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: Wahre Schönheit kommt von Finnen

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Finnland ist wie Venedig - nur ganz anders. Sicher, viel Wasser, viel Nebel, viele Mücken gibt es in der Lagune des Südens ebenso wie in der Tundra Lapplands. Doch schon bei den Wohnmobilen der Nordlandfahrer und den Elchen hüben, bei den Gondeln und Tizian drüben fangen die Unterschiede an. Fest steht nur, daß Finnland und Venedig beide politisch zum alten Europa gehören.

          Finnland ist wie Venedig - nur ganz anders. Sicher, viel Wasser, viel Nebel, viele Mücken gibt es in der Lagune des Südens ebenso wie in der Tundra Lapplands. Doch schon bei den Wohnmobilen der Nordlandfahrer und den Elchen hüben, bei den Gondeln und Tizian drüben fangen die Unterschiede an. Fest steht nur, daß Finnland und Venedig beide politisch zum alten Europa gehören. An diesem archimedischen Punkt setzte jedenfalls Hannu Raittila an, als er seinen Roman "Canal Grande" verfaßte: Wir sitzen heute alle in einem Boot, egal ob es venezianisch gegondelt oder finnisch gerudert wird.

          Dabei läßt sich naturgemäß kein größerer Gegensatz denken als der zwischen Finnland und Venedig. Venedig kennt jedermann. Doch von Finnland weiß die Öffentlichkeit der Welt, insonderheit die deutsche Abteilung, nicht gerade viel. Die Finnen wohnen weit im Norden, haben in ihrer Abgeschiedenheit das Mobiltelefon erfunden und machen in Gestalt der Brüder Aki und Mika Kaurismäki wundervolle Filme, in denen nicht nur nichts passiert, sondern auch noch so gut wie nicht gesprochen wird. Bertolt Brecht staubte im finnischen Exil sein Puntila-Stück ab und hinterließ, bevor er ins sonnige Kalifornien weiterzog, einige Aphorismen über das notorisch wortkarge Völkchen. Und von den finnischen Autorenkollegen Raittilas macht sich derzeit allenfalls Arto Paasilinna mit seinem Roman "Der wunderbare Massenselbstmord" - im Original: "Hurmaava joukkoitsemurha" - völlig zu Unrecht keinen Namen.

          Wollen die Finnen sich im globalen Dorf auf diesen kargen Gemeinplätzen ausruhen? Es bleibt ihnen wenig anderes übrig. Aber betrachten wir die Sache doch einmal von der entgegengesetzten Seite: Als kultiviertes Volk gehören die Finnen zu den Stützen der Europäischen Union, sie zahlen in Euro, halten sich fern von mediterranen Sitten wie Korruption und Vetternwirtschaft, treiben dafür löblich die Emanzipation der Frau voran. Hinter dem Bollwerk ihrer nahezu unerlernbaren Sprache, geschmiegt an den Bottnischen Meerbusen und immer noch erleichtert, nicht als Sowjetrepublik Karelien von der Zivilisation hoffnungslos abgehängt worden zu sein, blicken die Finnen auf das korrupte Gerangel der restlichen Europäer. Und sie fragen sich: Was haben wir damit zu tun?

          Venedig, die alteuropäischste der alten europäischen Metropolen, gebaut auf der Grenze zwischen Realität und Traum, eignet sich für die finnische Selbstvergewisserung daher ganz prächtig, weil hier die verwickelte Historie, der weltweite Ruhm, die verwickelte Verwaltung der Gegenwart mit dem zupackenden, leutseligen Finnentum frontal aufeinanderprallen kann. Dort wird das Geld verbraten, das ehrliche Leute, etwa in Finnland, mühsam verdienen. Oder, wie es einer der Protagonisten des Romans sehr treffend sagt: "In Venedig kann man nichts zustande bringen, dort kann man sich nur aufhalten."

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