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Bilderbuch von Duda und Friese : Vor Bonbonmonstern wird gewarnt!

Christian Duda, Julia Friese: „Bonbon“. Verlag Beltz & Gelberg, Weinheim 2016. 32 S., geb., 12,95 €. Ab 4 J. Bild: Beltz & Gelberg

Der unverhoffte Süßigkeitenfund nach dem Zähneputzen und seine Folgen: In ihrem neuen Bilderbuch „Bonbon“ stellen sich Christian Duda und Julia Friese der Versuchung.

          Versuchung kann ein Bonbon sein, das, in gelbes Glanzpapier gewickelt, abends auf dem Fußboden liegt, als das kleine Mädchen vom Zähneputzen kommt. Was macht man mit einer Versuchung? Die Frage wird das Mädchen bis zum Ende des neuen Buches von Christian Duda und Julia Friese beschäftigen, das deswegen den lapidaren Titel „Bonbon“ trägt.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Es erzählt die ewige Geschichte vom Teufelchen und vom Engelchen - bezogen auf ein namenloses Mädchen, dessen Haare zu zwei seltsamen Zöpfen gebunden sind und ihr auf den Grafiken von Julia Friese vom Kopf abstehen wie zwei Antennen, mit denen das Mädchen die Möglichkeiten auslotet, die sich ihm angesichts des gelben Bonbons bieten. Das Spektrum reicht von „Du passt ganz genau in meinen Mund rein!“ bis zu „Aber nicht jetzt! Bettzeit“ - sollte man meinen. Aber welch weites Feld sich dazwischen auftut, sieht man auf den folgenden dieses nur zwanzig Seiten zählenden Buches. Denn nicht nur gehen dem Mädchen gedanklich bald die Pferde durch, als es überlegt, was alles passieren könnte, wenn es das Bonbon in den Mund nehmen würde. Auch die Ordnung auf den Bildern gerät ins Wanken. Die mit Wachsmal- und Buntstiften skizzierten sowie später am Computer aufgefüllten Bilder schieben den Text an den Rand und lassen nur wenig Platz für Worte. Es ist, als löste die Vorstellungskraft die Raumaufteilung auf und stellte die Rangordnung der Dinge auf den Kopf - so groß ist die Versuchung.

          Was, wenn doch?

          So groß ist auch die Gefahr. Von Vätern und Müttern, die einen erwischen, droht sie weniger. Schwerer wiegen „Bonbonmonster“ im Bauch, die alles wegfuttern, was das Mädchen zu sich nimmt, so dass es immer Hunger hat, aber nie satt wird. Das sind so seine Gedanken. Sie sind von Christian Duda in einer Sprache geschrieben, die vollständig die Perspektive des Kindes einnimmt, was natürlich in der Logik der Erzählung liegt. Zuweilen aber fragt man sich, ob die Imitation der kindlichen grammatikalischen Schwächen („Das macht Papa ärgerlich, ganz schlimm, weil Bonbon verboten und Pipi verboten ist zweimal falsch“) tatsächlich notwendig ist, da sie sich Kindern als Stilmittel kaum erschließen und erwachsene Vorleser eher nerven als rühren dürften, weil sie die Geschichte umständlicher machen, als sie ist.

          Stattdessen hätte man die reine Phantasie weiter ausgreifen lassen dürfen, man hätte dem Mädchen erlauben dürfen, das Zubettgehen weiter aufzuschieben und darüber nachzudenken, was passiert, wenn es dieses glitzernde Bonbon eben doch aufmacht. Wenn man sieht, was ihr auf den wenigen Seiten einfällt, ist schwer vorstellbar, dass es dabei bleibt. Und schließlich wäre noch die Frage, was eigentlich geschieht, wenn man der Versuchung nachgibt.

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