http://www.faz.net/-gr3-8t05u

Bauhaus-Künstler im Kinderbuch : Da hat jemand seine Meister gefunden

Ingolf Kern, Jutta Stein, Kitty Kahane: „Wer wohnt in weißen Würfeln?“ E. A. Seemann Verlag, Leipzig 2016. 56 S., geb., 14,95 €. Ab 8 J. Bild: E. A. Seemann Verlag

Ein Buchreihe stellt das Leben der Dessauer Bauhaus-Künstler vor. Doch statt einer Handlung gibt es eher szenisch übermittelte Informationen, die trocken und sperrig bleiben, trotz hochinteressanter Details.

          „Ihr wisst doch, was das Bauhaus ist. Ein Kindergarten für Erwachsene, wo jeder sich ausprobieren und mit anderen spielen kann, um herauszufinden was der Mensch braucht, um modern zu sein.“ Sagt Felix Klee. Zumindest legt ihm Ingolf Kern das in den Mund. Kern, Kommunikationsdirektor der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, kennt sich bestens aus mit dem Bauhaus und den Künstlern, die 1925/26 von Weimar nach Dessau kamen. Kern weiß, welche Möbel bei den Kandinskys standen oder wie die Partys der Bauhäusler aussahen. „Wer wohnt in weißen Würfeln?“, die Frage des Titels beantwortet sein Bauhaus-Buch für Kinder durchaus.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Pauls Klees Sohn Felix etwa, der den Grundschulkindern Max und Lotte das Leben der Bauhäusler erklärt, war mit 14 der jüngste Schüler, den das Bauhaus hatte. Und er hat, Wand an Wand, mit den Kandinskys in einem der weißen Doppelhäuser gewohnt, die Walter Gropius 1926 für die Bauhaus-Meister in Dessau errichtet hatte. In Gropius’ Direktorenhaus kamen beinahe täglich neugierige Besucher, die Errungenschaften wie Klappsofas, Teekocher oder einen Wurfschacht für Schmutzwäsche besichtigen wollten. „Wir sind nämlich sehr modern“, erläutert Ise Gropius - auch wenn ihr junger Besuch das neunzig Jahre später nicht so sieht.

          Wie ein Faschingszug

          Seit dem vergangenen Jahr wird in Dessau Bauhaus-Jubiläum gefeiert, vor neunzig Jahren zog die Schule dorthin um. Und bis 2019, wenn 100 Jahre Bauhaus auf der Agenda stehen, soll jedes Jahr auch ein neues Kinderbuch zu einem Bauhaus-Thema erscheinen. Was das Bauhaus ist, hat Kern im Vorgängerband erklärt, nun entdecken Max und Lotte, die mit ihrem Vater, einem Architekten, in Dessau zu Besuch sind, die Meisterhäuser. Die Idee der Zeitreise zurück ins Jahr 1926, mit der ihnen das gelingt, ist zwar noch betagter als die Moderne der Bauhäusler - funktioniert aber im Grunde immer im Kinderbuch.

          Es hätte alles so schön werden können auf den 56 stilecht in Futura gesetzten Seiten, zumal es ein vorbildliches Unternehmen ist, Kindern ein Phänomen wie das Bauhaus in vielen Facetten nahebringen zu wollen. Kern aber mag tief in die Instrumentenkiste des Kinderbuchs greifen, Illustratorin Kitty Kahane dazu Comiczeichnungen voller Bauhaus-Anspielungen kombinieren: Die Bauhäusler, eine faszinierende Schar Erwachsener und Jugendlicher, defilieren vor allem im Text doch nur wie ein Faschingszug daher, statt einer Handlung gibt es eher szenisch übermittelte Informationen, die trocken und sperrig bleiben, trotz hochinteressanter Details. In die oft belehrende Sprache plumpst hier und da ein anbiederndes „voll langweilig“ oder „Ich darf nicht mal iPad“, und die Zeitreise endet ebenso abrupt, wie sie angefangen hat: ein Bogen, der ohne Spannung auskommt. Es gehe um Ideen und eine Lebenshaltung beim Bauhaus, doziert der strenge Gropius. Immerhin bleiben der Stiftung Bauhaus noch drei Versuche, das in einem Kinderbuch zu vermitteln.

          Weitere Themen

          Mussolinis Architektur als Welterbe?

          Griechische Insel Leros : Mussolinis Architektur als Welterbe?

          Die griechische Insel Leros will für ihre Architektur den Welterbestatus. Die dort gelegene Stadt Lakki wurde als Einheit im Stil des Rationalismus gebaut, sie entstand, als die Insel zu Italien gehörte.

          Topmeldungen

          Friedrich Merz bei der CDU-Regionalkonferenz in Lübeck vergangenen Donnerstag.

          Friedrich Merz : „Ich verdiene eine Million Euro“

          Was kaum jemand anzweifelte, bestätigt der Blackrock-Deutschland-Aufsichtsratschef und Kandidat um den CDU-Vorsitz nun selbst: Friedrich Merz gehört zu den Großverdienern im Land. Zur Oberschicht will er sich allerdings nicht zählen lassen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.