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Jo Lendles neuer Roman : Der Doppelgänger

Auch er führt ein Doppelleben, zwischen Verleger und Romancier: Jo Lendle Bild: Schoepal, Edgar

Jo Lendle übernimmt im Januar den Hanser Verlag. Vorher hat er einen Roman geschrieben. „Was wir Liebe nennen“ ist ein raffiniertes Spiel mit dem romantischen Doppelgängermotiv.

          Wer dieser Tage zwischen München, Berlin und Köln auf Jo Lendle trifft, den lässt der Fünfundvierzigjährige nichts spüren von der großen Aufgabe, die ihm zum Jahreswechsel bevorsteht. Dann wird er Chef des angesehenen Hanser Verlags, Heimat zahlreicher Nobelpreisträger. Er aber strahlt nach wie vor diese eigenwillige Mischung aus jungenhafter Verschmitztheit und Konzentration aus. Und wenn er ins Reden kommt, über Bücher, die unbedingt geschrieben werden müssten, oder Autoren, von denen lange nichts zu hören war, dann malt er mit seinem signalrot umwickelten Arm große Kreise in die Luft.

          Sandra  Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          Lendle ist mit dem Fahrrad gestürzt. Zum Glück ist nur der linke Arm verletzt, den rechten hat er in den vergangenen Monaten gebraucht. Sein Sabbatical zwischen dem Neuanfang in München und dem Weggang in Köln, wo er fünfzehn Jahre lang bei Dumont gearbeitet hat, zum Schluss als verlegerischer Geschäftsführer, hat er unter anderem genutzt, um einen Roman zu schreiben: „Was wir Liebe nennen“. Heute kommt er in den Handel.

          Der Zauberer stößt auf sein zweites Ich

          Es wird kaum Zufall sein, dass Lendle eine phantastische Doppelgänger-Geschichte erzählt. Denn bei seiner enormen Produktivität kommt einem bisweilen der Gedanke, ob er vielleicht selbst ein Double habe. 1968 in Osnabrück geboren, wurde er nach dem Studium in Hildesheim, Montreal und Leipzig erst Lektor, dann Programmleiter und vor drei Jahren schließlich Verleger - alles bei Dumont, dem Verlag, den er mit großen Autoren wie Haruki Murakami, Hilary Mantel und Michel Houellebecq sowie den jungen Schriftstellern Jan Brandt, Andreas Schäfer und Tilman Rammstedt gut aufgestellt hat.

          Zugleich schreibt er, der 1999 mit den Prosaskizzen „Unter Mardern“ debütierte, regelmäßig und erfolgreich eigene Bücher. Die Doppelbegabung teilt er mit seinem Vorgänger bei Hanser, Michael Krüger. Und wie dieser schreibt auch Lendle morgens, noch ehe der Tag so richtig begonnen hat - oder sich auch nur seine beiden Kinder, im Teenageralter, aus dem Bett geschält haben. Abends könnte er keine Zeile zu Papier bringen, nachdem er sich den ganzen Tag kritisch, wertend und oft auch ablehnend über die Texte anderer Leute gebeugt habe, sagt er.

          Lendles jüngster Held, Lambert, ein mäßig erfolgreicher Zauberer aus dem beschaulichen Osnabrück, verschlägt es auf einem turbulenten Flug inklusive Notlandung nach Kanada. Buchstäblich aus der Bahn geworfen, auch durch den Tod des Vaters, den er am Tag vor der Abreise noch beerdigt hat, stolpert Lambert in der Neuen Welt in einen amour fou mit Felicitas, genannt Fe. Die Paläobiologin mit den ungezähmten Locken versucht in Quebec eine rückgezüchtete Pferdeart auszuwildern. Für den introvertierten Illusionisten aus dem Münsterland verkörpert die Kanadierin den Inbegriff von Freiheit. Alles andere wird plötzlich unwichtig. Vergebens versuchen seine Freundin Andrea und sein Chef Lambert ihn per Telefon, E-Mail und SMS zu erreichen.

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