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Veröffentlicht: 13.07.2012, 15:40 Uhr

„Der Raub des Bücherschatzes“ von Katja Behrens Passt, knirscht aber

In „Der Raub des Bücherschatzes“ erfährt der Leser viel über die Zeit der Hexenverfolgungen und die Greuel der Konfessionskriege. Und doch Katja Behrens der Versuch, den Lesern die historischen Ereignisse wirklich näherzubringen, nur teilweise gelungen.

von Britta Lange
© Hanser

Heidelberg im Winter 1622. Die katholische Liga hat die protestantische Stadt erobert und verwüstet. Hunger, Elend und Kälte beherrschen den Alltag der Bevölkerung, Frauen und Mädchen werden als Kriegsbeute betrachtet und vergewaltigt.

Auch Jakobe ist das widerfahren. „Krank an Leib und Seele“, liegt das in Pferdedecken gehüllte Mädchen in einem verwüsteten Haus. Als Jakobe wieder zu Kräften kommt, beschließt sie, die belagerte Stadt zu verlassen. Dazu verkleidet sie sich als Junge - aus Jakobe wird Jakob. Bei ihrer Flucht kommt ihr die Bildung zugute, die sie durch die Fürsorge des Bibliotheksdieners der berühmten Heidelberger „Palatina“ erlangt hat: Sie kann lesen und schreiben, sogar auf Griechisch und Latein. Nun dient „Jakob“ bald dem jesuitischen Gelehrten Leone Allacci, der die wertvolle Heidelberger Bibliothek im Auftrag des Papstes nach Rom bringen soll, und wird Teil einer Notgemeinschaft einiger weniger Menschen, die aus Verzweiflung bereit oder gezwungen sind, den Gelehrten bei seinem Auftrag zu unterstützen.

Katja Behrens, bekannt durch ihre historischen Jugendbücher, stellt Allacci - den es tatsächlich gegeben hat - und den Transport der wertvollen Bücher in den Mittelpunkt ihres Romans „Der Raub des Bücherschatzes“. Passgenau fügt sie die Geschichte Jakobes in den Rahmen der historischen Ereignisse ein und gewährt ihren jugendlichen Lesern damit einen ungewöhnlichen Blick auf einen von Aberglaube und Verfolgungen geprägten Alltag zur Zeit der Glaubenskriege, in dem auch das heutige Modethema „Vampirismus“ eine nicht unwesentliche Rolle spielt.

Dabei ist die Geschichte durchaus spannend

Der Leser erfährt viel über die Zeit der Hexenverfolgungen und die Greuel der Konfessionskriege. Und doch ist der Versuch, den Lesern die historischen Ereignisse wirklich näherzubringen, nur teilweise gelungen. Allzu spürbar ist die Konstruktion des Romans, in denen die fiktiven Figuren - allen voran Jakobe und ihre Freundin Anna - bis auf wenige starke Momente merkwürdig hölzern bleiben. Der ständige Wechsel von Vergangenheit zum historischen Präsens vertuscht kaum, dass die Figuren als das erscheinen, was sie sind: ein Mittel, das historische Ereignis näher an die Leser heranzuholen. Dies wird besonders an jenen Stellen deutlich, in denen die katholischerseits verübten Greuel angeprangert werden. Während die meisten Geschehnisse in Anpassung an den damaligen Sprachgebrauch eher dezent ausgedrückt werden, wechseln die Figuren an solchen Stellen in den Sprachduktus der heutigen Zeit und vergessen darüber hinaus schnell, in welch feindlicher Gesellschaft sie reisen.

Das ist umso bedauerlicher, als die kompetent recherchierte Geschichte durchaus spannend ist und der Blick ins 17. Jahrhundert nicht nur für historisch interessierte Jugendliche lohnend wäre.

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