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Taiye Selasi: Diese Dinge geschehen nicht einfach so Schwarz, erfolgreich, zerrissen

Der erste Roman über die jungen Afropolitans: Taiye Selasis Debüt „Diese Dinge geschehen nicht einfach so“ ist kosmopolitisch, exotisch, engagiert. Neue Töne für das alte Genre Familienroman.

© Verlag

Es gibt Schriftsteller, die bereits berühmt sind, bevor ihr erstes Buch erschienen ist. Dafür gibt es nicht immer gute, aber fast immer sehr aufschlussreiche Gründe. Ein Rumor eilt solchen Autoren voran, manchmal ist es auch nur ein Foto, jedenfalls baut sich eine Erwartung auf, hier und da von unsichtbaren Händen hilfreich gestützt, die Buch und Autor zuverlässig vor sich her bläst, bis beide sicher im heimeligen Hafen der Bestsellerliste gelandet sind. Taiye Selasi scheint ein solcher Fall zu sein.

Hubert Spiegel Folgen:

„Diese Dinge geschehen nicht einfach so“ heißt ihr erster Roman, den sein deutscher Verlag als literarische Sensation aus Amerika ankündigt: „ein kosmopolitischer Familienroman“. Selasi erzählt darin die Geschichte von Kwaku Sai aus Ghana und seiner nigerianischen Frau Fela, die an der amerikanischen Ostküste mit ihren vier Kindern nicht mehr erstreben als das Durchschnittsleben in bescheidenem Wohlstand, das einem hervorragenden Arzt mit glänzender Ausbildung und außergewöhnlichem Talent zusteht. Doch weil Kwaku so talentiert ist - und womöglich auch, weil er schwarz ist -, soll er eine Patientin operieren, obwohl alle wissen, dass deren Leben durch keine ärztliche Kunst zu retten ist. Die Frau stirbt auf Kwakus Operationstisch, ihre reichen Angehörigen, die das Krankenhaus schon lange finanziell unterstützen, fordern den Kopf des schwarzen Arztes. Kwaku, der Ausnahme-Chirurg, wird gefeuert.

Polyzentrischer Aufbau

Sein Vater, der in Ghana seiner Familie eine Buschhütte gebaut hat, soll mit erhobenem Kopf ins Meer geschritten sein, nachdem weiße Männer ihn öffentlich ausgepeitscht hatten. Kwaku wird von Scham und Ohnmacht aus seiner kleinen Ostküsten-Villa getrieben. Er verlässt Fela und die Kinder ohne ein Wort der Begründung. Als er zurückkehrt, ist das Haus leer. Die Familie ist zerfallen. So etwas passiert. Aber es passiert nicht einfach so.

Taiye Selasi beginnt ihren Roman sechzehn Jahre später, mit Kwakus Tod, dessen Schilderung sich über etwa hundert Seiten erstreckt, unterbrochen von Rückblenden und Ortswechseln. Selasi wurde der Fama nach als Studentin in Oxford von Toni Morrison entdeckt, die als erste Frau schwarzer Hautfarbe den Nobelpreis erhalten hat. Chinua Achebe, der soeben verstorbene Altmeister, gehört zu ihrer Lektüre wie die Bücher ihrer nigerianischen Generationsgenossin Chimamanda Ngozi Adichie. Und wie Jennifer Egan, John Lanchester, Peter Buwalda und andere hat sie von Jonathan Franzen gelernt, dass ein moderner Familienroman polyzentrisch aufgebaut sein muss, also möglichst viele, möglichst unterschiedliche Identifikationsangebote bereithalten sollte. Nicht zuletzt deshalb haben Kwaku und Fela vier Kinder, deren unterschiedliche Werdegänge ausführlich geschildert werden, samt den dazugehörigen Problemen von Bulimie bis Missbrauch.

In amerikanischen Kliniken und afrikanischen Hütten

Olu, der Älteste, wird Arzt und will so perfekt sein, wie sein Vater es bis zu seiner Entlassung war. Die Zwillinge Kehinde und seine Schwester Taiwo, beide ungewöhnlich schön und ungewöhnlich begabt, wurden als Pubertierende vom Halbbruder ihrer Mutter Fela missbraucht. Sie hatte die Kinder nach Kwakus Flucht nach Lagos gegeben, ohne zu ahnen, was die Zwillinge im Haus des dämonischen, halbverrückten Kriminellen erwarten würde. Und Sadie, die Jüngste, geplagt von Essstörungen, unglücklich verliebt in ihre strahlende Collegefreundin Philae, leidet am meisten unter dem Zerfall der Familie, die erst wieder zusammenfindet, als Kwakus Begräbnis sie in Ghana zusammenführt.

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