08.12.2009 · Das Buch spielt im winterlichen Stall, sicher, aber was hier passiert, ist einmal nicht die Geburt Jesu. Eher geht es um den Advent, also um Vorbereitung, Erwartung, Vorfreude in dem Bilderbuch „Ein Licht im Stall“ von Kate Banks und Georg Hallensleben.
Von Silja von RauchhauptDas Buch spielt im winterlichen Stall, sicher, aber was hier passiert, ist einmal nicht die Geburt Jesu. Eher geht es um den Advent, also um Vorbereitung, Erwartung, Vorfreude. „Es kam näher und näher“, heißt es verheißungsvoll am Anfang, und immer wieder wird auf etwas hingedeutet, das zwar kommt, aber von niemandem bemerkt wird. Etwas Geheimnisvolles ist unterwegs, etwas Besonderes, das man nur spüren kann.
„Man konnte es daran sehen, wie der Schnee schwirrte und wirbelte und kleine Hügel und Kuhlen machte“, aber „niemand hörte das Glöckchen des herannahnenden Schlittens“, heißt es in „Ein Licht im Stall“ von Kate Banks, die so von Anfang an eine große Spannung aufbaut. Erst am Schluss weiß man, dass es der Schlitten des Tierarztes war, und das Ereignis, das sich über viele Seiten ankündigt, ist nichts anderes als die Geburt eines Fohlens. Wer da etwas Größeres erwartet hat, erlebt im Grunde genau das, was mit der kindlichen Vorfreude nicht selten geschieht: Auch ihr hält der Heiligabend in Wirklichkeit nicht stand, ohne dass man da von Enttäuschung reden kann.
Idyllisch, aber nie lieblich
Das Besondere an diesem Buch ist, dass und wie die Vorfreude an sich dargestellt wird: Die Landschaften sind über und über von Schnee bedeckt, die Sterne flimmern um die Wette, die Stube glänzt in satten, warmen Farben, aus einer dunklen Ecke funkeln die Lichter eines Tannenbaums hervor.
Das ist Georg Hallensleben zu verdanken: Er hat zu Banks' Text Acrylbilder geschaffen, von denen jedes zwar winterliche Idylle zeigt - nur lieblich sind sie nie. Das liegt an den groben Strukturen der Pinselstriche, die die kahlen Bäume richtig struppig wirken lassen, und an der freien Bildkomposition, die sich wenig an Bildgrenzen oder Regeln hält. Auch Licht und Schatten spielen da eine Rolle, vor allem wenn das Weiß des Schnees aus dem Dunkel des Abends hervorleuchtet: mal dick flächig, mal getupft. Erwartbar ist das alles nicht. Und dafür umso schöner.