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Das Jugendbuch „Kennst du die Brüder Grimm?“ : Säen, warten, ernten

Bild: Bertuch Verlag

Man kann von den beiden Märchensammlern ganz ausgezeichnet für jugendliche Leser berichten. Das zeigen Kurt Franz und Claudia Maria Pecher in ihrem Buch „Kennst du die Brüder Grimm?“

          An wen sich die Märchen der Brüder Grimm eigentlich richten, ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen, und während sich die einen an die von den Autoren selbst vorgenommene Adressierung („Kinder- und Hausmärchen“) halten, sehen die anderen ob der dort enthaltenen unerhörten Grausamkeiten und Stereotypen den kindlichen Seelenfrieden in Gefahr.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Dass man jedenfalls von den beiden Märchensammlern ganz ausgezeichnet für jugendliche Leser berichten kann, zeigen Kurt Franz und Claudia Maria Pecher in ihrem Buch „Kennst du die Brüder Grimm?“, das nun passend zur Zweihundertjahrfeier der ersten Ausgabe der „Kinder- und Hausmärchen“ erschienen ist. Es erzählt am roten Faden der brüderlichen Biographie mit den Stationen Hanau, Kassel, Göttingen und schließlich Berlin entlang, wie sich aus dem philologischen Interesse der beiden passionierten Sammler ein wissenschaftliches Werk entwickeln konnte, das - was die Breitenwirkung angeht - unübertroffen ist. Nichts blieb in der behaglich vor sich hindämmernden literarischen Gattung Märchen, wie es vor den Grimms gewesen ist, von den volkskundlichen Arbeiten, den Studien zur Mythologie und Rechtsgeschichte oder dem von ihnen begonnenen gewaltigen Wörterbuch-Projekt ganz zu schweigen.

          Eine Ahnung von den Dingen

          Das Verfahren von Franz und Pecher ist denkbar simpel: Sie mischen Erläuterungen mit Zitaten aus dem Werk oder mit Lebenszeugnissen der Brüder. Doch das ist hier nicht nur staunenswert effizient, es ist vor allem jederzeit so geistreich durchgeführt und im Ergebnis erhellend, dass man bei einzelnen Fragestellungen sehr viel länger verharren möchte, als es dauert, den schmalen Band zu lesen.

          Zum Beispiel, wenn es darum geht, was und wie viel Kinder von demjenigen aufnehmen können, das ihnen in den Märchen angeboten wird. Von Jacob Grimm stammt eine - hier ausgiebig zitierte - Überlegung, wie es denn um Begriffe steht, die man Kindern gegenüber gebraucht, auch wenn sie nicht im Sinne von Erwachsenen verstanden werden können. Grimm entwickelt in seinem Plädoyer eine Pädagogik, die auf kindliche Neugier ebenso vertraut wie auf das souveräne Ignorieren komplexer Zusammenhänge vor der Zeit: Die Saat, schreibt er, geht schon auf, wenn es so weit ist, vorher aber kommt es darauf an, eine Ahnung von den Dingen zu vermitteln.

          Franz und Pecher lassen die Rezeption der Märchen ebenso plastisch werden wie die Zuträger aus dem Bekanntenkreis der Brüder. Einzelne Texte werden leichthändig interpretiert, und auch auf die politische Arbeit der Grimms fallen Schlaglichter. Vor allem aber zeigt sich in den hier vorgestellten Selbstzeugnissen der Brüder ein gut entwickelter Sinn für Komik, den man dann auch in den Märchen wiederentdecken kann

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