Das Kaninchen hat ein Stöckchen gefunden, und so ein feines Stöckchen, das weiß es genauso gut wie alle Vierjährigen, kann man eigentlich immer oder bestimmt noch einmal bestens gebrauchen. Wozu genau, ist meist nicht klar, auch das Kaninchen hat davon lange keine Vorstellung. Dem Schwein, dem Pferd und dem Huhn geht das nicht anders.
Die drei haben in dem wunderbaren Bilderbuch „Ihr seid doch alle doof!“, dessen Geschichte sich der norwegische Autor und Schauspieler Trond Brænne zusammen mit seinen Kindern Kaia und Bendik ausgedacht hat, nacheinander den guten Stock gefunden, ihn einander damit unwissentlich weggeschnappt und vor den eigenen Stall gelegt, um drinnen zu sinnen, wozu genau das gute Stück denn nun zu gebrauchen sei. Nur die Elster wusste das gleich. Kein Wunder, schließlich stammt das Stöckchen doch aus ihrem Nest, war dort das beste und wichtigste von allen, weil es eigentlich das ganze Nest zusammenhielt, nur kurz auf den Boden gelegt, weil der arme Vogel ein bisschen umbauen wollte.
Gut, dass sie so garstig gucken
Es muss einen Dieb geben auf dem Hof, das weiß die Elster gleich, einen wirklichen Dieb, das müssen zu ihrem Entsetzen auch Huhn, Pferd und Schwein erkennen, schließlich hat der Schurke nicht nur die Elster bestohlen, sondern, wie sie rasch merken, auch sie selbst. Das Kaninchen indes hat vor dem Räuber keine Angst, hat es doch inzwischen entschieden, dass sich der Fund vorzüglich als Verriegelstöckchen, als Diebstahlschutz also für seinen Stall, einsetzen lässt. In dem die vier Besucher sofort das eigene Stück erkennen. Es folgen Geschrei und Tumult, nachdem die fünf, selbst ziemlich geschunden und gerupft, vor dessen Krümeln hocken. Jeder bedauert den eigenen Verlust, das Schwein findet darüber hinaus die anderen doof, die Elster hingegen erkennt, dass sie jetzt fürs Erste nicht nur kein Nest, sondern auch keine Freunde mehr hat. „Aber nur“, mit diesem Trost schließt die Geschichte, „bis abends die Sonne unterging.“
Das alles ist fein erzählt, ganz nah an den Details kindlichen Erlebens. Wer in jungen Jahren anderen etwas wegnimmt, merkt es tatsächlich meistens nicht, und die kindliche Selbstbezogenheit steht der gütlichen Einigung im Weg. Aus solch einer Geschichte hätte durchaus ein schönes Bilderbuch werden können. Dass ein wunderbares Werk daraus geworden ist, verdankt es den Illustrationen von Per Dybvig, der auch schon Jo Nesbøs „Doktor Proktor“-Bücher bereichert hat. Sein derb gekrakelter Strich, die genervten Schnuten und groben Gesten seiner kratzbürstigen Figuren schützen die Geschichte vor zu viel Schönheit. Auch wenn das Happy End in Aussicht steht.