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Rezension : Zwei Narren, viele Herren

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Die Protagonisten Fröhlich und Schmiedel: Johann Joachim Kändler modellierte das Narrenpaar 1741 für die Porzellanmanufaktur Meissen. Bild: INTERFOTO

Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt: Hans Joachim Schädlich entführt uns in seinem neuen Roman an deutsche Schlosshöfe. Da lässt er die Geschichte ganz schöne Faxen aufführen.

          Der Schriftsteller Hans Joachim Schädlich war Mitte dreißig, als im Herbst 1977 zum ersten Mal eine Arbeit aus seiner Feder Aufsehen erregte. Dass es so lang dauerte, lag nicht daran, dass es ihm an Einfällen oder an Begabung gefehlt hätte. Schädlich, 1935 im Vogtland geboren, war zu jener Zeit noch Bürger der DDR, und zwar einer von der Sorte, die nach Ansicht des Regimes falsch dachten, infolgedessen falsch handelten und, falls sie Schriftsteller waren, natürlich auch falsch schrieben. Den letzten Beweis dafür, dass diese Einschätzung stimme, hatte Schädlich erst 1976 geliefert, als er den Brief unterzeichnete, mit dem Mitglieder der dichtenden DDR-Elite gegen den tückischen Hinauswurf Wolf Biermanns aus dem SED-Staat protestierten.

          Das Erfolgsbuch mit dem Titel „Versuchte Nähe“ erschien denn auch nicht in einem DDR-Verlag, sondern bei Rowohlt in Reinbek bei Hamburg, und das kurz vor der Frankfurter Buchmesse. Ein Glücksfall für den Autor, denn die im Band enthaltenen fünfundzwanzig Erzählungen, Berichte vom Alltag „in mittlerem Land“, erreichten sofort viele Leser und machten ihren Schöpfer im deutschen Westen bekannt. Gewissermaßen nützte ihm das auch im deutschen Osten. Dort nämlich lag seit einiger Zeit Schädlichs Ausreiseantrag, und nach dem ärgerlichen Beifall im Land des Klassenfeindes beeilte sich das DDR-Regime, den lästigen Schreiber loszuwerden.

          Das Weltbild im Phantasie-Spiegel

          Dabei gehörte der Autor Schädlich weder damals noch später zu den Hasspredigern. Zwar porträtierte er den sogenannten Arbeiter- und Bauernstaat mit Blick auf seine gesellschaftliche Realität und seine Machtstrukturen, doch ohne Häme. Er bildete ihn einfach ab, dies aber so genau, als läge das Staatsgebilde als Präparat unter seinem Mikroskop. Und als Resultat solcher Forschung blieb vom DDR-Anspruch auf historische Größe und garantiertes Menschenglück nie etwas anderes übrig als geronnenes Pathos. Je älter und reifer Schädlich wurde, desto dringlicher bewegte ihn der Gedanke, das fatale Böse und Dumme im Handeln von Menschen habe seinen Ursprung nicht in politischen Diktaturen, sondern umgekehrt würden Diktaturen aller Art aus menschlichem Versagen geboren und von menschlicher Unvollkommenheit am Leben erhalten. Besonders deutlich und eindrucksvoll beschrieb er das in „Tallhover“, 1986 erschienen. Der Titelheld ist ein Staatswächter, dem wir hundertsechsunddreißig Jahre lang bei seinen Machenschaften zuschauen können, von 1819 bis 1955. Er ist vielmehr die albtraumhafte Realisierung menschlicher Gemeinheiten. Wer immer in jenen historischen Epochen deutsche Lande beherrscht, darf sich auf diesen Aufpasser verlassen, denn der schnüffelt alles aus, was unzufriedene Bürger denken, wünschen, beabsichtigen. Eine befriedigende Karriere für den Schnüffel-Typen, die erst in der DDR ihr Ende findet. Hier stellt Tallhover nämlich, im Zusammenhang mit dem Aufstand vom 17. Juni 1953, Regimefehler fest und damit auch eigene Fehler. Jetzt hat er genug, will sein eigener Ankläger, Richter und Henker sein. Aber Unsterbliche können nicht sterben.

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