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Das Bilderbuch „Ringel Seepferdchen“ Die Anemonenkrone ist auch nicht ohne

10.02.2012 ·  Unterwasserbilder wie Gobelins, geknüpft aus tausend feinsten Punkten: Florian Weiß schickt ein neugieriges Seepferdchen auf die Suche nach seinem Kopfputz.

Von Silja von Rauchhaupt
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„Ringel Seepferdchen“, das Bilderbuch von Florian Weiß und Lasse Hölck aus dem Mannheimer Kunstanstifter Verlag, zeigt die Schönheiten der Unterwasserwelt so dicht und so detailgenau, dass das Betrachten einem Eintauchen gleicht, einem Untertauchen in die geheimnisvolle Welt unter der Meeresoberfläche.

Die Geschichte selbst, die Lasse Hölck verfasst hat, folgt dem Typus des Grimmschen Märchens „Sechse kommen durch die ganze Welt“. Es ist eines dieser Märchen, in denen einer auf Reisen Gefährten trifft, mit denen am Ende gemeinsam ein Sieg errungen oder ein Preis davongetragen wird. Diesmal entdeckt ein kleines Seepferdchen eines Tages, dass es anders ist als die anderen: Ringel fehlt das kleine Krönchen auf dem Kopf. Daraufhin setzt er sich in den Kopf, eine Krone zu suchen. Auf seiner Reise durch das Meer lernt er neue Freunde kennen, die sich ihm anschließen: einen Einsiedlerkrebs, der eine Muschel zum Wohnen sucht, einen blauen Fisch, der nur noch torkelnd schwimmen kann, weil sich an ihn eine reiselustige kleine Seeanemone geheftet hat, und einen Seestern, der sich auf seinem Felsen schrecklich langweilt. Ringel ist glücklich mit den neuen Freunden, doch eine Krone fehlt ihm immer noch. Ein geheimnisvoller Fetzenfisch hilft der Gesellschaft schließlich auf die Sprünge: „Ihr fünf seid euch wahrlich selbst genug. Die Lösung liegt nur in euch selbst.“

Faszination der Feinheit

So schön der Inhalt dieser Geschichte auch ist, es hätte dem Text sicher nicht geschadet, an einigen Stellen gestrafft zu werden. Weniger langatmig, hätte er gerade gegenüber den sehr detailreichen Bildern ein gutes Gegenwicht geschaffen. Diese Bilder von Florian Weiß muss man aus nächster Nähe betrachten, erst dann entfalten sie ihre ganze Pracht. Mit einer selbsterfundenen Zeichenmaschine, den Geräten nachempfunden, die in Tattoo-Studios verwendet werden, entstanden Punkt für Punkt im Laufe von zwei Jahren neun beeindruckende Querformate. Jedes dieser Werke ermöglicht dem aufmerksamen Betrachter immer neue Entdeckungen beim Absuchen der Bilder.

Man muss erst entdecken, dass auf dem ersten Bild mit zugekniffenen Augen in dem über und über mit Korallen bedeckten Felsen ein Gesicht zu sehen ist, dessen Augen zwei Fische bilden. Und schon allein die verschiedenen Strukturen des Meeresbodens, mal geriffelt, mal gepunktet, mal eng gestrichelt, dann wieder ganz zart, sind faszinierend zu betrachten.

Der Unterwassergeschichte entsprechend

Grundsätzlich bleiben die Darstellungen der Naturnähe verpflichtet. Auf zwei der Seiten jedoch wird die Bildsprache surrealistisch: Hier kann man Fische sehen, die auf dem Meeresboden Schach spielen, oder eine Pflanze, die am Ende jeden Stengels ein Auge hat. Was alle Bilder verbindet, ist eine eigentümlich flache Perspektive, sie haben so gut wie keine Tiefenwirkung, was dazu führt, dass die Bilder von weitem wie Muster aussehen, wie besonders raffinierte und edle Stoffe.

Daraus hat die Buchgestalterin Franziska Walther ein besonderes Buch gemacht. Bilder und Text sind, der Unterwassergeschichte entsprechend, in einem satten Blauton gedruckt. Außerdem wurden die querformatigen Bilder im Hochformat gebunden, so dass man das Buch nicht wie sonst üblich von links nach rechts, sondern von unten nach oben durchblättert. Das erzeugt gleich beim ersten Aufschlagen eine besondere Aufmerksamkeit für diese Bilder, die prächtig und kostbar wirken wie mittelalterliche Gobelins.

Florian Weiß, Lasse Hölck: „Ringel Seepferdchen“. Kunstanstifter Verlag, Mannheim 2011. 30 S., geb., 28,50 €. Ab 4 J.

Quelle: F.A.Z.
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