14.09.2009 · „Gustav und Albo vom Aldebaran“ ist ganz großes Kino. Aber kein Verlag wollte das Bilderbuch haben, weil es zu sehr nach Comic aussah. Zum Glück nahmen die Autoren die Sache selbst in die Hand.
Von Andreas PlatthausGustav erlebt einen großartigen Tag. Dabei geht der kleine Junge ganz normal zur Schule. Doch auf der Straße wird er von Albo nach dem Weg gefragt. Nicht nach dem Weg zur Schule, sondern zum Saturn, denn Albo ist ein Außerirdischer, stammt von einem Planeten im Aldebaran-System und hat sich in seinem winzigen Raumschiff mit dem putzigen Einrad verflogen. Nun lernt man in der Grundschule nicht genug Astronomie, als dass Gustav eine gescheite Antwort für Albo hätte. Aber er hat eine gute Idee: Er nimmt das hundeähnliche Wesen mit in die Schule, denn seine Lehrerin, Frau Meier-Greulich, weiß bekanntlich alles.
So beginnt ein in jeder Hinsicht bemerkenswertes kleines Bilderbuch, das Haimo Kinzler geschrieben und Leo Leowald illustriert hat. Die beiden Herren kennt man als Comiczeichner, und das war ihr Problem mit „Gustav“: Weil Verlage zu selten anschauen, was man ihnen anbietet, und sich stattdessen auf das stützen, was sie schon wissen, wurde Kinzlers und Leowalds Buch abgelehnt, weil es zu sehr nach Comic aussehe. Tut es zwar gar nicht, aber das hat den beiden Autoren zunächst genauso wenig geholfen wie Albo der Vorschlag von Gustav, denn Frau Meier-Greulich will erst einmal die Zeitreise-Fähigkeiten des extraterrestrischen Besuchers dazu nutzen, ihren Unterricht aufzupeppen. Gemeinsam reist man in die Ritterzeit, doch durch eine Panne landet man bei den Dinosauriern.
Das Zeug, eine ganz große Serie zu werden
Die Schwierigkeiten bei der Verlagssuche waren bezeichnenderweise weniger leicht zu beheben als der einige Millionen Jahre umspannende Irrtum des in Erdangelegenheiten wenig bewanderten Albo. Kinzler und Leowald gründeten also kurzerhand einen eigenen Verlag namens Stromboli, und so ist nun dort ihr Buch erschienen – die skeptischen alteingesessenen Häuser werden schon sehen, was sie davon haben. Denn „Gustav“ hat das Zeug, eine ganz große Serie zu werden.
Der Erzählton ist knapp und lapidar, die Zeichnungen sind klar und liebenswert, und zudem hat sich Leowald einen markanten optischen Kniff ausgedacht: Jedes neue Buch wird in einem anderen Farbton gehalten sein. Zum Auftakt herrscht Gelb vor, denn es ist gefährlich, was bei Sauriern und Rittern geschieht, und die gelbe Gefahr ist in Deutschland ja beinahe sprichwörtlich. Im zweiten Band, so viel verrät Leowald schon, wird es grün hergehen. Dürfen wir da mit dem Thema Hoffnung rechnen oder mit Eifersucht?
Viel Spannung also, und das gilt auch für den ersten Band von „Gustav“. Aber wer von einer Lehrerin erzählt bekommt, die als Judoka den Schwarzen Gürtel besitzt, der braucht beim Lesen keine Angst zu haben. Den Weg zum Saturn weiß sie natürlich auch.
Die wichtigsten Bilder-, Kinder- und Jugendbücher in Rezensionen der F.A.Z.
Andreas Platthaus Jahrgang 1966, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Bilder und Zeiten“.
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