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