02.12.2009 · Florian, der im Sommer zur „Gespensterquelle“ kommt, merkt gar nicht, dass er tatsächlich mit einem Geist verkehrt: Friedl Hofbauer hat ein seltsames, spannendes und alles andere als konventionelles Jugendbuch geschrieben.
Von Tilman SpreckelsenEine Gespenstergeschichte ist bekanntlich umso wirkungsvoller, je normaler der Hintergrund ist, vor dem sich das Unheimliche erhebt. In Friedl Hofbauers „Die Gespensterquelle“ ist der Ortsname schon das gruseligste unter dem Dekor. Alles andere ist sommerlich flirrend, und was dem jungen Florian dort im Vertrauten widerfährt, ist aufregend und beglückend, aber weit davon entfernt, verstörend zu sein. Weil er das Eigentliche gar nicht mitkriegt.
Das Eigentliche: Das ist der Besuch eines Gestorbenen, der ein lange zuvor gegebenes Versprechen hält und noch einmal das Mädchen besucht, dass ihm sechzig Jahre zuvor mit einer Umarmung das Leben gerettet hatte - heute ist sie Großmutter, vermietet Zimmer in einem Ferienort und wird, was für ein schöner Einfall, von dem Geist erst nach Tagen als seine Retterin erkannt.
Der Katze sei Dank
Auch Florian hat viel mit jenem stillen Herrn zu tun, ohne Verdacht zu schöpfen. Er verliebt sich in das Mädchen Lena, das zur Gespensterquelle gekommen ist, um sich dort mit ihrer notorisch unzuverlässigen Freundin Elli zu treffen, während ihre Eltern urlaubshalber in Spanien sind. Wie Lena, nervös, besorgt und kratzbürstig, nun ihrerseits Florian wahrnimmt, wie sie sich ins Warten findet und sich im Wald gar nicht so schlecht schlägt, ist der Autorin offensichtlich wichtig, und weil sie auch hier ihren ruhigen, fast unterkühlten Ton beibehält, folgt man ihr gern.
Am Ende sorgt Florians Katze dafür, dass alles gut ausgeht, der geisterhafte Herr kann wenig mehr beisteuern als etwas Schutz vor im Sturm herunterkrachenden Ästen. Wenn dieses seltsame, spannende und alles andere als konventionelle Jugendbuch für eines einsteht, dann dafür, dass es bei Mensch, Tier und Geist ein Nebeneinander der Wahrnehmung gibt, das man getrost als Parallelweltenbündel bezeichnen kann. Gut, wenn die sich so ergänzen wie hier.
Tilman Spreckelsen Jahrgang 1967, Redakteur im Wissenschaftsressort der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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