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Ulf Nilsson: Als Oma seltsam wurde : Ich bin doch gar nicht mein Vater

Bild: Moritz Verlag

Der schwedische Kinderbuchautor Ulf Nilsson weiß, wie man heikle Themen mit größter Selbstverständlichkeit und viel Witz verpackt. Zusammen mit den detailreichen Illustrationen von Eva Eriksson ist auch sein neues Buch „Als Oma seltsam wurde“ ein Meisterwerk der Sensibilität.

          Was ist mit Oma bloß los? Als sie mit dem Enkel in die Stadt zur Bank geht, denkt sie zwar noch daran, Mantel und Hut anzuziehen, doch die Füße bleiben in Hausschuhen. Das ist ein winziges Detail, doch es zeigt, wie konsequent die schwedische Illustratorin Eva Eriksson die Geschichte ihres Landsmannes Ulf Nilsson weiterdenkt, der aufgrund eigener Erfahrungen mit altersbedingter Vergesslichkeit bei seiner Mutter und seiner Großmutter das Kinderbuch „Als Oma seltsam wurde“ geschrieben hat.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Aber was reden wir beschönigend von „Vergesslich-“ oder „Seltsamkeit“? Auch wenn die medizinischen Bezeichnungen nie fallen, müssen wir an Alzheimer denken oder an Demenz, denn all das schwingt in der scheinbar so harmlosen Episode mit, die das Buch erzählt: Ein kleiner Junge erlebt, wie die Oma plötzlich seinen Namen nicht mehr weiß, ihn mit seinem Vater verwechselt, nicht mehr die normalen Tagesabläufe kennt und aus akut erwachendem Misstrauen all ihr Geld von der Bank holt und im ganzen Haus versteckt. Dann sinkt die alte Dame in einen tiefen Schlaf, und hätte der nun seinerseits misstrauisch gewordene Bankangestellte nicht einen Arzt alarmiert, der die Oma behandelt, möchte man nicht vermuten, dass die Sache so gut ausgegangen wäre, wie es geschieht.

          Erikssons Bilder gewinnen gegenüber dem Text ein produktives Eigenleben

          Dass es natürlich nur im Buch so harmlos endet, macht Nilsson in einer Vorbemerkung deutlich, in der er sich an seine Mutter erinnert und die Motivation für seine Erzählung klarstellt: „Als es ihr besserging, konnten wir lachen über das, was sie gesagt hatte.“ So lacht man auch über die törichte Oma, wie man es als Kind über jeden Erwachsenen tut, der sich kindisch verhält.

          Ulf Nilsson

          Doch die Angst kommt auch. Die Großmutter ist das wahre Kind, und ihr Enkel übernimmt mit Pfeil und Bogen sofort die Beschützerrolle. Es macht Spaß zu lesen, wie das aus der Sicht des Jungen erzählt wird. Doch Nilsson hat in der Vorbemerkung berichtet, wie die Geschichte bei seiner Mutter weiterging: „Aber die Krankheit kam zurück, immer mehr und mehr. Und dann half keine Medizin mehr.“

          Nilsson ist heute selbst schon sechzig und einer der renommiertesten Kinderbuchautoren Schweden. Wer sich an seinen ebenfalls von Eva Eriksson illustrierten Band „Die besten Beerdigungen der Welt“ erinnert, der vor zwei Jahren auf Deutsch erschien, weiß, dass der Schriftsteller heikle Themen mit größter Selbstverständlichkeit und eben sehr viel Witz zu erzählen weiß. Doch diesmal gewinnen zudem Erikssons Bilder gegenüber dem Text ein produktives Eigenleben - durch den Detailreichtum der auf den ersten Blick schlicht gehaltenen Motive.

          Man achte nur darauf, wie Eriksson zunächst nur den Jungen mit roten Wangen versieht, die dann aber nach der Heilung auch die Oma bekommt, während nun der Enkel bleich bleibt, damit der Kontrast besser zur Wirkung gelangt. Oder der letzte Beweis für die Genesung: Als es zum Schluss noch einmal zur Bank geht, um das mühsam im Haus wieder zusammengesuchte Ersparte zurück aufs Konto zu bringen, hat die Oma elegante Halbschuhe an.

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