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Das Bilderbuch „Was soll ich da erst sagen?“ Gestauchte Giraffe in übler Not

 ·  Martin Baltscheit und Antje Drescher zeigen, dass es immer noch schlimmer kommen kann. Ihrem Bilderbuch „Was soll ich da erst sagen?“ fehlt allerdings etwas Schwung.

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Oha, das könnte schwierig werden. Wer hat denn dem Elefanten den Rüssel abgeschnitten? Oder ist der abgefallen? Wie soll das graue Tier nun trinken? Die Stoßzähne sind ja länger als dieses Rüsselchen. Da reicht er an kein Wasser ran.

Das ist noch gar nichts, sagt die Giraffe ohne Hals. Sie hat aber auch wirklich Pech. Denn erstens sieht sie lächerlich aus, wie ein gesprenkeltes Pferd mit Hörnchen nämlich und zweitens sind die Kirschen im Baum nun praktisch unerreichbar. Wie konnte das passieren? Ist sie gegen eine Wand gelaufen oder gegen ein Dromedar und ist im oberen Wirbelbereich zusammengeschrumpelt? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass es die Spinne auf der nächsten Seite noch ein bisschen schwerer hat. Denn sie hat nur zwei Beinchen. Das reicht für gar nichts. Nicht mal fürs Netzebauen. Sie hängt so rum, an einem dünnen Fädchen und schaut den Fliegen nach, die sie nicht beachten. Was soll das für eine Gefahr sein - eine Spinne ohne Netz.

Lieblos und leicht dahingereimt

So geht das weiter in diesem Buch der bedauernswerten Tiere, das Martin Baltscheit geschrieben und zu dem Antje Drescher die Bilder gemalt hat. Es folgt ein Biber mit nur einem Zahn, ein Nashörnchen mit dem Horn auf dem Hintern, das man also Popohörnchen nennen und auf jeden Fall nicht ernst nehmen kann, dann folgt ein Springpferd, das Pralinen liebt und deshalb die Hindernisse platt sitzt und mampft, ein weißes Chamäleon, das sich bestenfalls im Schnee verstecken könnte, nicht aber in seiner grünen Welt. Und so geht es weiter. Am Ende wird natürlich allen Sondertieren mit einfachen Lösungen prima geholfen.

Ein nettes Buch, dem aber etwas Schwung fehlt. Die Bilder sind schön und auch schön bunt, die Tiere genau passend zwischen bemitleidenswert und lustig. Aber die Texte sind doch sehr lieblos und leicht dahingereimt: „Am See klagt der Biber, / der mit ohne Zähne: / ,Über mich Armen, / da lachen die Schwäne’.“ Oder das Dromedar mit den vier Höckern: „Zu viel ist zu viel! / Zwei Höcker, / nur zwei, das / wäre stabil!“ Och jo. Keine Reime, die Zuhörer und Vorleser irgendwie in allzu gute Laune versetzen.

Am Ende, auf den Seiten mit den Lösungen, wirkt es dann vollends so, als habe den Dichter die Lust verlassen oder den Verleger das Papier. Die werden dann ohne Worte auf einer Doppelseite weggedruckt. Als hätte man es plötzlich sehr eilig gehabt, diese schöne Idee schnell wieder zu vergessen.

Martin Baltscheit, Antje Drescher: „Was soll ich da erst sagen?“ Bajazzo Verlag, Zürich 2011. 40 S., geb., 14,90 €. Ab 4 J.

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1969, verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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