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Das Bilderbuch „Alle Kinder“ : Der doofe Torben ist schon gestorben

Bild: Klett Kinderbuch

Das Leid der anderen ist kein Grund zum Lachen - das lernen die Kinder. Ein neues Buch von Martin Schmitz-Kuhl und Anke Kuhl zeigt, wie viel Spaß die Schadenfreude machen kann.

          Im Grunde ist es erstaunlich, dass am Ende dieses eigenwilligen Kinderbuches noch genauso viele Kinder auf den Bildern zu sehen sind wie am Anfang. Denn würde man der Logik des Textes folgen, müssten es eigentlich immer weniger werden, so konsequent wie die lieben Kleinen hier eines nach dem anderen auf der Strecke bleiben.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Jeder erwachsene Leser dürfte die zweizeiligen Reime, denen sie zum Opfer fallen, noch aus früheren Tagen kennen. Vermutlich haben aber nur wenige von ihnen damals die Sache so durchdekliniert wie jetzt der Autor Martin Schmitz-Kuhl. Er hat sämtliche Überlegungen bezüglich Pietät, Rücksicht und Taktgefühl beiseitegeschoben und ein erfrischend unverkrampftes Buch geschrieben, das allen - Kindern und Erwachsenen - erlaubt, sich endlich einmal offen und frei zu dem zu bekennen, was mit am meisten Spaß macht: die Freude über das Leid der anderen. Überflüssig an dieser Stelle noch einmal zu erwähnen, dass die Deutschen für dieses besondere Gefühl ein schönes eigenes Wort haben, im Gegensatz zu ihren (natürlich nur vordergründig) weniger auf Krawall gebürsteten französischen und englischen Nachbarn.

          Wenn es also heißt „Alle Kinder stehen am Abgrund. Außer Peter - der geht noch ’n Meter“, dann ist das vor allem eine Einladung, seine gute Erziehung über Bord zu werfen. Alles, was Eltern ihren Kindern in jahrelanger Arbeit an guten Manieren beizubringen versuchen, wird in dem Buch „Alle Kinder, ein Abc der Schadenfreude“ frohen Mutes ignoriert und ins Gegenteilige verkehrt. Witze auf Kosten von Dicken und Kleinen, im Urwald verlorenen, von bösen Feen entführten oder vom Bus überrollten Kindern sind nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Wobei die wunderbar naiven Zeichnungen von Kindern mit grenzdebilen Blicken, die Anke Kuhl gefertigt hat, den Spaß an der ganzen Sache nur vergrößern. „Alle Kinder freuen sich des Lebens. Außer Torben - der ist gestorben“, heißt es. So ein Pech aber auch.

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